Theatergemeinde BONN

Barockoper - das wahre moderne Musiktheater?

Seminar - Dr. Benedikt Holtbernd

Das traditionelle Musiktheater des 19. Jahrhunderts hat längst als zukunftsgerichtete Theaterspielweise ausgedient, auch wenn wir, wie wir jetzt merken, noch an ihm wie an der Mutterbrust hängen. Das Musiktheater des 19. Jahrhunderts ist deshalb kein alter Zopf, den wir mutwillig abschneiden sollten. Aber Mauricio Kagel hat mit „Staatstheater“ schon Ende der 60er Jahre in radikaler Weise die Grundprinzipien aufgezeigt, die ein Theatererlebnis möglich machen. Ein Bewusstseinsprozess, dem sich die Theater im eigentlichen Sinne nicht wirklich gestellt haben. Dabei hat die Wiederentdeckung der Barockoper bereits die Chance gegeben, Musiktheater in einer anderen, direkteren Weise wahrzunehmen, bei der die Distanz zwischen Publikum und Bühnenkünstlern überwinden werden kann und sich ein unmittelbares Theatererlebnis einstellt. Wie sehr diese Auffassungen von Theater in einen Produktionsprozess eines öffentlich finanzierten Theaterbetriebs eingreift, zeigt sich sowohl an „Staatstheater“, als auch an der Barockoper „La Calisto“. Theater ist eine moralische Anstalt, die auch eine gewisse Bildung voraussetzt. Verständlicherweise sind uns viele Elemente, die einem Publikum der Barockzeit selbstverständlich waren, verloren gegangen. Darüber hinaus sind dem heutigen Theaterzuschauer auch die komplexen werkimmanenten Konstruktionsprinzipien der Oper nicht unmittelbar bewusst ebenso wenig, wie ihm die Chancen und Hindernisse einer modernen Bühnentechnik und moderner Produktionsbedingungen geläufig sind. Im Seminar wollen wir diese miteinander verschränkten Prozesse am Beispiel von „Staatstheater“ und „La Calisto“ untersuchen.


Die Themen der sechs Nachmittage sind: 1. Die Produktionsbedingungen einer Oper 2. „Staatstheater“ als frühe Infragestellung der Repertoire-Oper 3. Improvisation statt Planwirtschaft in „Staatstheater“ 4. Die besonderen Anforderungen einer Barockoper 5. Improvisationstheater statt durchkomponiertes Musikdrama „La Calisto“ 6. Die Barockoper als diskursive Provokation an Seh- und Hörgewohnheiten des 19. und 20. Jahrhunderts





Der Referent: Dr. Benedikt Holtbernd studierte Musikwissenschaft und Germanistik an der Ruhr-Universität Bochum und promovierte über „Die dramaturgischen Funktionen der Musik in den Schauspielen Goethes“. Gleichzeitig studierte er Gesang. Er war Dramaturg, Pressesprecher, Künstlerischer Betriebsdirektor und Operndirektor an verschiedenen Theatern von der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf Duisburg, über das Stadttheater Bern, die Vereinigten Städtischen Bühnen Krefeld und Mönchengladbach bis hin zur Sächsischen Staatsoper Dresden, Semperoper. In Bonn war er Künstlerischer Geschäftsführer des Deutschen Musikrates. Er ist als Musikmanager international tätig.


Die Termine: 15.09.20 – 20.10.20 (6-mal dienstags von 16 Uhr bis 17.30 Uhr)

DruckenSpielstätteninfo

TERMINE

Momentan können wir Ihnen leider keine Termine anbieten.

Unsere Datenbank wird durchsucht.

Merkliste

Veranstaltung

Momentan befinden sich keine Einträge in Ihrer Merkliste.

Letzte Aktualisierung: 25.10.2020 15:01 Uhr     © 2020 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn