Horses in the Sky - Tanzgastspiel der Kibbutz Contemporary Dance Company in der Oper - kultur 144 - März 2018

Ungeheure Energie
Eine Geschichte wolle sein 2016 in Sydney uraufgeführtes Stück nicht erzählen, sagt der Choreograf Rami Be’er, seit 1996 künstlerischer Leiter der israelischen Weltklasse-Company. Der Titel weckt freilich Assoziationen an die apokalyptischen Reiter. Be’er hat auch das eindrucksvolle Lichtdesign entworfen, in dem das Ensemble mit atemberaubender Vehemenz ständig neue Bilder entwickelt. Merkwürdig schutzlos wirken die Tänzerinnen und Tänzer in ihren weißen Unterhosen und luftigen Oberteilen. Die Männer tragen helle Hemdchen, die hinten verschnürt sind wie Klinikkleidung. Man denkt an Insassen psychiatrischer Anstalten, wenn sie herumwirbeln, sich aneinander klammern oder gebückt mit angewinkelten Armen und gespreizten Fingern wie eine bedrohliche Insektenarmee aufmarschieren.
Kraftvolle Sprünge wechseln sich ab mit zärtlichen Momenten, Wut mit Melancholie, dynamische Gruppenszenen mit einsamer Selbstverlorenheit.
Zur Musikcollage aus Heavy Metal, Rock, Pop und leise melancholischen Songs bewegen sie sich mit fabelhafter Präzision und körperlicher Hochspannung. Dabei geht es weniger um tänzerische Virtuosität oder physische Höchstleistung als um emotionale Intensität. Am Ende läuft zum titelgebenden Lied der kanadischen Band Silver Mt. Zion eine Tänzerin einsam im Kreis, bis der Vorhang sich schließt. Ein unvergessliches Bild in der 60-minütigen Performance. „And these are violent times, and violence brings more violence, and liars bring more lies”, heißt es in dem pessimistischen Schluss-Song. Die Kibbutz Contemporary Dance Company setzt dagegen mutig ihre leidenschaftliche Energie. Ihre an die Grenzen körperlicher Spannkraft gehende konzentrierte Emphase ist selbst beim Zuschauen anstrengend. Ebenso wie ihre Botschaft von einer Welt, deren Zeichen mit Sorge, aber ohne Angst zu begegnen ist. Nach einer faszinierenden Stunde begeisterter Applaus im ausverkauften Opernhaus für das fantastische Ensemble und den eigens angereisten Rami ­Be’er. E.E.-K.

Donnerstag, 06.12.2018

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