Kölner Philharmonie

Freiburger Barockorchester und Chor

Kristian Bezuidenhout
Foto: Marco Borggreve
Kristian Bezuidenhout
Foto: Marco Borggreve

Welcome to all the pleasures – Oden von Henry Purc
Konzert


Kristian Bezuidenhout, Cembalo und Leitung

Henry Purcell (1659-1695)
- „Welcome to All the Pleasures" Z 339 (1683). Ode für den St. Caecilias Tag für Solisten, Chor, Streicher und Basso continuo
- „The Gordion Knot Unty'd“ Z 597 (1690). Schauspielmusik. Suite aus der Schauspielmusik
- Chacony g-Moll Z 730 (um 1678) für zwei Violinen, Viola und Basso continuo
- „Why are all the muses mute“ Z 343 (1685). Ode für Solisten, Chor, Streicher und Basso continuo

Henry Purcell begann seine Laufbahn als Chorknabe in der Chapel Royal in London. Seit seinem achten Lebensjahr scheint er komponiert zu haben. Mit 20 Jahren wurde er Organist der Westminster Abbey als Nachfolger von John Blow; 1682 folgte er Edward Lowe als einer der Organisten der Chapel Royal. 1683 wurde er zum „Keeper of the King’s Instruments“ ernannt. In diesen Ämtern, in denen er auch Kompositionen für höfische Feste zu liefern hatte, blieb er bis zu seinem Tod am 21. November 1695. Drei Jahre nach seinem Tod veröffentliche Henry Playford eine Anthologie von Purcells Liedern unter dem seitdem sprichwörtlich gewordenen Titel „Orpheus Britannicus“. Purcell zählt ohne Zweifel zu den größten Komponisten des Barock und ist auch der größte, den England hervorgebracht hat. Er begann als vergleichsweise konservativer Komponist, vor allem in seiner Vokalmusik, nahm aber schnell französische und immer mehr italienische Anregungen auf und entwickelte gleichzeitig das „besondere Genie, die Kraft der englischen Sprache so auszudrücken, daß er damit das Gefühl aller Hörer bewegte“ (Playford).

Purcell hat einige Oden komponiert – „Welcome to all the pleasures“ ist eines der frühen Werke: Die Organisation „The Musical Society“ hatte Purcell damit beauftragt, Christopher Fishburns Libretto für die erste Feier der Gesellschaft anlässlich des Festtags der Heiligen Cäcilia 1683 zu vertonen. Purcell schrieb im Alter von nur 24 Jahren ein Werk von besonderer Frische, das unter anderem aufgrund seiner originellen Streicher-Ritornelle bemerkenswert ist, mit denen er viele Vokal-Abschnitte beendet. In dem Werk kommt auch ein besonders gelungenes Alt-Solo über einem Basso ostinato vor: „Here the Deities approve“ (das dann in ein sehr elegantes Streicher-Ritornell übergeht). Bei den Worten „Beauty, thou scene of love“ („Schönheit, du Szene der Liebe“) lädt Fishburns Text zu einer sanften Vertonung ein, worauf Purcell auch mit einem Satz eingeht, der zunächst an einen Solo-Tenor gegeben ist (mit einem köstlichen Missklang bei der Erwähnung der Laute) und der dann von dem Streicherensemble fortgeführt wird. Purcell lässt das Werk ungewöhnlich leise enden, wobei der Satz am Schluss bei den Worten „Iô Cecilia“ auf nur die Bassinstrumente und Sänger reduziert wird, welche die Ode ausklingen lassen.

Purcell begann erst Bühnenmusik in größerem Umfang zu komponieren, als er längst mitten im Berufsleben stand. Ein Stück des Titels „The Gordion Knot Unty’d“ wurde im Winter 1690 aufgeführt, doch ist sein Autor unbekannt und der Text seither verloren gegangen. In der gleichen Spielzeit hat Purcell Musik für „King Arthur“, ein abendfüllendes Opernschauspiel, und fünf oder sechs andere Produktionen komponiert, so dass es kein Wunder ist, dass die Suite in aller Eile zusammengestellt wurde. Drei der Sätze sind seinen höfischen Oden der 1680er-Jahre entnommen, während der „Jigg“ eine einfallsreiche Bearbeitung von „Lilliburlero“ mit der Melodie im Bass darstellt. Purcell hat mit einer anderen Volksweise in seiner Ode „Ye tuneful muses“ (Oktober 1686) das gleiche kompositorische Kunststück ausgeführt. Möglicherweise war seine Vertonung von „Lilliburlero“ ursprünglich eine Instrumentalpassage in einer verlorengegangenen Ode zum Lob der „Glorious Revolution“, d.h. der Machtübernahme durch Wilhelm und Maria. Schließlich wird behauptet, das Lied habe mit seinem jakobitenfeindlichen Text „König Jakob aus drei Königreichen vertrieben“.

„Why, why are all the Muses mute?“ war der erste Welcome Song, den Purcell für König Jakob II. schrieb und der wahrscheinlich am 14. Oktober 1685 in Whitehall, kurz nach der Rückkehr des Hofes aus Windsor, aufgeführt wurde. Dem Chronisten Luttrell zufolge brachte dieser Anlass „öffentliche Kundgebungen der Freude, Glockengeläut, zahlreiche Freudenfeuer und anderem mehr“ mit sich, und es gab noch mehr Grund zum Feiern, da kurz zuvor der (im Text des anonymen Autors erwähnte) Aufstand des Herzogs von Monmouth niedergeschlagen worden war. Der Beginn der Ode ist einzigartig, da hier auf den ersten Blick keine Ouvertüre zu sein scheint: Purcells anschauliche Darstellung der Textpassage „Why, why are all the Muses mute?“ („Warum sind alle Musen stumm?“) ist der Grund dafür, dass er mit einer einzelnen Tenorstimme beginnt, was zauberhaft klingt. Dem Sänger gelingt es dann, den Chor zu wecken – und auch das Orchester, was mit einer Sinfonie anhebt. Nach diesem unkonventionellen Anfang nimmt die Ode gewohntere Formen an und fährt mit Soli, Duetten, Trios und Chören fort.

Purcells berühmte Chaconne in g-Moll wurde wahrscheinlich um 1678 komponiert, möglicherweise als Teil einer verlorengegangenen Schauspielmusik. Sie gehört damit zu den frühesten datierten Werken des Komponisten. Ob sie für die königlichen Streicher, deren Komponist Purcell seit 1677 war, oder aber als kontrapunktische Übungen des knapp 20-jährigen Komponisten entstand, ist nicht mehr festzustellen. Obwohl Purcell sein Leben lang Chaconnes schrieb, strebte er in diesem Stück nach einer übergreifenden Synthese, wie es später auch Bach in seinen wenigen Anwendungen des Chaconne-Modells machen sollte. Ausgangspunkt ist der Rhythmus der Ciaccona, eines ursprünglich aus Spanien bzw. Südamerika stammenden Tanzlieds zu Gitarrenbegleitung, dessen Bass in Dur stand und einen als aufreizend empfundenen Rhythmus hatte. Bis die Chaconne über Süditalien und Paris nach England kam, hatten sich schon etliche andere Elemente dazwischen geschoben: die Doppel-Viertakter der französischen Ballett-Chaconne, der vierstimmige Streichersatz, die Molltonart (meist g-Moll) und der Bass der Passacaglia, die sich allmählich mit der Ciaccona vereinte. Dies alles ließ Purcell in seine Chacony einfließen, nur zu dem einen Zweck: Ein Stück zu schreiben, das gleichzeitig von unwiderstehlicher rhythmischer Vitalität und kaum noch zu steigernder Dissonanzenfülle ist.


Georg Friedrich Händel (1685-1759)
- „As pants the hart“ HWV 251c (1722). Anthem für Soli, Chor und Instrumente
- Jubilate HWV 279 (1713) für Soli, Chor und Orchester. Text nach Psalm 100

Zunächst studierte Georg Friedrich Händel auf Wunsch des Vaters Rechtswissenschaften, war daneben aber bereits Organist der Schloss- und Domkirche in Halle. Nach dem Tod seines Vaters widmete er sich ganz der Musik und ging 1703 nach Hamburg, wo die 1678 gegründete deutsche Oper in großem Ansehen stand. Dessen Direktor Reinhard Keiser nahm Händel als Violinisten in das Opernorchester auf und ließ ihn bald zum Maestro al cembalo aufrücken. Von 1707 bis 1710 war er in Italien. Hier erhielt er von Domenico Scarlatti Rat und Anregung für Opern und große Chorwerke, studierte eingehend Arcangelo Corelli und die italienische Oper. Schon berühmt, wirkte er 1710/11 in Hannover und ging dann nach England, wo er – von kurzen Auslandsreisen abgesehen – bis zu seinem Tod als Opern- und Konzertkomponist sowie als Unternehmer und Orgelvirtuose gewirkt hat.

Das Anthem „As pants the hart“ („So wie der Hirsch nach Wasser schreit“) entstand in Händels Londoner Zeit bei der Chapel Royal: Er vertonte den Psalmtext für eine Benefizveranstaltung für das King’s Theatre am Haymarket . Bis kurz vor Händels erstem Aufenthalt in England waren alle Instrumente außer der Orgel zur Begleitung der Liturgie in der Chapel Royal untersagt. So stellt das orchesterbegleitete Werk auch so etwas wie eine neue Gattung der englischen Kirchenmusik dar. Das Anthem überrascht durch seine abwechslungsreiche und eigenständige Orchesterbegleitung, die dem festlichen Chor und den nicht minder feierlichen Solosätzen den passenden Rahmen verleiht.

Der Spanische Erbfolgekrieg fand für das englische Königreich sein Ende durch die im niederländischen Utrecht ausgehandelten und am 11. April 1713 unterzeichneten Friedensverträge. Solche Siege wurden üblicherweise in Gottesdiensten gefeiert, die oftmals durch ein „Te Deum“ abgeschlossen wurden. Der Auftrag des englischen Königshauses, ein solches „Te Deum“ zur Feier des Friedensvertrages zu komponieren, ging an Händel, der zwar noch in Diensten Hannovers stand, aber bereits in London weilte. Es war der erste offizielle Auftrag, den die britische Königsfamilie an Händel vergab, und damit ein bedeutender Schritt auf der Karriereleiter für ihn. Nach den Vorbildern des „Te Deum and Jubilate“ von Henry Purcell ergänzte Händel das „Te Deum“ um ein „Jubilate“ nach dem 100. Psalm („O Be Joyful“). Der Kompositionsauftrag muss bereits während der laufenden Friedensverhandlungen erteilt worden sein, denn Händel stellte das „Utrecht Te Deum and Jubilate“ mehrere Wochen vor der Unterzeichnung des Friedensvertrages fertig. Schon am 5. März 1713 fand eine öffentliche Probe des Werkes in der St. Paul's Cathedral in London statt, d.h. über fünf Wochen vor dem Friedensschluss. Die offizielle Erstaufführung erfolgte am 7. Juli 1713 im Rahmen eines feierlichen Dankesgottesdienstes wiederum in der St. Paul's Cathedral. Besetzt ist das Werk mit sechs Solisten, gemischtem Chor, Orchester und Basso continuo. Der Chor nimmt eine dominante Rolle ein und wird zumeist fünfstimmig geführt.




17:00 Uhr Einführung in das Konzert

Heidi Rogge

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Letzte Aktualisierung: 18.11.2019 18:01 Uhr     © 2019 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn