Noch einmal verliebt - Kleines Theater - kultur 117 - Juni 2015

Noch einmal verliebt
Foto: Kleines Theater Bonn
Noch einmal verliebt
Foto: Kleines Theater Bonn

Späte Romanze



Es hätte anders laufen können, wenn die wohlmeinende Familie dem jungen Tenor-Talent Raffaelo nach seinem Vorsingen einst nicht den Anruf von der Metropolitan Opera verschwiegen hätte. In der Oper ist dennoch alles schön, selbst wenn man weinen muss. Ralph weiß es genau, denn einmal im Jahr hat er als kleiner Eisenbahn-Angestellter sich mit seiner Frau einen Besuch in der Met geleistet. Nun ist er Witwer und verbringt sein Rentnerdasein einsam auf einer Parkbank im Central Park (hübsches Einheitsbühnenbild: Ralf Cofflet). Wenn ihn nicht gerade die fürsorgliche Schwester Rose aus seinen Träumen reißt und das pünktliche Erscheinen zum Essen anmahnt. Köstlich mischt sie dabei italienische Brocken in ihren Sprachfluss, denn wie ihr Bruder, der eigentlich Raffaelo heißt, hat sie ferne Wurzeln im Heimatland der Oper. Weil Ralph die Route seiner langweiligen Spaziergänge jedoch mal geändert hat und beim Hundespielplatz landete, gerät plötzlich ihre ordentliche Welt aus dem Gleichgewicht.
Davon erzählt die 2008 in den USA uraufgeführte Komödie Noch einmal verliebt – Die letzte Romanze des Amerikaners Joe DiPietro. Im Kleinen Theater Bad Godesberg hat Intendant Walter Ullrich das entzückende Stück über die alterslose Liebe selbst inszeniert und spielt auch den 80-jährigen Ralph, der – „Ich habe nicht mehr viel Zeit“ – einer reizenden Dame mit Hündchen sofort Avancen macht. Ein bejahrter ‚Italian Lover‘ zwischen Melancholie und Selbstironie, ernüchtert und gewitzt durch Familienglück und -unglück, auf der Suche nach den letzten großen Gefühlen.
Der reizenden Hundenärrin Carol gehen seine ruppigen Komplimente – „Der Köter sieht aus wie eine Kröte, die bellen kann“ – erst mal auf die Nerven. Christine Uhde spielt hinreißend die zierliche alte Lady, die nach dem Schlaganfall ihres Gatten ihrer melancholischen Seele im Park Auslauf mit Promenadenmischung (das Tier hat einen sehr lebendigen Auftritt) gewährt. Mit altmodischem Strohhut und spitzenbewehrtem Blümchenkleid (Kostüme: Kara Schutte) ist sie eine Erscheinung wie aus einer längst vergangenen Welt, blüht aber ganz gegenwärtig auf, wenn Ralph als wortgewandter Charmeur sie daran erinnert, dass eine attraktive Frau über 70 ihre verbliebenen Chancen nutzen sollte. Die Folge ist ein Parkbank-Pick­nick mit „Traviata“-Champagner-Seligkeit. Carol, der man ihre Opern-Unkenntnis sowieso kaum abnimmt, bucht gleich zwei Karten für die Mailänder Scala inkl. teurem Flug und Hotel. Das Hindernis ist Rose, großartig verkörpert von Ursula Michelis. Ganz in Schwarz gibt sie die bodenständig mütterliche Schwester, der das Leben so übel mitgespielt hat, dass sie manisch putzend und kochend um ihren Platz auf der Schattenseite kämpft.
Das virtuose Schauspielertrio gibt der trotz aller Komödien-Klischees sehr berührenden Aufführung in knapp zwei Stunden (inkl. Pause) einen frechen Drive, der unsentimental alle trivialen Klippen überspringt. Mit einem kleinen Schuss Melancholie und Neugier. Denn in die „Letzte Romanze“ noch mal verlieben kann man sich nach vielen ausverkauften Vorstellungen in der nächsten Spielzeit sicher in Neuwied und wahrscheinlich auch wieder in Bad Godesberg. E.E.-K.

Steht leider seit dem 17.05. nicht mehr auf dem Spielplan.

vom 1.-13.03.2016
im Schlosspark Theater Neuwied
zu sehen.

Dienstag, 22.09.2015

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