Kölner Philharmonie

Gürzenich-Orchester Köln

Francois-Xavier Roth | Dirigent
Foto: Marco Borggreve
Francois-Xavier Roth | Dirigent
Foto: Marco Borggreve

Ferner Spiegel
Konzert - Finzi, Bruckner


François-Xavier Roth, Dirigent


Graciane Finzi (*1945)
Soleil vert für großes Orchester (1984)
(Deutsche Erstaufführung)

Graciane Finzi ist eine französische Komponistin Sie wurde 1945 in Casablanca, Marokko, geboren und studierte Musik am dortigen Casablanca Conservatory, das von Georges Friboulet geleitet wurde und wo auch ihre Eltern Lehrer waren. Mit zehn Jahren trat sie in das Pariser Konservatorium ein, wo sie bei Joseph Benvenuti Klavier studierte und sich für Komposition interessierte. Nach Abschluss ihres Studiums arbeitete sie als Komponistin. Von 1975 bis 1979 leitete sie das Festival de la Défense und unterrichtete seit 1979 am Pariser Konservatorium. Sie war Vizepräsidentin der Internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Musik (SIMC) und der Société Nationale sowie offizielle Vertreterin an die Association Française d'Action Artistique (AFAA). Sie war von 2001 bis 2003 Composer-in-Residence beim Lille National Orchestra. Im Laufe ihrer Karriere gewann Finzi mehrere Auszeichnungen: den SACEM Grand Prix de la Promotion Symphonique, den Georges Enesco-Preis, den SACEM Grand Prix und den SACD-Preis für ihre Oper Pauvre Assassin (Uraufführung in Straßburg an der Opéra du Rhin). Ihre Werke haben den Ruf, häufig verschiedene Genres und Folkstile zu kombinieren. Sie komponiert für Musiktheater, Gesang, Soloinstrumente, Kammerensemble und Orchester, ist aber besonders für die Qualität ihrer Opern bekannt.
Das Orchesterwerk "Soleil vert" („Grüne Sonne“) für 97 Musiker, stammt aus dem Jahre 1984 und wurde mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France uraufgeführt, der das Werk auch in Auftrag gegeben hatte. Es stand auf dem Programm des Festival Présences von Radio France und ging mit dem Orchestre Français des Jeunes unter Jesús López Cobos auf Tournee. Inspiriert zu "Soleil vert" wurde Graciane Finzi von dem Science-Fiction-Film "Soylent Green", der in einer fiktiven Zukunft spielt und in der die Menschheit kaum noch Nahrungsmittel zur Verfügung haben und daher auf "Soylent Green" zurückgreifen müssen. Erst am Ende des Filmes stellt sich heraus, dass "Soylent Green" aus Menschenfleisch besteht. Diese dystopische Endzeitvision hat Finzi allerdings nicht vertont, sondern sie ist nur der ferne Spiegel einer komplexen und zerbrechlichen Welt, die in "Soleil vert" musikalisch eingefangen wird. Dabei geht es mitunter aber auch sehr laut zu, z.B. wenn eine Ansammlung von sechzig Streichinstrumenten, ein hämmerndes Ostinato im Klavier und ein pulsierender Schrei im Fortissimo erklingt. "Soleil vert" wird heute als deutsche Erstaufführung zu hören sein.
Spieldauer: ca. 21 Min.

Anton Bruckner (1824 - 1896)
Sinfonie Nr. 7 E-Dur WAB 107

Anton Bruckner gilt heute als einer der größten Sinfoniker aller Zeiten. Unter ihm wurde die Gattung der großen romantischen Sinfonie sozusagen vollendet, bevor mit Gustav Mahler und anderen die ersten Harmonien der aufkommenden Moderne, bzw. atonalen Risse in dieser Gattung sichtbar werden. Insgesamt neun Sinfonien hat Bruckner komponiert (wenn man die sogenannte „Nullte“ und eine „Studiensinfonie“ einmal nicht mitzählt), wobei die neunte Sinfonie leider nicht mehr vollendet werden konnte. Geboren wurde Bruckner im oberösterreichischen Dörfchen Ansfelden als Sohn eines Schulmeisters. Bereits in seiner Jugend wurde er als Sängerknabe am Augustiner-Chorherrenstift St. Florian ausgebildet. Später wurde er Organist in Linz und ab 1868 als Professor ans Wiener Konservatorium. Dort widmete er sich in besonderem Maße der Kirchen- und der sinfonischen Musik. Wenngleich Bruckner in späteren Jahren manche öffentliche Ehrung erfuhr, konnte sich sein sinfonisches Werk in Wien doch nur mühsam durchsetzen. Das Wiener Publikum seiner Zeit liebte die Musik des Norddeutschen Johannes Brahms, widersetzte sich jedoch vehement dem Werk des Österreichers Anton Bruckner. Ein besonderes editorisches und aufführungstechnisches Problem bedeuten zudem bis heute die zahlreichen Um- und Überarbeitungen, die Bruckner an seinen Werken, vor allem seinen Sinfonien, aus eigenem Antrieb oder auf Rat wohlmeinender Freunde vornahm. In der Absicht, die angeblich unspielbaren Werke „spielbar“ zu machen, haben diese Freunde unter Bruckners Schülern und Dirigenten gelegentlich sogar eigenmächtig Änderungen vorgenommen, und nicht immer ist gesichert, dass diese „Verbesserungen“ auch den Intentionen des Komponisten entsprachen. Erst in den letzten 15 Jahren ist ein regelrechter Bruckner-Rausch in den Konzertsälen entbrannt und man versucht wieder mehr und mehr, seine Werke in der Urform, bzw. 1. Fassung aufzuführen.
Erst mit der siebten Sinfonie, die Bruckner in Wien in der Zeit zwischen September 1881 und September 1883 komponierte, gelang ihm der lang ersehnte öffentliche Durchbruch als Komponist groß angelegter sinfonischer Werke. Bei der Uraufführung am 30.12.1884 in Leipzig unter Arthur Nikisch hielt sich der Erfolg zwar noch in Grenzen (das Leipziger Publikum galt als sehr konservativ) aber immerhin notierte Bruckner befriedigt, dass „zum Schluss eine viertel Stunde applaudiert wurde“. Da Bruckner bis dahin die Erfahrung machen musste, dass bei der Aufführung seiner Sinfonien die Zuhörer scharenweise den Konzertsaal verließen, muss der Leipziger Beifall als bedeutender Erfolg gelten. Noch größer war jedoch der Erfolg dieses Werkes wenige Monate später, als Hermann Levi, der Dirigent der Uraufführung von Wagners Parsifal, die Sinfonie erstmals in München vorstellte. Der Erfolg dieser Aufführung veranlasste sogar die berühmten Wiener Philharmoniker, die ansonsten Bruckner wenig schätzten, das Werk in ihr Programm zu nehmen. Auch in Wien war das Publikum begeistert. Nur Bruckners Intimfeind, der berühmte Kritiker und Brahms-Verehrer Eduard Hanslick, schrieb auch über diese Sinfonie einen seiner üblichen Verrisse. Im Kopfsatz (Allegro moderato), nach dem Formschema des Sonatenhauptsatzes angelegt, fällt vor allem das bei Bruckner einzigartige melodische Hauptthema auf, das nicht weniger als 21 Takte umfasst. Noch zwei weitere Themen werden in der Exposition vorgestellt, die wie immer bei Bruckner im Pianissimo verklingt. Aus diesen drei Themenkomplexen entwickelt der Komponist anschließend eine spannungsvolle, kontrapunktisch verdichtete Durchführung. Die Reprise bereitet bereits die ausgedehnte Coda vor. Das Zentrum des Werkes bildet der zweite Satz (Adagio. Sehr feierlich und sehr langsam), der von Bruckner als Trauermusik für Richard Wagner unter dem Eindruck der Nachricht von seinem Tode (13.2.1883) komponiert wurde. Für diesen Satz verwendete Bruckner, dem Vorbild des von ihm so verehrten Bayreuther Meisters folgend, ein Quartett von Tuben, die dem Bläsersatz in diesem Adagio eine besondere Färbung verleihen. Der Höhepunkt der Sinfonie liegt genau in der zeitlichen Mitte des Werkes, an jener Stelle im C-Dur des Adagios, die durch einen bis heute umstrittenen Beckenschlag markiert wird. Dieser vom Komponisten zunächst gebilligte, später aber widerrufene Eingriff in die ursprüngliche Partitur geht auf Bruckners Freunde und musikalische „Berater“ zurück. Nur wenige Dirigenten halten sich freilich bis heute an Bruckners Widerruf und verzichten auf diesen Beckenschlag als einem spektakulären Moment der Steigerung. Im deutlichen Kontrast zum langsamen Satz steht das folgende Scherzo (Sehr schnell). In seiner klaren Dreiteiligkeit erweist es sich als formal recht einfach gestaltet. Obwohl das Hauptthema auf den Naturintervallen der reinen Quarte und Quinte basiert, fehlt ihm doch jede Naturidylle. Die Musik hat etwas Drängendes und Vorwärtstreibendes. Nur im Mittelteil, dem Trio, kommt sie etwas zur Ruhe und entfaltet größere melodische Bögen. Der Schlusssatz (Finale. Bewegt, doch nicht zu schnell) gehört in seiner „Vermischung“ von Rondoform und Sonatenhauptsatz zu den originellsten Formexperimenten Bruckners. Die Reihenfolge der drei Themen wird in der Reprise umgekehrt. Das Hauptthema weist eine enge Verwandtschaft zum Hauptthema des Kopfsatzes auf. Auch in den anderen Themen klingen Erinnerungen an die beiden ersten Sätze an. Insgesamt wird die Tendenz hörbar, die innere Geschlossenheit dieses sinfonischen Gebäudes zu verdeutlichen. Wie im Kopfsatz gipfelt auch im Finale das musikalische Geschehen in der Coda, die noch einmal das Eingangsthema des ersten Satzes zitiert und damit das Ende dieser Sinfonie unauflösbar mit dem Anfang verknüpft.
Spieldauer: ca. 65 Min.



Christoph Prasser

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So.

08

Dez.

Kölner Philharmonie | 08.12.2019 | 11.00 Uhr


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Letzte Aktualisierung: 18.11.2019 18:01 Uhr     © 2019 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn