Kölner Philharmonie

WDR Sinfonieorchester Köln

Michael Nagy | Bariton
Foto: David Maurer
Michael Nagy | Bariton
Foto: David Maurer

Konzert - Mahler, Dvorak

Simona Saturová, Sopran
Michael Nagy, Bariton

Chor des Bayerischen Rundfunks
WDR Rundfunkchor
Cristian Macelaru, Leitung

Gustav Mahler (1860 - 1911)
Sinfonie Nr. 4 G-Dur

1897 ist Wien die Stadt, in der es kulturell, sozial und politisch gärt. Es ist die Stadt Arthur Schnitzlers, Hugo von Hofmannsthals und Sigmund Freuds. Johannes Brahms ist hier gerade gestorben und Arnold Schönberg komponiert hier gerade seine ersten Werke. 1897 ist auch das Jahr, in dem Gustav Mahler nach Wien kommt. Als Dirigent ist er am Ziel seiner Wünsche angelangt: er ist Direktor der Wiener Hofoper. Dadurch hat er aber immer weniger Zeit zu komponieren. Er beginnt in den Sommerferien – seiner bevorzugten Komponierzeit – mit den Arbeiten zur 4. Sinfonie, doch kommt er nicht so recht voran. Briefe aus dieser Zeit bezeugen eine regelrechten Schaffenskrise. Gegen Ende der Ferien jedoch kommt der Durchbruch: die Skizzen werden erstellt und im August des Jahres 1900 ist die „Vierte“ vollendet. Sie hat, wie viele andere Werke Mahlers, eine innere Leitidee: die Auseinandersetzung zwischen der Realität und Mahlers Leiden an seiner Umwelt – der „ewigen Jetztzeit“, wie er sie in Notizen an den Musikwissenschaftler Paul Bekker nennt und seiner Sehnsucht nach einer besseren Welt. Die reale Welt wird im ersten Satz vorgestellt („Bedächtig. Nicht eilen“). Die Themen klingen alle sehr vertraut, in Mahlers realer Welt haben sich die Menschen „irgendwie eingerichtet“ und alles bleibt beim alten. Dieser Satz wird eröffnet mit einer Schelle, dem Symbol des Narren, der die Welt verachtet und verspottet, indem er ihr den Spiegel vorhält. Der zweite Satz („In gemächlicher Bewegung ohne Hast“) – ein groteskes Scherzo – zeichnet dieses Weltbild noch krasser: „Freund Hein spielt auf“ heißt es in einer Notiz Mahlers. Freund Hein, die volkstümlich-romantische Umschreibung für den Tod, der mit seiner Fidel den Menschen zum Totentanz aufspielt, wird in Mahlers Sinfonie dargestellt durch die höher gestimmte Solovioline, die grell und fahl klingt. Wie es sein könnte, wird im dritten Satz vorgeführt („Ruhevoll“), dem Adagio. Es ist ein Variationssatz in der österreichischen Tradition eines Franz Schuberts und Anton Bruckners, erfüllt von der typischen melancholisch-traurigen Schönheit. Mahler selbst hielt diesen Satz für einen seiner besten, die Verheißung einer anderen, schöneren Welt, die allerdings unerreichbar bleibt, es sei denn in der naiven Vorstellungswelt der Kinder. Mit dem unmittelbar anschließenden Finale („Sehr behaglich“) hat Mahler diese Kinderwelt erreicht. Ein Sopran-Solo singt das Lied vom Himmlischen Leben, dessen Text wieder einmal aus „Des Knaben Wunderhorn“ stammt, aus dem sich ja, neben Mahler, auch schon so viele andere Komponisten bedient haben. Der Text des Liedes kennt auch grausame Momente, und nicht von ungefähr zitiert Mahler die Narrenschelle vom Beginn der Sinfonie: die kindliche Vorstellung vom himmlischen Leben ist zugleich der Spiegel all dessen, was den Kindern in der Realität vorenthalten bleibt. Doch dem Finale fehlen der Spott und die Bitterkeit der ersten beiden Sätze. Ein reiner und unschuldiger Humor bestimmt das Lied, und Mahler zeigt durch die Vertonung dieser Textstelle, wo er seine eigene bessere Welt zu finden hofft: in der Musik, die im Sinne des von Mahler geschätzten Philosophen Schopenhauer das Leiden an der Welt überwinden hilft.
Spieldauer: ca. 60 Min.

Antonin Dvorák (1841 – 1904)
Te Deum

Antonín Dvorák gilt neben dem um eine knappe Generation älteren Bédrich Smetana als der wichtigste Vertreter einer tschechischen Nationalmusik im 19. Jahrhundert. Er wurde 1841 in Nelahozeves geboren, einem kleinen an der Moldau gelegenen Dorf nördlich von Prag. Seinen Unterhalt verdiente er später zunächst als Mitglied einer Musikkapelle, die hauptsächlich Unterhaltungs- und Tanzmusik spielte. Mit der ganzen Kapelle wechselte Dvorák nach einiger Zeit zum Prager Interimstheater, spielte dort zwölf Jahre die erste Bratsche und lernte dabei die damals gängige Opern- und Konzertliteratur kennen. Auch die Uraufführung der „Verkauften Braut“ seines Landsmannes Smetana erlebte Dvorák als Bratscher im Orchestergraben. Seit 1862 komponierte er Kammermusik, Opern, Kantaten und Sinfonien. Seit Ende der 1870er-Jahre geschah dies mit zunehmendem äußeren Erfolg, der es ihm sogar erlaubte, sich ein Sommerhaus in Südböhmen zu kaufen, in dem er mit seiner Familie die Sommermonate zu verbringen pflegte. Seit 1891 wirkte Dvorák als Kompositionslehrer am Prager Konservatorium. Im gleichen Jahr erhielt er sowohl von der tschechischen Universität Prag wie auch von der Universität Cambridge die Würde eines Ehrendoktors verliehen. Von 1892 bis 1895 weilte Dvorák als Direktor des New Yorker Konservatoriums in den Vereinigten Staaten und komponierte dort unter anderem seine berühmteste Sinfonie „Aus der Neuen Welt“. Während der Proben zu seiner letzten Oper Armida erkrankte Dvorák. Am 1. Mai 1904 starb er in seiner Prager Wohnung an einem Gehirnschlag und wurde vier Tage später unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in einem Ehrengrab auf dem Prager Vysehrad-Friedhof hoch über der Moldau beigesetzt. Im Herbst 1891 nahm Antonín Dvorák die Verpflichtung an, ab Herbst des darauffolgenden Jahres als Direktor des Nationalkonservatoriums in New York zu wirken. Mitte Juni wurde er von seiner zukünftigen New Yorker Dienstherrin Jeannette Thurber gebeten, eine feierliche Kantate anlässlich der 400-Jahrfeier der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus im Oktober des Jahres zu schreiben. Sie versprach Dvorák die Zusendung des Textes für die Kantate, doch dessen Ankunft ließ auf sich warten. So wählte Dvorák selbst einen Text aus, der ihm für diesen Anlass geeignet schien: den Kirchenhymnus „„Te Deum laudamus“. Noch in seiner tschechischen Heimat skizzierte er das Werk in nur fünf Tagen, einen Monat später, im Juli 1892, vollendete er die Partitur und versah sie mit folgender Widmung: „Hymnus ‘Te Deum laudamus’ für Sopran und Bass Solo, Chor und Orchester zu Ehren des Gedächtnisses an Kolumbus, das in New York am 12. Oktober 1892 gefeiert werden soll“. Uraufgeführt wurde das „Te Deum“ jedoch dann doch nicht an diesem Datum, sondern erst neun Tage später in der New Yorker „Carnegie Hall“ bei Dvoráks erstem selbstständigen Konzert in den Vereinigten Staaten. Ein Chor – bestehend aus 250 Sängerinnen und Sängern – und ein Orchester mit 90 Mitgliedern hoben das Werk aus der Taufe. Dvorák machte aus seinem „Te Deum“ formal soetwas wie eine kurze Sinfonie in großem Ausmaß. Den Text des „Te Deum“s teilt Dvorák auf vier Sätze auf. Auch die Charaktere der einzelnen Sätze lassen sich mit denen einer Sinfonie vergleichen: Dem schnellen Auftakt folgt ein innig langsamer zweiter Satz, der lebhafte dritte Satz wirkt scherzohaft. Und schließlich beschließt der letzte Satz das Werk mit großer orchestraler Geste. Das „„Te Deum““ beginnt feierlich mit donnernden Pauken und festlichen Bläserklängen, der Chor lobt Gott mit schnellem und lebhaften Gesang. Erst bei den „Sanctus“-Rufen kommt die Musik zur Ruhe, innig preist das Sopran-Solo gemeinsam mit dem Englischhorn die Herrlichkeit Gottes. Auch dem Lobpreis Jesu Christi gibt Dvorák eine persönliche Stimme: Mit „Tu rex gloriae, Christi“ leitet das Bass-Solo den langsamen zweiten Satz ein, wie beim Sopran-Solo im ersten Satz antwortet darauf der vierstimmige Chor. Das „Scherzo“ spielt fröhlich und unbekümmert auf, lebhaft setzen die einzelnen Stimmen des Chores im dritten Satz imitatorisch nacheinander ein. Der intensiven Bitte „In der ewigen Herrlichkeit zähle uns deinen Heiligen zu“ gibt Dvorák damit einen ausgedehnten Raum. Überraschend wirkt das Ende des vierten Satzes, dem Dvorák den Segensspruch hinzufügt und damit das Werk mit einem jubilierenden „Alleluja!“ enden lässt. Johannes Brahms soll die Wucht des Werks einmal scherzhaft kommentiert haben: „Das „Te Deum“ ist wohl für die Feier der Zerstörung Wiens und Berlins durch die Böhmen gedacht und scheint mir dafür auch recht geeignet.“ Tatsächlich erinnert das Werk mit seinen vier effektvoll kontrastierenden Teilen an die mächtige Klangsprache eines Giuseppe Verdi oder Anton Bruckner.
Spieldauer: ca. 21 Min.

Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 18.11.2019 21:01 Uhr     © 2019 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn