Kölner Philharmonie

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Foto: Julia Baier
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen
Foto: Julia Baier

Thomas Trotter, Orgel
Konzert - Schumann, Barry, Elgar

Duncan Ward, Dirigent

Robert Schumann (1810-1856)
Ouvertüre, Scherzo und Finale op. 52 (1841; rev. 1845) für Orchester

Der in Zwickau geborene Sohn eines Buchhändlers und Verlegers trat als Zehnjähriger zum ersten Mal öffentlich als Pianist auf. Neben seinem Jurastudium wurde Schumann Klavier und Kompositionsschüler bei Friedrich Wieck, dessen künstlerisch hochbegabte Tochter Clara Wieck später gegen den Willen des Vaters seine Frau wurde. Reisen in die Schweiz und nach Italien führten Schumann mit berühmten Virtuosen seiner Zeit zusammen und festigten seinen Entschluss, nun doch die musikalische Laufbahn einzuschlagen. Die angestrebte Karriere als Pianist musste er allerdings aufgeben, da er sich durch verkehrtes Training eine Versteifung der rechten Hand zugezogen hatte. Stattdessen widmete er sich ganz der Komposition und der Musikkritik, etwa im Rahmen der 1834 von ihm mitbegründeten „Neuen Zeitschrift für Musik“. 1850 wurde Schumann als Städtischer Musikdirektor nach Düsseldorf berufen. Doch schon 1854 musste er dieses Amt wieder niederlegen, weil sich ein bereits früher aufgetretenes Nervenleiden immer stärker bemerkbar machte. Seine beiden letzten Lebensjahre verbrachte er nach einem missglückten Versuch der Selbsttötung in geistiger Umnachtung in der Nervenheilanstalt in Endenich bei Bonn. Ursprünglich plante Schumann die Komposition „Ouvertüre, Scherzo und Finale“ op. 52 als einsätzige Ouvertüre, entschloss sich dann jedoch zu einer mehrsätzigen Komposition, die in die Reihe der Sinfonien eingeordnet werden sollte. Das Ergebnis (so Clara im Mai 1841) „wissen (wir) noch nicht zu benennen –, es besteht aus Ouvertüre, Scherzo und Finale.“ Und bei diesem Arbeitstitel blieb es am Ende. „Sinfonette“, „Sinfonietta“, „Suite“ und „Sinfonie“, wie Schumann sein Werk verschiedentlich noch in der – binnen eines Monats entstandenen – Erstfassung nannte, wurden als Bezeichnungen gestrichen, fehlte doch nicht nur der für die Sinfonie typische langsame Satz. Die Komposition unterschied sich auch darin „von der Form der Sinfonie“, dass man „die einzelnen Sätze auch getrennt spielen könne“ (Schumann). Die Erstfassung, die gemeinsam mit der Erstfassung der vierten Sinfonie am 6. Dezember 1841 in Leipzig uraufgeführt wurde, stieß auf eine kühle Resonanz beim Publikum, so dass Schumann gezwungen war, beide Werke umzuarbeiten. Während er die d-Moll-Sinfonie jedoch erst zehn Jahre später revidierte, nahm er die Änderungen an „Ouvertüre, Scherzo und Finale“ bereits 1845 vor. Diese zweite Fassung wurde dann 1845 in Dresden uraufgeführt. In seiner Anlage zielt das Werk auf einen Typus, der die leichtere Seite der sinfonischen Gattung verkörpert: „Das Ganze hat einen leichten, freundlichen Charakter, ich schrieb es in recht fröhlicher Stimmung“, so Schumann selbst. Die langsame Moll-Einleitung enthält in Ansätzen bereits das gesamte Material der folgenden Sätze. An sie schließt ein Sonatenhauptsatz ohne Durchführung an, dem im gigueartigen – ursprünglich als Intermezzo geplanten – Scherzo beharrlich konstant der „Ritt-Rhythmus (...) aus dem Finalstück der Kreisleriana“ (Edler) folgt. Nur das Trio vermag sich von diesem zu befreien und weist – dies ein typisches Zeichen von Schumanns motivischer Verknüpfung – bei seinem erneuten Auftreten Reminiszenzen an das Thema der Ouvertüre auf. Das Finale überarbeitete Schumann in einer Zeit intensiver Bach-Studien, was in der kontrapunktischen Dichte, den barocken Themen und dem Anfangs-Fugato deutlich hörbar wird. Obwohl er den Unterschied zur Sinfonie in der Möglichkeit einer getrennten Aufführung der Sätze erblickte, schloss er jedoch auch hier wieder mit einer Erinnerung an den ersten Satz, die das Werk zu einem Ganzen rundet.

Gerald Barry (*1952)
Konzert für Orgel und Orchester (2018/19)

Gerald Barry wurde 1952 in Irland geboren. Nach Abschluss seines Studiums am University College Dublin ging er nach Amsterdam und später nach Köln, um dort seine Studien fortzuführen. Die Zusammenarbeit mit Karlheinz Stockhausen und Mauricio Kagel erweiterte seinen musikalischen Horizont und führte 1979 zu radikalen Ensemblestücken. Viele Werke wurden von der BBC in Auftrag gegeben, darunter „Chevaux-de-frise“ (1988) für das Ulster Orchestra bei den BBC Proms 1988. „The Conquest of Ireland“ (1996) und „Day“ (2005/14) komponierte Barry 1998 für das BBC Symphony Orchestra, „The Eternal Recurrence“ (2000), eine Nietzsche-Vertonung für Gesang und Orchester, und „Hard D“ (1995) für das Orkest de Volharding. Sein Klavierkonzert (2012), ein Auftragswerk des City of Birmingham Orchestra (CBSO) zusammen mit Musica Viva, komponierte Barry für den Pianisten Nicolas Hodges. „Canada“ (2017) für Singstimme und Orchester wurde vom CBSO und dem Tenor Allan Clayton unter Mirga Grazinyte-Tyla bei den BBC Proms uraufgeführt. Mit „God Save The Queen“ (2001) für Chor und Kammerorchester schuf Barry 2001 im Auftrag des London South Bank Centre ein Stück für die London Sinfonietta zum 50. Jubiläum der Royal Festival Hall. Für die Birmingham Contempory Music Group (BCMG) schrieb Barry „Wiener Blut“ (2000), „Dead March“ (2007) und „Beethoven“ (2008). Zu Barrys jüngeren kammermusikalischen Werken zählen das von Betty Freeman in Auftrag gegebene „Le Vieux Sourd“ (2008) für Klavier, „Feldmans Six-Penny Editions“ (2008/09) für die London Sinfonietta und das Saint Paul Chamber Orchestra sowie „No people“ (2013) für das Ensemble 7Bridges. Barrys erste Oper „The Intelligence Park“ (1981-88) war ein Auftragswerk des Institute of Contemporary Arts und wurde 1990 im Rahmen des Almeida Festivals uraufgeführt. Seine zweite Oper „The Triumph of Beauty and Deceit“ (1991) eröffnete im Auftrag von Channel 4 das Aldeburgh Festival 2002. „The Bitter Tears of Petra von Kant“ (2001-04) wurde 2005 an der English National Opera uraufgeführt. „La Plus Forte“, ein Einakter nach Strindberg, wurde von Radio France 2007 für das Présences Festival in Auftrag gegeben. Mit Barbara Hannigan tourte die Produktion durch Amsterdam, London, Dublin, Miami und Toronto. „The Importance of Being Earnest“ (2009/10), seine fünfte Oper, entstand für die Los Angeles Philharmonic und das Barbican Centre London. Die szenische Uraufführung fand 2013 an der Opéra national de Lorraine in Nancy statt. Das Werk wurde mit dem RPS Award for Large-Scale Composition ausgezeichnet. Die 2014 erschienene Aufnahme erhielt eine Grammy-Nominierung für das Jahr 2016. Barrys jüngste Oper „Alice's Adventures Under Ground“ wurde im November 2016 in Los Angeles konzertant unter der musikalischen Leitung von Thomas Adès uraufgeführt, die Titelrolle sang Barbara Hannigan. 2015 bis 2018 war Barry Composer in Residence beim RTÉ National Symphony Orchestra.
Barrys Orgelkonzert entstand 2017 als Auftragswerk und wurde im März 2018 vom City of Birmingham Symphony Orchestra unter Thomas Adès uraufgeführt. Es folgten Aufführungen mit dem London Philharmonic Orchestra und dem Raidió Teilifís Éireann National Symphony Orchestra. In einem Kommentar schreibt Barry über das originelle Werk, für das in der Besetzung auch 21 Metronome vorgesehen sind: „Das Konzert ist eine Hommage an das Harmonium, das ich als Jugendlicher spielte, an eine ganz besondere, mir bekannte Hauskatze und ihren offensichtlichen Kampf gegen die Tonalität, an alle Gemeinden weltweit, die sich wöchentlich mit dem Kirchenlied plagen sowie an mein Stück ‚Humiliated and Insulted‘. Ich betrachte Musikstücke gelegentlich als surreale und vertraute Objekte – als würde ich der Musik aus meinem ‚village harmonium greatest hits compendium‘ eines Tages in einem anderen Leben wieder begegnen, sie im Himmel hören, wenn ich gestorben bin.

Edward Elgar (1857-1934)
Variations on an Original Theme op. 36 (1899) - "Enigma-Variationen"

Sir Edward Elgar wurde 1857 als Sohn eines Musikalienhändlers in der Nähe des britischen Worcester geboren. Er war im wesentlichen Autodidakt. Die musikalischen Grundlagen schuf er sich, indem er neben dem Klavier auch die wesentlichsten Streichinstrumente und das Fagott spielen lernte. Bereits mit zwölf Jahren komponierte er. Als Dirigent einiger Amateurorchester und Chöre erwarb er früh praktische Kenntnisse. Obwohl er seine Neigung zur Komposition immer mehr vertiefte, konnte er im Alter von 30 Jahren lediglich einige kleine Erfolge verbuchen. Durch seine Eheschließung mit der künstlerisch begabten und hochintelligenten Alice Roberts erhielt Elgar die für ihn notwendigen Anregungen und Motivation. Seine Werke erlangten immer höheren Bekanntheitsgrad. Doch erst mit der Uraufführung seiner „Enigma-Variationen“ im Jahre 1899 gelang ihm der Durchbruch als anerkannter Komponist – nicht nur in Großbritannien, sondern in ganz Europa. In den letzten vierzehn Jahren seines Lebens komponierte er nicht mehr. Einem durch den ersten Weltkrieg gezeichneten England hatte er nichts mehr zu sagen. Dafür erhielt er aber zahlreiche Ehrungen, die in der Verleihung des Titels als Hofkomponist des englischen Königshauses gipfelten. Elgars Musik verkörperte endlich wieder jenen Typus arteigener englischer Musik, die lange Zeit hatte auf sich warten lassen. Zum ersten Mal seit Purcell und Händel schaffte es wieder ein Komponist, sich mit seinen Werken zum Sprecher des Volkes zu machen. Trotz der sehr persönlichen Prägung des Tonfalls seiner Musiksprache bleibt diese doch dem Vorbild der Hochromantiker verpflichtet. Elgar war bereits Anfang 40, als er an einem Oktoberabend des Jahres 1898 müde von einer Unterrichtsstunde als Geigenlehrer nach Hause kam. Nach dem Essen entspannte er sich mit einer Zigarre am Klavier, wo er ein wenig improvisierte. Als dann seine Frau rief, das wäre doch ein hübsches Thema, antwortete er, daraus könne durchaus etwas werden. In den nächsten Monaten schrieb Elgar die „Variations on an Original Theme“. Die Orchestrierung des Werkes nahm er im Februar 1899 vor. Erst später fügte er das griechische Wort „Enigma“ hinzu – Rätsel. Die „Enigma-Variationen“ sind ein Zyklus von 14 Variationen, in dem Elgar enge Freunde und Vertraute porträtiert hat. Wie ein in Noten gesetztes persönliches Skizzenbuch mutet die Partitur an: Zwischen seiner Frau in der ersten Variation und ihm selbst im Finale lässt Elgar eine ganze Reihe von Eigenheiten und Charakterzügen der ihm lieben Menschen Revue passieren: Sie erscheinen lachend, stotternd oder hektisch, Elgar fand Töne für seine Kammermusikpartner (Nr. 2, 12) und die ehemalige Bratschenschülerin Isabel Fitton (Nr. 6). Außerdem gibt es Porträts des Freundes Townshend mit der schnarrenden Stimme (Nr. 3), des energischen Edelmanns Baker (Nr. 4), des schrulligen Schriftstellersohnes Richard Arnold (Nr. 5), des ungestümen Architekten Troyte (Nr. 7), der herrschaftlichen Familie Norbury (Nr. 8), der stammelnden Freundin Dorabella (Nr. 10) und einer reisenden Lady (Nr. 13). Auch einen Hund gibt es, der ins Wasser gefallen ist und strampelnd versucht, wieder an Land zu seinem Herrchen Dr. Sinclair zu kommen (Nr. 11). Seinen Freund August Johannes Jaeger, mit dem er sich intensiv über Musik austauschte, hat er in der gewichtigen „Nimrod“-Variation (Nr. 9) verewigt. Viele Vermutungen gibt es bis heute über das Geheimnis, das sich in dem Werk verbirgt. Wer hinter den Initialen und Spitznamen der 14 Variationen steckt, wurde bald gelöst. Doch Elgar hatte noch von einem anderen verborgenen Thema gesprochen, das nicht gespielt wird und den wissenschaftlichen Suchtrupps bis heute eine harte Nuss aufgegeben hat, denn Elgar hat dieses Rätsel mit ins Grab genommen. Seither gibt es eine Fülle von Lösungsversuchen: Zunächst einmal scheint das (gespielte) Thema auf den Komponisten selbst zu verweisen, denn im Rhythmus und in der Melodieführung ahmt es den Namen ‚Edward Elgar’ nach. Aber es soll ja laut Elgars Aussagen noch ein anderes, längeres Thema geben, das aber nicht gespielt wird. Neben bekannten Melodien wie „Rule Britannia“ oder „Auld Lang Syne“ spekulierte man über die Einbettung des Namens von J.S. Bach oder ein Thema von Beethoven, Brahms oder Mozart. Es ist aber auch durchaus möglich, dass sich Elgar einen Spaß erlauben wollte, denn der Komponist hatte Freude daran, Dinge zu verschlüsseln und war fasziniert von Geheimcodes, Kryptographie und Kreuzworträtseln. Vielleicht kommt man dem Enigma des Menschen Elgar durch eine spätere Äußerung des Komponisten näher: Er sagte, dass das Thema der „Enigma-Variationen“ die „Einsamkeit des schöpferischen Künstlers“ ausdrücke. Elgar hatte nicht nur wenig Selbstbewusstsein, er war auch häufig unglücklich und sprach immer wieder davon, seinem Leben ein Ende zu machen. Doch das Lüften des Rätsels war für ihn nicht wichtig, denn „im künstlerischen oder musikalischen Sinne springt gar nichts dabei heraus, wenn man hinter das Rätsel mancher Personen kommt; der Zuhörer sollte die Musik als solche hören und sich nicht mit wie auch immer gearteten Verzwicktheiten eines ‚Programms’ belasten. Für mich waren die unterschiedlichen Persönlichkeiten eine Quelle der Inspiration und deren Idealisierung ein Vergnügen – ein Vergnügen, das sich über die Jahre noch verstärkt hat.“ Soweit Edward Elgar. Auch wenn die Liste der Lösungsvorschläge wohl noch länger werden wird, steht trotz aller Spekulationen rund um das Werk fest, dass Elgar mit diesem ersten erfolgreichen sinfonischen Meisterwerk englischer Herkunft sein Land aus dem musikalischen Dornröschen-Schlaf geweckt hat.

Heidi Rogge

DruckenSpielstätteninfo

TERMINE

Momentan können wir Ihnen leider keine Termine anbieten.

Unsere Datenbank wird durchsucht.

Merkliste

Veranstaltung

Momentan befinden sich keine Einträge in Ihrer Merkliste.

Letzte Aktualisierung: 11.11.2019 21:01 Uhr     © 2019 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn