Pünktchen und Anton - Musical im Jungen Theater Bonn - kultur 109 - Oktober 2014

Pünktchen und Anton
Foto: Junges Theater Bonn
Pünktchen und Anton
Foto: Junges Theater Bonn

Große Freundschaft mit
Musik und Tanz

Große Freundschaft mit
Musik und Tanz
Auf der Weidendammer Brücke in Berlin- Mitte herrscht am späten Abend Hochbetrieb. Ein zerlumptes kleines Mädchen mit seiner blinden Mutter verkauft den vorbeieilenden Passanten für ein paar Pfennige Streichhölzer und ist gar nicht erbaut von der Konkurrenz durch einen gleichaltrigen Jungen. Es gibt freilich einen großen Unterschied: Pünktchen spielt die Armut nur, bei Anton ist sie echt. Pünktchen weiß nicht, wie Hunger sich anfühlt. Anton ist bittere Not gewohnt.
Lajos Wenzel (Regie und Bühnenbild) lässt in seiner Inszenierung von Erich Kästners Pünktchen und Anton die Geschichte der beiden Kinder bewusst in ihrer Entstehungszeit Anfang der 1930er Jahre. Der scharfe Kontrast zwischen Arm und Reich hat hier jedoch nichts Sozialromantisches, sondern wie bei Kästner vor allem unverschämten Witz.
Es gibt also zwei Versionen des Lieds „Was für ein Essen“ in dem mitreißenden Musical Pünktchen und Anton, das Anfang September seine umjubelte Uraufführung im Telekom-Forum erlebte und nun im JTB-Stammhaus in Beuel zu sehen ist. Das prominente Musical-Duo Marc Schubrig (Komposition) und Wolfgang Adenberg (Texte) bringt Kästners bekannten Roman zum Singen und Tanzen (sogar die bühnenbeherrschende Brü­cke), zumal die Choreographie des musikalischen Leiters Bernard Niemeyer (bis 2014 als Schauspieler fest am JTB engagiert) die „Lichter von Berlin“ fabelhaft leuchten und swingen lässt.
Bertas köstlicher Song „Gut, wenn man was in der Küche hat“ bekommt erst später einen Hintersinn. Zunächst ist der Tisch im Speisezimmer der Familie des Spielzeugfabrikanten Pogge nobel gedeckt, aber keiner weiß die Kochkünste der dicken Berta so richtig zu schätzen. Das Kindermädchen Fräulein Andacht ekelt sich vor saftigem Fleisch, Herr Pogge denkt ans Geschäft, Frau Pogge an ihre Figur und Tochter Luise, genannt Pünktchen, an den kleinen Streichholzverkäufer Anton. In der düsteren, engen Wohnung, in der Anton mit seiner kranken Mutter lebt, gibt es Rührei, gestreckt mit Mehl. Anton selbst hat das bescheidene Mahl auf dem kleinen Heizofen zubereitet, und seine Mutter ist stolz auf ihn.
Dass Kinder auch heutzutage müde und ohne Frühstück zur Schule kommen, ist kein Geheimnis. Wie das selbstbewusste Pünktchen (Louise Buhl / Tamina Friedrich, beide Jahrgang 2002) mit schicker roter Baskenkappe (zauberhafte historische Kostüme: Brigitte Winter) dem strengen Lehrer Bremer (Jan Herrmann) aufs Pult steigt, damit er den blauen Brief an die Mutter ihres Freundes Anton heimlich zerreißt, muss man indes gesehen haben. Der intelligente Junge (liebenswürdig verkörpert von Benedikt Lewalter, alternierend mit Gustavo Maia Jochim, beide Jahrgang 2001) verdient diese Anstrengung entschieden. Außerdem erspart er tapfer den Pogges einen Einbruch. Das bebrillte Fräulein Andacht (herrlich verklemmt und kokett: Katharina Feilschen) ist nämlich über beide Ohren verknallt in den Kleinkriminellen Robert (mit teuflischem Charme: Thomas Kahle). Papa Pogge (Christian Steinborn) und seine wuchtig elegante Gattin (Nicole Johannhanwahr) sehen die Welt eher durchs Opernglas. Aber sie haben ja die wunderbare alte Köchin Berta (umwerfend komisch: Giselheid Hönsch), die im Notfall zur Pralinenschachtel greift, bis die Polizei kommt. Und einen tollen Vanillepudding macht, mit dem selbst Antons Mutter (Andrea Brunetti) wieder auf die Beine kommt.
Das Happy End mit der gemeinsamen Reise ans Meer ist trotzdem brüchig. Noch sind kleine Braunhemden wie Klepperbein Nebenfiguren, drohen aber schon mal keifend mit ihrer baldigen Machtübernahme. Über aller Fröhlichkeit und den sängerisch-tänzerischen Highlights schwebt ein leiser Hauch von Gefährdung. Den spürt das erwachsene Publikum, für Kinder ist die spannende Geschichte einer beglückenden Freundschaft ein ungetrübter Spaß. E.E.-K.

Spieldauer ca. 2 Stunden inkl. Pause
Empfohlen für Zuschauer ab 8 Jahren
die Nächsten Termine:
3.10. // 4.10. // 14.11. // 15.11. //
29.11. // 12.12.2014

Dienstag, 11.11.2014

Zurück

TERMINE

Momentan können wir Ihnen leider keine Termine anbieten.

Merkliste

Veranstaltung

Momentan befinden sich keine Einträge in Ihrer Merkliste.

Letzte Aktualisierung: 25.10.2020 15:01 Uhr     © 2020 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn