Kölner Philharmonie

City of Birmingham Symphony Orchestra

Sheku Kanneh-Mason | Violoncello
Foto: Lars Borges
Sheku Kanneh-Mason | Violoncello
Foto: Lars Borges

Sheku Kanneh-Mason, Violoncello Mirga Grazinyte-T
Konzert - Stucky, Elgar, Benjamin, Williams

Steven Stucky (1949 - 2016)
Music for the Funeral of Queen Mary, after Purcell (1992) für sinfonisches Blasorchester

Der amerikanische Komponist Steven Stucky wurde 1949 in Hutchingson, Kansas, geboren und ist hierzulande nicht allzu bekannt geworden. Im Alter von 11 Jahren siedelte er mit seinen Eltern nach Texas über, wo er privaten Musikunterricht erhielt. 1968 studierte er Viola, Komposition und Dirigieren an der Baylor University und an der Cornell University. 1970 wurde sein Stück „Movements“ für 4 Celli uraufgeführt. In der Folge veröffentlicht Stucky ein umfangreiches kompositorisches Werk von groß-formatigen Orchesterwerken, Klavier- und Kammermusik sowie ein Oratorium. 1980 erhielt er eine Professur für Komposition an der Cornell University, die er bis 2014 ausführte. 1988 ernannte ihn André Previn zum „composer in residence“ des Los Angeles Philharmonic Orchestra. Seitdem war er auch verstärkt als Dirigent bei Orchestern in aller Welt tätig. Für das Konzert Nr. 2 für Orchester bekam er 2005 den renommierten Pulitzer-Preis verliehen. 2014 – 2 Jahre vor seinem Tod – erlebte noch Stuckys einzige Oper „The Classical Style“ ihre Uraufführung. Die „Music for the Funeral of Queen Mary“ (Trauermusik für die Königin Maria) ist ursprünglich eine dreiteilige Trauermusik des englischen Komponisten Henry Purcell aus dem Jahre 1695. Das anlässlich des Todes der Königin Maria II. von England komponierte Stück besteht aus einem Trauermarsch, drei „Funeral Sentences“ und einer Kanzone. Im Jahre 1992 nahm sich Steven Stucky das Stück vor, der selbst über sein Stück sagte: „Auf Anregung von Esa-Pekka Salonen habe ich diese Musik von Purcell für das Los Angeles Philharmonie Orchestra transkribiert. Ich habe drei der Stücke verwendet, die damals bei der Beerdigung von Queen Mary gespielt wurden (…): einen feierlichen Marsch, die Hymne „Mitten im Leben sind wir im Tod“ und eine Canzona in imitativ-polyfonem Stil. Bei der Arbeit an dem Projekt habe ich nicht versucht, eine reine musikwissenschaftliche Rekonstruktion zu erreichen, sondern im Gegenteil, Purcells Musik, die ich zutiefst liebe, durch die Linse von dreihundert dazwischenliegenden Jahren zu betrachten. Obwohl der Großteil dieser Version eine unkomplizierte, moderne Orchestrierung der Purcell-Originale ist, gibt es Momente, in denen Purcell trotzdem aus dem Fokus gerät.“ Steven Stuckys Version der „Music for the Funeral of Queen Mary” wurde am 6. Februar 1992 in Los Angeles uraufgeführt.

Edward Elgar (1857 - 1934)
Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 85 (1918–19)

Edward Elgars Cellokonzert in e-moll op. 85 war das letzte große Orchesterwerk, das Elgar schrieb: die Grausamkeiten des Ersten Weltkrieges hatten den Komponisten in eine tiefe Schaffenskrise gestürzt und als dann auch noch seine Frau schwer erkrankte, verstärkte sich seine melancholische Stimmung noch. Im Frühjahr 1919 schließlich vollendete Elgar sein Cellokonzert, das noch im selben Jahr unter seiner Leitung uraufgeführt wurde: mit mäßigem Erfolg allerdings. Erst 1965 wurde Elgars Cellokonzert mit einem Schlag bekannt: und dafür sorgte seinerzeit die erst 20jährige Cellistin Jacqueline du Pré, die Elgars Werk mit so viel Leidenschaft spielte, dass diese Einspielung mit dem „London Symphony Orchestra“ und Sir John Barbirolli bis heute einen legendären Ruf genießt. Zusammen mit anderen Stücken Elgars aus dieser Zeit spiegelt das Cellokonzert den deutlichen Umbruch wider, der sich im Stil des Komponisten gegen Ende des Ersten Weltkrieges vollzog. Aus den forschen Exerzierklängen der beiden Sinfonien und der „Pomp and Circumstance“-Märsche war ein merklich verhaltenerer, nach innen gekehrter Ausdruck geworden. Der Biograf Michael Hurd sagt, diese Musik sei „voll Traurigkeit und Bedauern“, die heroische Seite Elgars werde zum Verstummen gebracht, sie sei nur noch ein geisterhaftes Echo, von Melancholie durchzogen. Nach den Worten eines anderen Elgar-Kenners ist das Cello-Konzert „ein höchst sensibel aufgezeichnetes Dokument der Geisteshaltung des alternden Komponisten“. Auf die Frage nach der „Bedeutung“ des Werkes antwortete Elgar schlicht: „Die Einstellung eines Menschen zum Leben“. Der erste Satz hat ansatzweise Sonatenform. Er beginnt mit einem ernsten Rezitativ (Adagio, nobilmente), das schon bald zum Hauptteil (Moderato) überleitet. Das Hauptthema dieses Teils ist beschwingt; ein zweites Thema im 12/8-Takt führt zu einem Mittelteil, in dem eine Durchführung lediglich angedeutet ist. Es folgt ein kurzes, fast düster klingendes Scherzo (Lento; Allegro molto). Dieser Teil hat etwas von einer improvisatorischen Fantasie. „Einen schnellen komischen kleinen Satz“ nannte ihn Sir Donald Francis Tovey. Der langsame Satz (Adagio) umfasst nur 60 Takte, enthält jedoch die wesentlichen Stilmerkmale Elgars: Ruhe, Poesie und eine leidenschaftliche Steigerung. Das Finale (Allegro; Moderato; Allegro ma non troppo) ist ein einfallreiches Rondo, in dem bereits gehörtes Material wieder auftaucht. Es wird aber auch neues Material präsentiert, unter anderem ein verschmitztes Nebenthema mit vielen die Tonleiter abwärts führenden Fanfaren. Das Konzert schließt markant mit vier emphatischen Akkorden. Wenige Wochen nach der Uraufführung stirbt Elgars Frau Alice und nimmt – wenn man so will – seinen kreativen Funken mit ins Grab. Elgar schreibt: „Ich bin nun einsam und sehe die Musik weder auf die alte Weise, noch kann ich glauben, dass ich jemals irgendein neues Werk vollenden kann. Zwar mache ich noch Skizzen, aber es gibt keinen Anreiz mehr für mich, irgendetwas zu beenden.“ Und tatsächlich blieb das Konzert das letzte vollständig neue und abgeschlossene Werk Elgars, ein Schwanengesang also, gesungen 15 Jahre vor seinem Tod.

George Benjamin(*1960)
Ringed by the Flat Horizon (1979/80) für Orchester

Der 1960 in Großbritannien geborene George Benjamin gehört mittlerweile zu den gefragten Komponisten, die auch als Dirigent hervortreten. Er hat seit seinem Kompositionsstudium am Pariser Konservatorium bei Olivier Messiaen ein enges und intensives Verhältnis zu Frankreich. Diese enge Anbindung schlägt sich auch in seinen Kompositionen nieder, die deutlich und stark von der intensiven Auseinandersetzung mit den Werken von Claude Debussy, Olivier Messiaen und Pierre Boulez geprägt sind. Es überrascht daher nicht, dass Benjamins erstes bedeutendstes Werk „Ringed by the Flat Horizon“, seinem ehemaligen Lehrer Messiaen gewidmet ist. „Am Anfang eines Stückes weiß ich überhaupt nicht, wo ich hingehe und alles beruht auf Bauchintuition. Ich kämpfe im Dunkeln, um einen winzigen Schlüssel zu finden, der mir die Möglichkeit geben wird, die Tür des Schreibens zu öffnen." sagt Benjamin selbst über sein Komponieren. George Benjamin lebt in London und lehrt dort am Royal College of Music sowie am King’s College London. Zu seinem Werk “Ringed by the Flat Horizon” schrieb Benjamin selbst ein paar Anmerkungen: „Ein dramatisches Foto eines Gewitters über der Wüste von New Mexico und ein Auszug aus T.S. Eliots ‚The Waste Land‘ lieferten die Inspiration für dieses Stück. Ich wollte eine unheimliche Spannung darstellen, während eine Landschaft von einem riesigen Sturm überwältigt wird. Die Arbeit beginnt langsam und geheimnisvoll mit einer Abfolge von drei Texturen, die sich im gesamten Aufbau wiederholen - seltsame, weiche Glockenakkorde, ein anhaltender Halbton-Zusammenstoß und tiefes Zittern in den unteren Registern des Orchesters, die fernen Donner darstellen. Es folgen von hohen Violinen umgebene Piccolo-Soli, und eine umfassendere Entwicklung der Eröffnungsideen verwandelt den Schwung allmählich in schnellere Musik. Hier wird eine Klangfülle von Bläsern und gedämpften Trompeten, unterbrochen von hölzernen Perkussionsinstrumenten, mit leiseren, lyrischeren Cellosoli kontrastiert. Diese bauen sich mit zunehmender Intensität auf und gipfeln in einem massiven Höhepunkt, wonach die Musik langsam zum Bassregister abfällt und in einem einsamen Basstrommel-Wirbel versiegt. Es folgt eine Sequenz dunkler, bedrohlicher Akkorde für volles Orchester (ein Klang, der für das Stück völlig neu ist), durchsetzt mit Solo-Melodielinien über dem tiefen Zittern des Anfangs. Für einen Moment schwebt der ursprüngliche Halbton-Zusammenprall regungslos in der Luft; der Donner bricht schließlich in einer heftigen Explosion aus; und die Arbeit kehrt zu einer Stimmung von unwirklicher Ruhe zurück, die mit einem leisen Glockenakkord endet.“

Ralph Vaughan Williams
Fantasia on a Theme by Thomas Tallis (1910, rev. 1913, 1919) für Streichquartett und zwei Streichorchester

Ralph Vaughan Williams war englisch-walisischer Herkunft. Er entstammte einer angesehenen Anwaltsfamilie und sein Großonkel Charles war kein Geringerer als der berühmte Charles Darwin. Bereits in jungen Jahren erhielt Ralph vielfältige musikalische Eindrücke, erhielt beizeiten Musikunterricht und erlebte bereits 1890 in München seine erste Wagner-Oper. Im gleichen Jahr nahm der junge Mann ein Musikstudium am Royal College of Music auf, wo er unter anderem von Hubert Parry ausgebildet wurde. Zu seinen tiefen Eindrücken im Londoner Kulturbetrieb jener Zeit zählte die von Gustav Mahler am 15. Juni 1892 im Opernhaus Covent Garden geleitete Aufführung von Wagners „Tristan und Isolde“. Im selben Jahr ließ er sich von Charles Wood in Cambridge den letzten Schliff geben. Während seiner Studienjahre schloss er enge Freundschaft zu Gustav Holst. Eine überaus wichtige Beziehung, die für den musikalischen Reifungsprozess des jungen Vaughan Williams äußerst fruchtbar gewesen ist. Obwohl sich beider Musik stilistisch stark voneinander abhebt, lagen sie privat auf derselben Wellenlänge und ihre Freundschaft und Zusammenarbeit währte fast 40 Jahre, bis zu Holsts frühem Tod im Jahre 1934. Um Erfahrung im Komponieren zu sammeln, ging Vaughan Williams 1897 nach Berlin und nahm Privatstunden bei Max Bruch und 1908 befasste er sich in einem dreimonatigen Studium bei Maurice Ravel vornehmlich mit Orchestrierung. Um 1900 begann er sich mit der Volksmusik seiner Heimat zu beschäftigen und sammelte zwischen 1903 und 1913 über 800 Lieder und Varianten. Etwas, was zur Inspirationsquelle in zahlreichen seiner Kompositionen wurde. Im Zentrum des kompositorischen Gesamtschaffens von Ralph Vaughan Williams stehen seine sinfonischen Werke und insbesondere seine Sinfonien. Neben den Sinfonien schrieb Ralph Vaughan Williams aber auch eine Reihe wunderschöner Werke kleineren Ausmaßes, wie die herrliche Romanze für Violine und Orchester "The Lark Ascending" und ebenso die "Fantasia on a Theme by Thomas Tallis". Das Three Choirs Festival (mit den Domchören von Gloucester, Hereford und Worcester) ist unter den englischen Provinzfestspielen das älteste. Es war bereits vor 1720 ein jährliches Ereignis. Der Auftrag, ein neues Werk für die Festspiele von 1910 in Gloucester zu schreiben, eröffnete für Ralph Vaughan Williams eine neue Ära des Musizierens. Seine Antwort war die Fantasia on a Theme by Thomas Tallis. Während der beiden Jahre, die er als Musikredakteur für das English Hymnal verbracht hatte, war er mit einer großen Vielfalt von alter Kirchenmusik in Berührung gekommen. Für seine Fantasia benutze er ein Thema aus einer der neun Weisen, die Tallis (ca. 1505-1585) für den metrischen Psalter des Erzbischofs Matthew Parker geschrieben hatte. (Es sind die Begleitworte von Addison "When rising from my bed of death" [Wenn ich mich von meinem Totenbett erhebe].) Williams berücksichtigte die Größe der Kathedrale von Gloucester, als er den Effekt der geteilten Orchestergruppen und des Solo- Quartetts, die Antwort und Echo erzeugen, konzipierte. Er selbst dirigierte das London Symphony Orchestra bei der Uraufführung am 6. September 1910.

Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 20.11.2019 21:01 Uhr     © 2019 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn