Kölner Philharmonie

Mahler Chamber Orchestra

Mahler Chamber Orchestra
Foto: Deniz Saylan
Mahler Chamber Orchestra
Foto: Deniz Saylan

Konzert - Schubert, Widmann, Mozart

Daniel Harding, Dirigent
Matthias Goerne, Bariton


Jörg Widmann (*1973)
„Choralquartett“
Neufassung für Flöte, Oboe, Fagott, Celesta (ad lib.) und Streichorchester
Kompositionsauftrag der Kölner Philharmonie (KölnMusik) für das »non bthvn projekt« 2020, des Konzerthauses Dortmund und der Carnegie Hall New York

Der 1973 in München geborene Jörg Widmann studierte Komposition bei Hans Werner Henze, Wilfried Hiller und Wolfgang Rihm, außerdem Klarinette an der Münchner Musikhochschule sowie an der New Yorker Juilliard School. 2001 – 2016 war er Professor für Klarinette an der Freiburger Musikhochschule und betreute dort auch eine eigene Kompositionsklasse. Seit 2009 hat er eine Doppelprofessur für Klarinette und Komposition am Institut für Neue Musik der Musikhochschule Freiburg inne. Widmann, der zu den interessantesten deutschen Komponisten seiner Generation zählt, hat stets auch seine zweite Begabung als Instrumentalist gepflegt, und zwar im klassischen wie im modernen Repertoire. Er komponiert auch Konzertwerke und Kammermusik für sein eigenes Instrument und brachte ebenso Werke anderer Komponisten zur Uraufführung. Seit 2007 ist Jörg Widmann Mitglied der Deutschen Akademie der darstellenden Künste. Zentral in Widmanns kammermusikalischen Schaffen stehen seine Streichquartette: I. Streichquartett (1997), gefolgt von „Choralquartett“ und Jagdquartett, das 2003 durch das Arditti Quartett uraufgeführt wurde. 2005 komplettierten die Uraufführungen des IV. Streichquartetts und von Versuch über die Fuge (V. Streichquartett mit Sopran) durch Juliane Banse und das Artemis Quartett die Werkreihe, die als ein großer Quartettzyklus gedacht ist. Ab der Konzertsaison 2019/20 ist Jörg Widmann als Komponist, Dirigent und Klarinettist für drei Spielzeiten „Artist in Residence“ beim WDR Sinfonieorchester. Außerdem hat er in der Saison 2019/20 den „Richard and Barbara Debs Composer’s Chair“ der New Yorker Carnegie Hall inne. Das heute zur Aufführung kommende „Choralquartett“ ist die Neufassung seines gleichnamigen Streichquartetts aus dem Jahre 2003. In dieser Neufassung ist es gesetzt für Flöte, Oboe, Fagott, Celesta (ad lib.) und Streichorchester. Das Werk ist ein Kompositionsauftrag der Kölner Philharmonie (KölnMusik) für das „non bthvn projekt“ 2020, das Konzerthauses Dortmund und die Carnegie Hall New York. Widmann selbst hat zu seinem Streichquartett eine kleine Einführung gegeben: „Mein II. Streichquartett ist ein einziger langsamer Satz. Das Stück bezieht sich an keiner Stelle konkret auf Joseph Haydn’s „Sieben letzte Worte“, wäre aber ohne das Wissen um dieses Werk undenkbar. Die Haydn’sche Satzfolge von ausschließlich (bis auf das abschließende Erdbeben) langsamen Sätzen ist nach wie vor von schockierender Eindringlichkeit. Noch verstörender ist für mich das gelassene zuversichtlich-heitere Annehmen des Todes bei Haydn (das „Lächeln“ der A-Dur-Pizzikato-Terzen!). Bei der Beschäftigung mit der Kreuzigungsthematik waren für mich der „Weg“, der „letzte Gang“ die entscheidenden Begriffe. Mein Stück beginnt am Ende eines Weges. Es sind lauter letzte Klänge, Phasen der Vergeblichkeit, die nirgendwoher kommen und nirgendwohin führen. Das entsetzliche Reiben und Schmirgeln von Haut auf Holz wird zum Thema gemacht und durch Stille verbunden mit tonal Choralhaftem. Mich interessiert daran, wie im Verlauf des Stückes Geräusch nicht mehr für Desolates, und Tonales nicht mehr für Zuversicht steht.“

Franz Schubert (1797 – 1828)
Kleine „Schubertiade“ mit Bearbeitungen von Liedern Franz Schuberts

Zu Zeiten Franz Schuberts fanden im Hause seiner Freunde regelmäßig Konzerte statt, die unter dem Namen „Schubertiade“ in die Musi8kgeschichte eingegangen sind. Die erste dokumentarisch belegte Veranstaltung, die man im engeren Sinne als Schubertiade bezeichnen kann, fand am 26. Januar 1821 in der Wohnung der Familie von Schober[ statt (belegt durch einen Brief Joseph Hubers vom 30. Januar 1821 an seine Braut Rosalie Kranzbichler). Ab 1822 verwendete Schubert selbst den Begriff. Eine Schubertiade kann man auch alleine veranstalten, wie der Brief Leopold Kupelwiesers an Schober vom 8. März 1824 („auch geb’ ich mir zuweilen Schubertiaden“) beweist. Letztendlich waren die Schubertiaden Konzerte im Freundeskreis, wo fremde und eigene Werke aufgeführt wurden. Auch der heutige Konzerttag ist der Versuch einer kleinen „Schubertiade“. Der Bariton Matthias Goerne wird dabei allerdings Lieder von Schubert zur Aufführung bringen, die von anderen Komponisten bearbeitet wurde (so wie Jörg Widmann im ersten Programmpunkt des heutigen Tages bereits sein „Choralquartett“ bearbeitet hatte). Das Lied „Tränenregen“ op. 25, Nr. 10 D 795 stammt aus Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ nach Texten von Wilhelm Müller und wurde 1903 von Anton Webern bearbeitet für Gesangsstimme und Orchester. Der Komponist Max Reger hat zwischen 1913 und 1915 Schuberts „Im Abendrot“ D 799 für Singstimme und Orchester gesetzt. Der Text stammt von Karl Lappe. Im Anschluss daran wird eine weitere Webern-Vertonung aus dem Jahr 1827 zu hören sein: „Der Wegweiser“ op. 89, Nr. 20. Der Text stammt wieder von Wilhelm Müller, das Lied selbst stammt aus Schuberts „Winterreise“. Es folgt eine weitere Reger-Bearbeitung: Prometheus D 674, ursprünglich für Bass und Klavier, hier in einer Version für Singstimme und Orchester. Der Text stammt von Johann Wolfgang von Goethe. Als letztes Lied vor der Pause wird noch eine ganz aktuelle Schubert-Bearbeitung im Programm sein. Sie stammt vom Pianisten Alexander Schmalcz, der von Matthias Goerne zur Bearbeitung von Schubert-Liedern angeregt wurde. Für das heutige Konzert hat sich Goerne daraus „Des Fischers Liebesglück“ op. 27, Nr. 3 D 933 ausgesucht. Der Text stammt hier von Karl Gottfried von Leitner.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Sinfonie D-Dur KV 504 (1786)
"Prager Sinfonie"

Mozart hat nicht weniger als rund 60 Sinfonien geschrieben (einige davon sind aber nicht oder nur fragmentarisch erhalten), von denen viele allerdings Gelegenheitsarbeiten darstellen und im Stil den älteren Serenaden, Suiten und Ouvertüren nahe stehen. 41 dieser Sinfonien sind für das Konzertwesen erhalten geblieben. Die Sinfonie in D-Dur KV 504 trug Mozart am 6. Dezember 1786 in sein eigenhändig geführtes Werkverzeichnis ein. Mehr als drei Jahre hatte er keine Sinfonie mehr komponiert. Es ist unklar, ob Mozart das Werk allgemein für die Konzertsaison des Winters 1786/87 komponiert hatte oder speziell in Vorbereitung einer Prag-Reise, die er am 8. Januar 1787 zusammen mit seiner Frau Constanze antreten sollte. Es steht allerdings fest, dass die Uraufführung in Prag am 19. Januar 1787 erfolgte. Die triumphale Aufnahme des „Figaro“ zwei Tage vorher (ein Erfolg, der sich 9 Monate später mit dem „Don Giovanni“ wiederholen sollte) zeigt, dass Prag für Mozart ein fruchtbarer Boden war. Auch die Instrumentalwerke, die er in Prag präsentierte, stellen da keine Ausnahme dar. Franz X. Niemetschek, einer der frühesten Mozartbiografen schrieb 1798: „Die Sinfonien, die er für diese Gelegenheit setzte, sind wahre Meisterstücke des Instrumentalsatzes, voll überraschender Übergänge und haben einen raschen, feurigen Gang, so dass sie also gleich die Seele zur Erwartung irgendetwas Erhabenen stimmen. Dies gilt besonders von der großen Sinfonie in D-Dur, die noch immer ein Lieblingsstück des Prager Publikums ist“. Ohne Zweifel bildet die Sinfonie den krönenden Abschluss der D-Dur-Werke, deren sich steigernder Verlauf über die „Pariser“ und „Haffner“-Sinfonie verläuft. In dem Werk, das zwischen dem D-Dur des „Figaro“ (es gibt im ersten und letzten Satz einige fast wörtliche Anspielungen) und dem problematischen D-Dur des „Don Giovanni“ (besonders in der dunkel großartigen Einleitung) oszilliert, ist äußerste Konzentration das Stichwort. Sie spiegelt sich nicht nur in dem Fehlen des Menuetts, das nichts Zusätzliches mehr sagen könnte, sondern vor allem in der thematischen Arbeit der Rahmensätze. In einem bislang nie dagewesenem Maß beschränkt sich Mozart in den Durchführungen auf das Hauptthema und dessen kontrapunktische Verdichtung, die im Finale sogar Züge einer wahren „tour de force“ annimmt. Das Eruptive, der alles mitreißende Schwung fehlt zwar dem Andante, doch ist es in seiner „innigen Verbindung von Kantabilität mit polyfoner Haltung“ (Einstein) ein nicht minder gewichtiger Satz als die beiden Rahmensätze.
Satzfolge: I. Adagio-Allegro; II. Andante; III. Presto.
Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 08.08.2020 21:01 Uhr     © 2020 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn