Kölner Philharmonie

Ensemble Resonanz

Ensemble Resonanz
Foto: Tobias Schult
Ensemble Resonanz
Foto: Tobias Schult

Olivier Patey, Klarinette
Konzert - Copland, Iyer, CPE Bach, Mozart


Riccardo Minasi Dirigent


Aaron Copland (1900 – 1990)
Konzert für Klarinette, Streicher, Harfe und Klavier (1947-48)

Aaron Copland entstammte einer litauisch-jüdischen Familie, wurde aber in Brooklyn geboren und wuchs dort auch auf. Ein Einwanderungsbeamter hatte mit einem Federstrich den Namen seines Vaters von „Kaplan“ in „Copland“ umgewandelt. Schon als Sechzehnjähriger erklärte der junge Copland, Komponist werden zu wollen. In seiner amerikanischen Heimat galt er zunächst als eine Art „junger Wilder“. In den 1920er Jahren ging er nach Paris, um dort wie andere amerikanische Komponisten auch bei der berühmten Nadia Boulanger (1887 - 1979) zu studieren. In seinen Kompositionen aus dieser Pariser Zeit verarbeitete er Einflüsse von Gabriel Fauré und Igor Strawinsky. Im Jahre 1925 kehrte Copland wieder in sein Heimatland zurück und entwickelte schließlich seinen eigenen, „nationalen“ Ton, der ihn zum berühmtesten amerikanischen Komponisten vor Leonard Bernstein machen sollte. Coplands Klarinettenkonzert entstand 1947/48 als Auftragskomposition des berühmten Jazz-Klarinettisten Benny Goodman. In jener Zeit wandte sich auch Copland wieder vermehrt dem Jazz zu. Das Werk besteht nur aus zwei Sätzen. Der erste – noch jazzfreie – Satz besteht dabei aus ausdrucksvollen und langsamen Elementen. Der zweite Satz ist eine Verschmelzung von Elementen aus populärer nord- und südamerikanischer Musik. Dabei brachte die Schwierigkeit, die Copland für das Soloinstrument vorgesehen hatte, den Musiker Benny Goodman vor einige Schwierigkeiten. Er gab dem Komponisten zu bedenken, dass er doch „bloß Jazzmusiker“ sei. Die Uraufführung sollte Goodman allerdings, trotz aller Bedenken, ohne Schwierigkeiten bewältigen. Copland selbst äußerte sich zufrieden über sein Werk. 1947 schrieb er in einem Brief, der sich auf den langsamen ersten Satz bezog: „Ich glaube, dass alle weinen werden.“
Spieldauer: ca 17 Min.

Vijay Iyer (*1971)
Crisis Modes (2019)
für Streicher und Schlagzeug
Kompositionsauftrag von Los Angeles Philharmonic New Music Group, Wigmore Hall und Kölner Philharmonie (KölnMusik)
Deutsche Erstaufführung

Der Komponist Vijay Iyer ist neben seiner Komponistentätigkeit vor allem als Jazz-Pianist bekannt. Geboren wurde er 1971 als Sohn indischer Einwanderer im amerikanischen Albany im Staat New York. In seinen Werken und seinem Spiel verbindet er erfolgreich Einflüsse aus Avantgarde und Tradition, sowie Groove, Pop und Jazz. Darüber hinaus auch Stilelemente indischer Musik. Ab dem Alter von drei Jahren erhielt er Violinunterricht, wechselte aber bald zum Klavier. Nachdem er zunächst ein Physikstudium absolviert hatte, studierte er anschließend an der University of California Berkeley Musik. Das Werk „Crisis Modes“ stammt aus dem Jahre 1919 und ist ein Kompositionsauftrag von Los Angeles Philharmonic New Music Group, der Wigmore Hall und der Kölner Philharmonie (KölnMusik). Es wird heute in Deutscher Erstaufführung zu hören sein. Vijay Iyer äußerte sich selbst in folgender Weise zu seiner Komposition: Wenn wir improvisieren, geschieht Musik im Hier und Jetzt. Es ist, wie wir mit den Kräften um uns herum kommunizieren, menschlich und auf andere Weise. Wenn wir zum Beispiel komponieren – was der große Wayne Shorter prägnant als „verlangsamte Improvisation“ bezeichnet hat – senden wir ein Musikstück stromabwärts, um es in der Zukunft zu hören. Wie die anderen Komponisten in diesem Programm mache ich viel von beidem: Ich beschäftige mich mit dem „Jetzt“ – mit und zwischen anderen – und mit Ereignissen für das „Dann“, für die Anderen. Auf diese Weise machen wir Musik für heute und für morgen. Ich entschied mich, dieses „Musikstück-für-morgen“ wie eine Zeitkapsel zu komponieren. Es ist nicht zu leugnen: Wir leben in einer Zeit des Kampfes, in der uns jeden Tag humanitäre und Umweltkrisen beschäftigen. Also, was könnte ich versuchen, dem zukünftigen Publikum außer ‚S.O.S.‘ zu sagen? Ich möchte ihnen und den Nachfolgenden mitteilen, wie wir uns diesen vernarbten Planeten zu Beginn des Jahres 2019 vorstellen können. Der spekulative Fiction-Autor N. K. Jemisin sagte kürzlich in einem Interview: ‚Meine Aufgabe ist es, der Welt zu helfen… das ist die Aufgabe eines Künstlers - so weit wir können ... Es ist die Aufgabe eines Künstlers, der Macht die Wahrheit zu sagen.‘ Crisis Modes bietet eine Version der Gegenwart an, in der wir uns gegenseitig zum Handeln aufrufen, unsere eigne Verleugnung durchdringen und uns organisieren als kohärente, konstruktive oppositionelle Kraft. Ich weiß nicht genau, wie sich das anhört, aber ich kann mir zumindest vorstellen, wie es sich anfühlt. Dieses Stück ist also mein Versuch, diese affektive Landschaft zu verfolgen. Die zentrale Stelle des Werkes kam zunächst in Form einer Klavierimprovisation auf mich zu, die ich dann für Streicher und Schlagzeug orchestrierte. Ich hatte das noch nie zuvor gemacht, aber ich hatte das Gefühl, dass dies ein Weg sein würde, auf eine verkörperte, emotional ungefilterte Musikalität zuzugreifen. Von dort aus baute ich es aus und umrahmte diesen Abschnitt mit einer Reihe von Prozessen: verschiedene Qualitäten von Bewegungen, die ihren Ursprung in südasiatischen und afrikanischen Musiken und im umgebenden Rhythmus der Städte haben.“
Spieldauer: ca 14 Min.

Carl Philipp Emanuel Bach (1714 – 1788)
Sinfonie h-Moll Wq 182,5 (1773)
für Streicher und Basso continuo
"Hamburger"

Nach fast 30 Jahren als Kammercembalist am Hof Friedrichs II. von Preußen zog es den berühmten zweitältesten Bachsohn im Jahre 1767 nach Hamburg. Hier trat er als Kantor die Nachfolge seines verstorbenen Patenonkels Georg Philipp Telemann an. Zwei Jahrzehnte lang sollte Bach das Hamburger Musikleben prägen. Einen großen Bewunderer fand er in dem Baron Gottfried van Swieten, der von seinem frischen und innovativen Musikstil ganz angetan war. Und so kam es zu einem folgenreichen Auftrag, der vielleicht zum epochalsten Werk in Bachs Gesamtwerk führte. Carl Philipp sollte nämlich eine Sinfonie schreiben, ohne in irgendeiner Weise Rücksicht auf Inhalt oder spielerische Schwierigkeit zu nehmen, also wahrlich das ausdrücken, was ihn musikalisch in seinem tiefsten Inneren bewegt. Was für ein Glücksfall war diese Aufgabe in einer Zeit, wo die Wahrnehmung von Komponisten noch meist vom Bild des Handwerkers bestimmt war und die Anerkennung als individueller Künstler noch in weiter Ferne lag. Bach ließ sich also nicht lange bitte, er schrieb die sechs Sinfonien der Werkgruppe 182 des WotquenneVerzeichnisses, in denen sich all seine musikalischen Entwicklungen zu einem innovativen Werk verdichteten, das Zeitgenossen verblüffte, begeisterte, aber auch überforderte. Es sprengte die konservativen Vorstellungen seiner Zeit bei Weitem und kündigte bereits an, was spätere Komponisten sich erst noch erkämpfen mussten. Nicht jeder kam mit dieser Kühnheit klar. Der Dichter Lessing schrieb: „Eine Sinfonie, die in ihren verschiednen Sätzen verschiedne Leidenschaften ausdrückt, ist ein musikalisches Ungeheuer!“ Andere, wie Mozart und Haydn, ahnten aber, dass hier die Grenze zu einer neuen musikalischen Zeit angebrochen war. Die Sinfonie in E-Dur Wq 182,5 ist eines dieser virtuosen Glanzstücke des Frühklassizismus. Sie entstand 1773 und besteht aus drei Sätzen in der damals geläufigen Reihenfolge der Tempi „schnell - langsam - schnell.“
Spieldauer: ca. 10 Min.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Sinfonie Es-Dur KV 543 (1788)

Obwohl die letzte Sinfonie von Wolfgang Amadeus Mozart nach der traditionellen Nummerierung der Alten MozartAusgabe die Nr. 41 trägt, lassen sich tatsächlich rund 60 Sinfonien von seiner Hand nachweisen, von denen einige allerdings nicht oder nur fragmentarisch erhalten sind. Vor allem die letzten zehn sind fester Bestandteil der Konzertprogramme, wobei den 1788 innerhalb zweier Monate entstandenen Sinfonien in Es-Dur (KV 543), in gmoll (KV 550) und in C-Dur (KV 551), der seit dem 19. Jahrhundert sogenannten „Jupiter-Sinfonie“, noch einmal eine Sonderstellung zukommt. Ohne erkennbaren äußeren Anlass und auch ohne Aussicht auf eine Aufführung entstanden, gibt die Entstehung dieser drei letzten Sinfonien, in denen Mozart den Höhepunkt seines sinfonischen Schaffens erreicht, bis heute Rätsel auf. Was mag den von inneren und äußeren Belastungen beschwerten Komponisten in einer Zeit, da sein frisch erworbener Ruhm in Wien schon wieder zu verblassen begann, dazu bewogen haben, ohne Auftrag den Aufwand und die Anstrengung solcher „Großkompositionen“ auf sich zu nehmen? Welche Rolle spielt dabei das Vorbild des väterlichen Freundes Joseph Haydn, der ein Jahr zu-vor seine sechs „Pariser-Sinfonien“ publiziert und damit der Gattung neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet hatte? Mozarts drei Sinfonien werden jedenfalls auch unter dem Namen „Sinfonisches Triptychon von 1788“ bzw. „Dreigestirn“ zusammengefasst. Die Sinfonie in Es-Dur (KV 543) entstand als Erste der drei und wurde von Mozart mit Datum vom 26. Juni 1788 in sein eigenhändiges Werkverzeichnis eingetragen. Zu den Streichern setzt Mozart eine Flöte und je zwei Klarinetten, Fagotte, Hörner, Trompeten und Pauken; der Verzicht auf Oboen verleiht dem Werk insgesamt ein weicher erscheinendes Klangbild. Nach Haydns Manier beginnt Mozart den ersten Satz („Adagio – Allegro“) mit einer gewichtigen langsamen Einleitung, die in einem raffinierten „piano“-Schluss endet und damit den ebenfalls im „piano“ einsetzenden Allegro-Hauptsatz vorbereitet. Im kammermusikalischen „Andante con moto“, trotz seines marschmäßigen Rhythmus eher ein gelöstes Schreiten, werden klar abgesetzte Themen durch komplexe Motivgruppen ersetzt, die ständig neue Gestalten erzeugen und Lied- und Variationsform vermischen. Das „Menuetto“ spielt in seinem Hauptteil mit einem abwechselnden Dialog zwischen Bass und Oberstimme; im Trio dominieren die Klarinetten. Das Finale greift die virtuose Gestik des Eingangssatzes wieder auf.
Spieldauer: ca. 30 Min.

Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 06.06.2020 21:01 Uhr     © 2020 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn