Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester Köln

Cristian Macelaru | Dirigent
Foto: Jörn Neumann
Cristian Macelaru | Dirigent
Foto: Jörn Neumann
WDR Sinfonieorchester Köln
Foto: Tillmann Franzen
WDR Sinfonieorchester Köln
Foto: Tillmann Franzen

Konzert - Dorman, Brahms, Dvorák

Cristian Macelaru, Leitung
Augustin Hadelich, Violine

Avner Dorman (*1975)
After Brahms (2014)

1975 in Tel Aviv geboren, entwickelte Avner Dorman sich schnell zu einem der erfolgreichsten Komponisten Israels. In seiner Heimatstadt studierte er Komposition, Musikwissenschaft und Physik. Anschließend wechselte er an die Juilliard School of Music in New York, wo er sein Studium mit Promotion abschloss. Dorman, seit 2009 US-amerikanischer Staatsbürger, lehrt heute selbst Komposition an der Juilliard School und ist zudem Professor für Musiktheorie und Komposition am Sunderman Conservatory of Music in Gettysburg, Pennsylvania. 2000 gewann er mit 25 Jahren als bisher jüngster Komponist den renommierten „Prime Minister’s Award“ seines Heimatlandes und noch im gleichen Jahr wurde ihm der „Golden Feather Award“ der ACUM, des Verbandes der israelischen Komponisten und Publizisten, verliehen. Seine Werke werden von führenden Solisten und Orchestern aufgeführt, darunter das Israel Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta, das Boston Symphony Orchestra, das Tonhalle-Orchester Zürich und die Bamberger Symphoniker. Seinen Durchbruch in Europa erlebte er 2007 mit der Uraufführung des hochvirtuosen Schlagzeugkonzerts „Frozen in Time“ durch das Philharmonische Staatsorchester Hamburg und Martin Grubinger. Er hat zahlreiche sinfonische und kammermusikalische Werke sowie bisher zwei Opern geschrieben, aber auch Filmmusik und so ungewöhnliche Werke wie ein Konzert für Violine und Rockband. Das siebenminütige Orchesterwerk „After Brahms“ schrieb Dorman im Jahr 2014. Kunstvoll paraphrasiert er hier späte Klavierstücke des Meisters, darunter Passagen aus den Intermezzi op. 118 und 119.

Johannes Brahms (1833-1897)
Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 77 (1878)

Entstanden ist das 1874 in Wien und 1877/78 in Pörtschach komponierte Konzert für Violine und Orchester in D-Dur op. 77 auf Veranlassung des Freundes Joseph Joachim, der auch bei der Uraufführung, am 1. Januar 1879 im Leipziger Gewandhaus, unter der Leitung des Komponisten den Solopart spielte. Der großangelegte Kopfsatz („Allegro non troppo“) setzt mit einem kantablen, ruhig einherschreitenden Thema in den Bässen ein. Nachdem das punktierte Seitenthema im Tutti des Orchesters erklungen ist, beginnt die Solovioline mit ihren Figurationen, die schließlich in die Solo-Exposition des Hauptthemas einmünden. Die Solovioline trägt auch ein zweites, in der Exposition des Orchesters nur angedeutetes Seitenthema in A-Dur vor. Erst dann folgt das Seitenthema aus der Tutti-Exposition. Die konzentrierte Durchführung greift auf den Beginn der Solo-Exposition zurück und verwendet im Orchester vor allem Elemente des Hauptthemas. Im vollen Tutti des Orchesters beginnt die Reprise des Satzes, in der die Themen in der Reihenfolge der Solo-Exposition wieder erscheinen. Nach der heute meist gespielten Kadenz von Joseph Joachim erklingt noch einmal leise das Hauptthema, ehe der Satz glanzvoll endet.
Der langsame Mittelsatz („Adagio“) steht in F-Dur. Seine Form ist relativ komplex; denn die Form einer dreiteiligen Reihung ist kombiniert mit Elementen eines Variationensatzes. Eine Oboenmelodie, eingebettet in einen reinen Bläsersatz, wird von der Solovioline aufgenommen, verzierend umspielt und dann – um einen Halbton verrückt – in den deutlich abgehobenen Mittelteil des Satzes überführt. Ihm schließt sich eine verkürzte und gleichzeitig veränderte Reprise an, die ganz auf das Soloinstrument ausgerichtet ist. Der Finalsatz („Allegro giocoso, ma non troppo vivace“) hat die Form des Rondos und erinnert an ungarische Volksmusik. Die von der Solovioline vorgetragene zündende Hauptmelodie des Satzes wird vom Orchester aufgegriffen und weitergeführt. Ein lyrisches Couplet im 3/4-Takt schließt sich an. Die vorhergehenden Teile werden, allerdings in etwas veränderter Fassung, noch einmal aufgegriffen. Ein zweites Couplet-Thema wird eingeführt, ehe eine zum Presto gesteigerte Coda, die das Hauptthema noch einmal rhythmisch umdeutet, das schwungvolle Ende des Satzes markiert.

Antonín Dvorák (1841-1904)
Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88 B 163 (1889)

Dvorák komponierte seine achte Sinfonie aus Anlass seiner Aufnahme in die Tschechische Kaiser-Franz-Joseph-Akademie im Jahre 1889. Uraufgeführt wurde sie unter Leitung des Komponisten am 2. Februar 1890 in Prag. Vor allem in England fand die Sinfonie große Beachtung, weswegen sie gelegentlich als die „Englische Sinfonie“ des Komponisten bezeichnet wird. So ist es auch erklärlich, dass gerade diese Sinfonie zu den Werken gehörte, die der Komponist am Abend vor seiner Ehrenpromotion durch die Universität Cambridge dort anstelle des ansonsten üblichen Promotions-Vortrages dirigierte. Der Kopfsatz der Sinfonie („Allegro“) handhabt das Schema der klassischen Sonatenform sehr frei. Der Reichtum an melodischen Einfällen überwiegt deutlich gegenüber einer strengen Verarbeitung und Kontrastsetzung im Sinne sinfonischer Durchstrukturierung. Am Beginn des Satzes steht eine weit gespannte Melodie von Celli, Fagott und Klarinette in g-Moll, die an formalen Angelpunkten des Satzes wieder auftaucht. Ihr folgen das eigentliche Hauptthema in G-Dur und zwei Seitenthemen, insgesamt eine an melodischem Material fast überreiche Exposition. Das Wiedererscheinen der Anfangsmelodie leitet nicht etwa eine Wiederholung der Exposition ein, sondern markiert den Beginn der Durchführung, in der die verschiedenen Themen unterschiedlich rhythmisiert, moduliert und abgewandelt werden. Das dritte Auftreten der Eingangsmelodie, diesmal als Höhepunkt in den Trompeten, zeigt den Beginn der Reprise an, die sich ziemlich regelhaft entwickelt und in einer temperamentvollen Coda endet.
Der zweite Satz, ein Adagio, beginnt als ein ausladender Trauermarsch, dessen Abschnitte allerdings immer wieder von signalartigen, fallenden Quartrufen unterbrochen werden. Die einleitenden Triolen des Marschthemas werden im zweiten Thema, einer schwelgerischen C-Dur-Melodie der Holzbläser, wieder aufgenommen. Den ersten Teil des Satzes beschließt ein festliches Thema, in das die Trompeten hineinschmettern. Das Trauermarschthema taucht wieder auf, diesmal in seinen Anfangstakten von den Hörnern markant intoniert. Aus seiner Triole entwickelt sich ein dramatisches Geschehen bis zur Wiederkehr des schwelgerischen C-Dur-Themas in den Violinen. Den Schluss des Satzes bildet das nun nach Dur aufgehellte Thema des Trauermarsches. An dritter Stelle, Scherzo, steht ein anmutiger g-Moll-Walzer im Dreiachteltakt. Das folgende Trio in G-Dur wirkt folkloristischer. Es erscheint nach der Wiederholung des Walzers erneut als Coda, diesmal allerdings nicht mehr im Dreier-, sondern in einem Zweiertakt. Der Finalsatz, „Allegro ma non troppo“, in strahlendem G-Dur, zeigt sich unter formaler Perspektive als eine originelle Verbindung von Sonatensatz und Variationenfolge. Nach der einleitenden Trompetenfanfare tragen die Celli das Thema vor, das anschließend zweimal, jeweils dynamisch gesteigert, variiert erscheint. Eine dritte Variation durch die Flöte wird durch die Wiederholung der zweiten, recht martialisch klingenden, zur Episode. Dann setzt das Seitenthema ein in Gestalt eines Marsches in c-Moll, der auch für den folgenden Durchführungsteil maßgeblich wird. Die beiden Themen werden moduliert und verarbeitet. Auf dem Höhepunkt der Durchführung zeigt das Wiedererscheinen der Anfangsfanfare den Beginn der Reprise an, die verschiedene eher lyrische Variationen des Hauptthemas vorstellt. Die Wiederkehr der martialischen zweiten Variation der Exposition beendet die breite und ruhige Entfaltung der Reprise und leitet zu einer den Satz fulminant beschließenden Stretta über.



19 Uhr, Konzertsaal: Einführung in das Konzert

Heidi Rogge

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Letzte Aktualisierung: 06.06.2020 21:01 Uhr     © 2020 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn