Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester Köln

Frank Peter Zimmermann | Philharmonie
Foto: Matthias Muff
Frank Peter Zimmermann | Philharmonie
Foto: Matthias Muff

Konzert - MacMillan, Beethoven, Tschaikowsky

Manfred Honeck, Leitung

Frank Peter Zimmermann, Violine


James MacMillan (*1959)
Larghetto for Orchestra Orchesterfassung des "Miserere" für gemischten Chor a-cappella

James MacMillan ist der herausragende Schottische Komponist seiner Generation; auch als Dirigent tätig erlangte er erstmals große Aufmerksamkeit mit der bejubelten Uraufführung von The Confession of Isobel Gowdie bei den BBC Proms in London (1990). MacMillan verbindet in seiner Musik erregte Rhythmik, schroffe Expressivität und meditative Spiritualität. Sein Schlagzeugkonzert Veni, Veni, Emmanuel (1992) wurde bereits über 300 mal aufgeführt und steht auf den Programmen zahlreicher großer Orchester, darunter das London Symphony Orchestra, das New York und das Los Angeles Philharmonic Orchestra sowie das Cleveland Orchestra. Zu den Interpreten von James MacMillans Werken zählen Solisten wie E. Glennie, Mistislaw Rostropovich, P. Donohoe und Dirigenten wie Leonard Slatkin, Sir Colin Davis, Sir Andrew Davis, O. Vänska, M. Bamert, Kent Nagano und Markus Stenz. Zu James MacMillans erfolgreichsten Werken gehören: Veni, Veni, Emmanuel (1992) für Schlagzeug und Orchester, Seven Last Words from the Cross (1993), Kantate für Chor und Streicher, Quickening (1998) für Solisten, Kinderchor, gemischten Chor und Orchester sowie Parthenogenesis (2000), Szene für Sopran, Bariton, Schauspielerin und Kammerensemble. Er wurde 2000 zum Komponisten und Dirigenten des BBC Philharmonic ernannt, eine Stelle, die er bis 2009 innehatte. 2009 bis 2013 war er Chefdirigent der Radio Kamer Filharmonie, einem 2013 aufgelösten Kammerorchester des Niederländischen Rundfunks. McMillans „Larghetto“ für Orchester stammt aus dem Jahre 2009, die Orchestrierung nahm er 2017 vor. Die Uraufführung fand im gleichen Jahr in Pittsburgh mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra unter Manfred Honeck statt, der auch heute Abend die Aufführung leiten wird. Das Werk ist MacMillans Instrumentalversion seines „Miserere“ für a-cappella-Chor, das er für das britische Ensemble „The Sixteen“ geschrieben hat. Nie neue Version ist Manfred Honeck gewidmet, um dessen zehntes Jahr als musikalischen Leiter des Orchesters zu feiern. Das Originalstück für Chor ist eine Vertonung des Psalms 51 („Miserere mei Deus“) – „O Herr! Erbarme dich meiner in deiner Güte“. Konsequenterweise hat auch die Vertonung des Psalms einen entsprechend flehenden Charakter, wenn auch das Werk insgesamt von einem gewissen Optimismus durchdrungen ist. In der Orchesterversion hat McMillan noch eine breite Palette an Emotionen hinzugefügt, die der Chorversion so nicht möglich sind.
Spieldauer: ca. 15 Min.

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61

Beethovens Violinkonzert gilt als bedeutendstes Konzert der Violinliteratur und ist Prüfstein für jeden Violinisten. Die ersten Hinweise eines Violinkonzerts von Beethoven finden sich in einem Skizzenbuch mit Entwürfen für die 5. Sinfonie (1806); vorausgegangen war jedoch bereits aus der Bonner Zeit das Fragment eines Konzertsatzes in C-Dur, und auch die beiden Violinromanzen zeugen von Beethovens Interesse für dieses Instrument. Auftraggeber des Werkes war der begabte Geiger Franz Clement, Konzertmeister am Theater an der Wien, für dessen Benefizkonzert das Konzert geschrieben wurde. Der Uraufführungserfolg war eher lau. Die Wiener Theaterzeitung berichtete: "Über Beethovens Concert ist das Urtheil der Kenner ungetheilt; es gesteht demselben manche Schönheit zu, bekennt aber, daß der Zusammenhang oft ganz zerrissen scheine, und daß die unendlichen Wiederholungen einiger gemeiner Stellen leicht ermüden könnten.” Dieser Eindruck wird verständlich wenn man Beethovens Komposition, die zumal im ersten Satz konsequent durchgearbeitet ist und ausgesprochen sinfonische Züge trägt, mit den damals üblichen brillanten Violinkonzerten eines Rode oder Kreutzer vergleicht. Der Charakter des Soloinstruments ist vorwiegend lyrisch und gefühlsbetont mit unübertrefflicher Synthese des Solos mit dem Orchester. Nach der Einleitung und Themenaufstellung des Orchesters im 1. Satz (Allegro ma non troppo) meldet sich das Soloinstrument mit einer virtuosen Kadenz und nimmt das Hauptthema auf. Im blendenden Zusammenspiel wird das thematische Material ausgewertet. Eine Idee leitet zur Reprise über, in der die Themen noch reicher ausgestaltet werden. Dann kommt es zur großen Kadenz, die über das zweite lyrische Thema in den glänzenden Abschluss fließt. Mit einer Ausdehnung von über 500 Takten sprengt der 1. Satz den traditionellen Bereich. Der 2. Satz, ein Larghetto, gleicht einer zärtlichen Romanze, die mit einer Kadenz zum Rondofinale führt (Rondo. Allegro). Sofort übernimmt die Violine in diesem technisch anspruchsvollen Finale die Führung. Der sinfonische Gedankenaustausch entwickelt sich im tänzerischen Rhythmus, ein Moll-Thema legt eine lyrische Episode ein, dann gelangt das Rondo-Thema wieder zu seinem Recht und entfaltet alle Facetten der singenden und jubelnden Violine.
Spieldauer: ca. 40 Min

Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840 - 1893)
Sinfonie Nr. 6 h-Moll op. 74 „Pathétique“ CS 27

Erst 1862 nach einer Ausbildung an der Rechtsschule in Petersburg und nach einer Tätigkeit als Verwaltungssekretär im Justizministerium begann Tschaikowsky mit seinen musikalischen Studien am Petersburger Konservatorium. Anton Rubinstein, der berühmte Pianist und Komponist, war einer seiner Lehrer. 1865 schloss Tschaikowsky seine Studien ab und begann im folgenden Jahr eine Tätigkeit als Kompositionslehrer am neu gegründeten Konservatorium in Moskau, die er zwölf Jahre lang ausübte. Während dieser Zeit entstand eine Reihe von Kompositionen, die Tschaikowsky viel Anerkennung eintrugen. Nach dem Scheitern seiner Ehe fand der Komponist die Unterstützung einer Verehrerin, Nadeshda von Meck. Die von ihr ausgesetzte Jahresrente bot dem Komponisten zwischen 1877 und 1890 die materielle Sicherheit, die es ihm erlaubte, sich fortan ganz seiner Kunst zu widmen. Als Dirigent unternahm Tschaikowsky seit 1888 mehrere Konzertreisen durch verschiedene europäische Länder und nach Amerika. Wenige Tage nach der von ihm selbst geleiteten Uraufführung der sechsten Sinfonie starb er in Petersburg bei einer Choleraepidemie. Der Beiname „Pathétique“ seiner 6. Sinfonie in h-Moll stammt zwar von einem Bruder des Komponisten, Tschaikowsky hat ihn jedoch gebilligt und nachträglich sogar eigenhändig in die Partitur eingetragen. In einem Brief an seinen Neffen Wladimir Dawidow, der auch der Widmungsträger der 6. Sinfonie ist, nennt Tschaikowsky das Werk „eine Programmsymphonie, deren Programm aber für alle ein Rätsel bleiben soll - mögen sie sich nur die Köpfe zerbrechen [ ... ] Dieses Programm ist durch und durch subjektiv, und ich habe nicht selten während meiner Wanderungen, sie in Gedanken komponierend, bitterlich geweint [ ... ] Der Form nach wird diese Symphonie viel Neues bieten, unter anderem wird das Finale kein lärmendes Allegro, sondern - im Gegenteil - ein sehr lang gedehntes Adagio sein.“ Demnach handelt es sich nicht um Programmmusik im üblichen Sinne, bei dem ein außermusikalisches, oft literarisches Programm, dem musikalischen Ablauf einen inhaltlichen Sinn vorgibt. Wie bei den früheren Sinfonien Tschaikowskys finden zwar auch in der h-Moll-Sinfonie persönliche Empfindungen und bildhafte Vorstellungen des Komponisten ihren Niederschlag, dennoch werden sie eingeschmolzen in ein Stück „autonomer“ Instrumentalmusik, das allerdings einem von der klassischen Tradition abweichenden inneren Plan folgt. Äußerlich wird das erkennbar in der eigenartigen Abfolge der Sätze, die in der Sinfonik kein Vorbild hat. Zwei langsame Sätze an erster und an letzter Stelle rahmen zwei aus dem Menuett hervorgegangene Tanzsätze ein, einen Walzer und ein Scherzo, die aber in der konkreten Gestalt ihre Herkunft kaum noch zu erkennen geben. Der Walzer ist zu einem unruhigen Fantasiesatz im 5/4-Rhythmus „zerdehnt“ worden (Allegro con grazia), wie er in der russischen Volksmusik beheimatet ist, und das Scherzo (Allegro molto vivace) ist ein nicht weniger phantastisch anmutender Marsch. Der Kopfsatz mit der Tempobezeichnung „Adagio - Allegro non troppo“ ist durch starke Kontraste in den Themen gekennzeichnet. Einem düsteren Moll-Thema, dessen Anfangsintervalle übrigens denen von Beethovens „Pathétique“, seiner achten Klaviersonate op.13, entsprechen, steht ein geradezu lyrisch verklärtes Dur-Thema gegenüber. Mit dem Erreichen der Durchführung nach einer Generalpause wechselt das Zeitmaß: Im Allegro vivo geht es zunächst grell und leidenschaftlich zu, bis Klage in Resignation verklingt. Die Reprise zeigt demgegenüber wieder die gegensätzlichen musikalischen Empfindungen des Beginns. Das Finale „Adagio lamentoso – Andante“ weicht völlig ab von den bis dahin von Tschaikowsky gefundenen Finallösungen. Erstmals verzichtet der Komponist auf eine optimistisch-triumphierende Schlussapotheose. Stattdessen versucht die Musik in zwei großen Steigerungsbewegungen eines unheilvoll abwärts gerichteten Themas, dem drohenden Ende zu entgehen, doch vergeblich, am Ende bleibt nur bittere Resignation, die sich auch in „hässlichen“ Tönen und in einer „Verfremdung“ traditioneller musikalischer Formen artikuliert. „Damit verzichtet Tschaikowsky zum ersten Mal auf die Restitution des schönen Scheins, einer fragwürdig gewordenen Heiterkeit, und riskiert ein realistisches, ästhetisch offenes, subjektiv wahrhaftiges Schlusswort.“
Spieldauer: ca. 55 Min.



Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 08.07.2020 09:08 Uhr     © 2020 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn