Kölner Philharmonie

Sächsische Staatskapelle Dresden

Rudolf Buchbinder | Klavier
Foto: Marco Borggreve
Rudolf Buchbinder | Klavier
Foto: Marco Borggreve

Rudolf Buchbinder, Klavier und Leitung
Konzert


Ludwig van Beethoven (1770 - 1827)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 B-Dur op. 19

Die fünf Klavierkonzerte Beethovens markieren eine nachhaltig wirksame Phase in der Entwicklung der Gattung Klavierkonzert, die vom frühklassischen Instrumentalkonzert des 18. Jahrhunderts zum großen Virtuosenkonzert des 19. Jahrhunderts führt, bei dem der Solist dem gesamten Orchester als dominierender Antipode gegenübertritt. Dabei repräsentieren die beiden ersten Konzerte Beethovens Entwicklung zum Typus des sinfonischen Konzerts, den die drei folgenden, in sehr unterschiedlicher Weise allerdings, entfalten und damit weit in die Zukunft vorausweisen.
Das Klavierkonzert in B-Dur ist, anders als es die Opuszahlen belegen, Beethovens erstes großes Werk dieses Genres. Ihm ging nur ein Konzert aus dem Jahre 1784 voraus, das aber wenig individuelle Züge trägt. Doch auch das B-Dur Konzert zeigt noch ein starke Anbindung an die formale und strukturelle Tradition, insbesondere an das Werk Mozarts. Dies lässt sich bereits an der sehr bescheidenen Instrumentation belegen, bei der Beethoven auf Klarinetten, Pauken und Trompeten ganz verzichtet. Auch der insgesamt lyrische Charakter des Stückes erinnert an Mozart. Doch scheint Beethoven selbst mit dem Werk nicht ganz zufrieden gewesen zu sein, denn für weitere Aufführungen schrieb er das Konzert um, und noch 1800, als er dieses Klavierkonzert seinem Leipziger Verleger Hoffmeister zum Druck anbot, charakterisierte er es „als keines von meinen besten“. (Die ursprüngliche Fassung des Konzertes ist leider nicht erhalten geblieben.)
Der erste Satz (Allegro con brio) entspricht dem Formmodell des Sonatenhauptsatzes mit der für Instrumentalkonzerte damals üblichen Variante der doppelten Exposition. Auffallend ist, dass Beethoven das aus zwei gegensätzlichen Motiven bestehende Hauptthema des Orchesters im Soloinstrument weitgehend ausspart. Eine überraschende harmonische Wendung führt zum leicht verschnörkelt wirkenden Seitenthema. Hinzu kommt ein drittes, stark an Mozart erinnerndes, lyrisches Thema in der Exposition des Soloinstruments. Der Durchführungsteil ist relativ knapp gehalten und konzentriert sich in thematischer Hinsicht auf eine lyrische Erweiterung des Seitenthemas. Hier dominiert nun das Klavier, das in wirbelnden Läufen zur Reprise zurückführt. Dann setzt das Orchester fast wie bei einem zweiten Durchführungsteil mit der Überleitung zur groß angelegten Kadenz des Solisten ein. Diese Kadenz wurde von Beethoven vermutlich erst 1809 für Erzherzog Rudolf von Österreich, seinen Schüler, Gönner und Freund, nachkomponiert. Als Herzstück des Satzes gilt der mittlere Satz (Adagio) in der Tonart Es-Dur. Nach einer getragenen Orchestereinleitung entwickelt sich ein Dialog zwischen dem Soloinstrument und dem Tutti des Orchesters, wobei allerdings dem Solisten die Führungsrolle zufällt. Oft wird der Orchestersatz sogar auf die Streicher reduziert. Besonders reizvoll wirkt der vom Klavier umspielte Wechsel von Holzbläsermelodie und Streicherpizzicato. In einer intimen Coda verklingt der Satz. Von mitreißend heiterem Charakter ist das Finale (Molto allegro), von der Form her ein siebenteiliges Rondo. Ein C-Teil wird eingerahmt von zwei ABA-Teilen. Hinzu kommt eine knappe Coda. Auch in diesem Satz wird der Anteil des Orchesters knapp gehalten und auf die sich wiederholenden Refrains reduziert, während die brillanten Passagen dem Soloklavier vorbehalten bleiben.
Spieldauer: ca. 28 Min.

Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 G-Dur op. 58

Beethovens dreisätziges 4. Klavierkonzert entstand 1805 in Wien, parallel zu seiner Oper „Fidelio“ und zur 5. und 6. Sinfonie. Erste Skizzen finden sich aber bereits in einem Notizbuch aus den Jahren 1802/03 – Beethoven trug ja seine kompositorischen Ideen meist lange mit sich herum, bis er sie schließlich niederschrieb. Die Uraufführung war in jener berühmten öffentlichen Akademie im Theater an der Wien, bei der bereits die 5. und 6. Sinfonie, Teile der C-Dur-Messe und die Chorfantasie op. 80 dem Wiener Publikum erstmals vorgestellt wurden. Das 4. Klavierkonzert gilt als der Höhepunkt der Gattung in der spezifisch Beethovenschen Prägung, die als ein Ergebnis einer Vermittlung von konzertantem und sinfonischem Prinzip neigt.
Das 4. Klavierkonzert beginnt zunächst mit einer Überraschung: Entgegen aller damaligen Konventionen setzt im ersten Satz (Allegro moderato) nicht das Orchestertutti ein, um sich mit den Themen zu präsentieren, sondern der Solist macht, piano und dolce, den Anfang mit einer fünftaktigen Variante des ersten Motivs. Sodann, noch seltsamer, antworten die Streicher pianissimo in der sehr weit entfernten Tonart H-Dur. Nach diesen höchst originellen 13 Takten, die später in leicht veränderter Form auch die Reprise einleiten werden, beginnt erst die „normale“ Orchesterexposition.
Ein annähernd gleiches Gegengewicht zum 1. Satz bildet das umfangreiche, heiter kapriziöse Final-Rondo (Rondo. Vivace). Dazwischen steht, ebenso kurz wie ausdrucksvoll, ein langsamer Satz (Andante con moto), der so ausschließlich aus der Idee des hochdramatischen, kontrastierenden Dialogs komponiert ist (Klavier und Orchester spielen nie zusammen), dass man glauben könnte, Beethoven habe hier im Extrem das nachgeholt, was er in den Ecksätzen gerade vermieden hatte, nämlich das ältere Prinzip des „Konzertierens” als eines „Wettstreits” zwischen Solist und Orchester.
Spieldauer: ca. 25 Min.

Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-Moll op. 37

Einen energischen Schritt über die Vorbilder Mozart und Haydn hinaus bedeutet das 1799 begonnene Klavierkonzert Nr. 3, das der Komponist selbst, wie es damals selbstverständlich war, am 5. April 1803 in einer von ihm veranstalteten „Akademie“ im Theater an der Wien erstmals aufführte und das er ein Jahr später in einer überarbeiteten Fassung drucken ließ.
Der Kopfsatz (Allegro con brio) entspricht dem Formschema des Sonatenhauptsatzes in der für Konzerte üblichen Weise mit einer doppelten Exposition, für das Orchester und für das Soloinstrument. Das Hauptthema des Orchesters kombiniert zwei kontrastierende Motive, den aufsteigenden c-Moll-Akkord mit dem geradezu ohrwurmartigen „Pochmotiv“ und eine lyrisch gehaltene Fortsetzung. Die ausgedehnte Orchesterexposition wird dann unter Führung des Soloinstruments in variierender Ausgestaltung wiederholt. Das bereits angesprochene „Pochmotiv“ bestimmt die Durchführung. Die Reprise entspricht der Exposition, ohne sie einfach zu wiederholen. Der Satz gipfelt in einer großangelegten Kadenz des Solisten, die Beethoven vermutlich für den Erzherzog Rudolph, seinen Gönner und Schüler, nachträglich komponiert hat. „In ihr ist in dichtester Form und doch nach freier Phantasieart alles zusammengefasst, was den Satz bestimmt hat“ (Rexroth). Einen deutlichen Kontrast bildet der in der von c-Moll weit entfernten Tonart E-Dur gehaltene Mittelsatz (Largo). In der einfachen dreiteiligen Grundanlage dominiert zunächst das Soloinstrument, das allmählich in einen immer dichter werdenden Dialog mit dem Orchester tritt. Im Mittelteil entfalten Flöte und Fagott einen eigenen Dialog, der von rauschenden Klavierarpeggien grundiert wird. Dann übernimmt erneut das Klavier die Führung. Einen markanten Kontrast zu diesem versonnenen Mittelsatz bildet der schwungvolle Finalsatz. Seiner Bauform nach ein Rondo (Rondo. Allegro) von großem Elan mit einem eleganten, rhythmisch deutlich markierten Thema. Bei seinem wiederholten Auftreten scheint dieses Thema immer an der gleichen Stelle zum Stillstand zu kommen, den der Komponist mit immer neuen Anläufen „füllt“, in der Art einer komponierten Frage, „die jeweils mit dem Thema und erst beim letzten Mal mit seiner drolligen Mutation in einer effektvollen Stretta beantwortet wird“ (Struck-Schloen).
Spieldauer: ca. 38 Min.



Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 19.11.2019 09:01 Uhr     © 2019 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn