Kölner Philharmonie

Sächsische Staatskapelle Dresden

Rudolf Buchbinder | Klavier
Foto: Marco Borggreve
Rudolf Buchbinder | Klavier
Foto: Marco Borggreve

Rudolf Buchbinder, Klavier und Leitung
Konzert


Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 C-Dur op. 15

Die fünf Klavierkonzerte Beethovens markieren eine nachhaltig wirksame Periode in der Entwicklung der Gattung auf einem Weg, der vom frühklassischen Instrumentalkonzert des 18. Jahrhunderts zum großen Virtuosenkonzert des 19. Jahrhunderts führt, bei dem der Solist dem gesamten Orchester als dominierender Antipode gegenübertritt. Dabei repräsentieren die beiden ersten Konzerte Beethovens Entwicklung zum Typus des sinfonischen Konzerts, den die Folgenden in sehr unterschiedlicher Weise entfalten und damit weit in die Zukunft vorausweisen.
Das erste Klavierkonzert entstand in den Jahren 1794/95. Es zeigt vor allem die virtuosen Fertigkeiten des Pianisten Beethoven. Jahrelang feilte er an dem Werk, bevor er es für den Druck freigab. Vieles seiner oft gerühmten Vortrags- und Improvisationskunst, die Beethoven nicht zuletzt durch jahrelange Konzerttätigkeit erworben hatte, brachte er in die Komposition ein. Ziemlich alles, was Ende des 18. Jahrhunderts an Bravour-Technik möglich war, schrieb er in den drei Sätzen des Konzertes und besonders in den verschiedenen selbstverfassten Kadenzen, jenen Stellen, an denen der Solist eigene Improvisationsarbeit zu leisten hat, nieder. Das Klavier war, zumindest in dieser Zeit, das Schlüsselinstrument des Komponisten. Welche Wirkung er mit seiner pianistischen Kunst erzielte, belegt ein Artikel der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ aus dem Jahre 1800, wo es u.a. heißt: „Es ist nicht zu leugnen, dass Herr van Beethoven ein Mann von Genie ist, der Originalität hat und durchaus seinen eigenen Weg gehet. Dazu sichert ihm seine nicht gewöhnliche Gründlichkeit in der höheren Schreibart und seine außerordentliche Gewalt auf dem Instrumente, für das er schreibt, unstreitig den Rang unter den besten Klavierkomponisten und -spielern unserer Zeit“. Die Wirkung des ersten Beethoven'schen Klavierkonzertes beruht aber nicht allein auf den virtuosen Techniken des Klavierparts, auch kompositionstechnisch strebte er hier Neuerungen an.
Der erste Satz (Allegro con brio) beginnt mit einem vom gesamten Orchester vorgetragenen marschartigem Thema, dessen Kopfmotiv als Kerngedanke die thematische Entwicklung des ersten wie die thematische Konzeption der weiteren Sätze beeinflusst. Dem Hauptthema folgt bald ein lyrisches Seitenthema, das später im Wesentlichen vom Klavier aufgegriffen und durchgeführt wird. Die frei und improvisatorisch begonnene Entwicklung des Soloinstrumentes wird immer weiter gesteigert, bis das Hauptthema schließlich in der Reprise neu erklingt.
Der zweite Satz (Largo) wirkt als Mittelachse, als Ruhepol des brillant-virtuosen Konzertes. Sein sanglich-getragenes Thema wird über mehrere Wiederholungen gesteigert, variiert und mit damals neuen Klaviereffekten versehen.
Tänzerisch-feurig und humorvoll setzt das „Rondo“ des dritten Satzes ein (Allegro scherzando). Sein Refrain-Thema geht auf eine Melodie des 15. Jahrhunderts zurück. Nach einem überraschenden, ruhigen Adagio-Teil schließt der Satz mit temperamentvollen Allegro-Takten über den scharf abgesetzten Tönen des musikalischen Kerngedankens.
Spieldauer: ca. 35 Min.

Konzert für Klavier und Orchester Nr. 5 Es-Dur op. 73

Ende Mai 1809 starb in Wien Joseph Haydn. Im selben Monat belagerten und beschossen Napoleons Truppen die Donaumetropole. Beethoven suchte im Keller Schutz und packte sich Kissen auf den Kopf, um den Kanonendonner nicht zu hören; auch der letzte Rest seiner ehemaligen Bewunderung für den Korsen verflog nun. Die Stadt kapitulierte und wurde von den Franzosen besetzt. Lebensmittelknappheit, Schwarzmarkt und Teuerung machten den Menschen zu schaffen. Ende Juli 1809 klagte Beethoven brieflich: „Wir haben ein recht zusammengedrängtes Elend erlebt, wenn ich Ihnen sage, dass ich seit dem 4. Mai wenig Zusammenhängendes auf die Welt gebracht, beinahe nur hier oder da ein Bruchstück. Der ganze Hergang der Sachen hat bei mir auf Leib und Seele gewirkt... Welch zerstörendes, wüstes Leben um mich her! Nichts als Trommeln, Kanonen, Menschenelend in aller Art!“
Die widrigen Lebensumstände mochten den Neununddreißigjährigen zwar von der schöpferischen Arbeit ablenken, aber die Entbehrungen lösten keine Depression aus. Im Gegenteil: In jenem Jahr 1809 entstand das festlich strahlende und heroisch optimistische Es-Dur-Klavierkonzert op. 73. Ein Werk, das den Eindruck erweckt, als habe Beethoven die Kriegswirren mit der Macht und der Pracht seiner Musik übertönen wollen. Kunst als Überwindung der Realität - diese Maxime gilt im Hinblick auf Beethovens grandioses fünftes und letztes Klavierkonzert jedoch nicht nur im äußerlichen, sondern auch in einem tieferen, persönlichen Sinne. Das fortschreitende Gehörleiden hatte Beethoven gezwungen, seine pianistische Laufbahn aufzugeben. Doch obwohl er wusste, dass er seine Schöpfung niemals vor Publikum spielen würde, stattete er den Klavierpart mit allem Glanz, aller Kraft und Herrlichkeit aus. Die Uraufführung überließ er dem Pianisten Friedrich Schneider, der das Werk Ende November 1811 im Gewandhaus zu Leipzig mit triumphalem Erfolg zu Gehör brachte. Erst im folgenden Februar wurde es von Beethovens Schüler Carl Czerny, einem eminenten Klavierspieler, auch in Wien vorgestellt. Das Echo war ungünstig. Theodor Körner, der spätere Freiheitsdichter, berichtete darüber kurz und bündig: „Ein neues Klavierkonzert von Beethoven fiel durch.“ Offenbar erschien es den Zuhörern und den Kritikern als zu lang. In der Tat übertrifft der erste Satz (Allegro) mit seinen 582 Takten sogar noch die ungewöhnliche Dimension des Kopfsatzes der Neunten Sinfonie (547 Takte). Mächtig emporrauschende Klavierpassagen geben dem Werk eine ganz unverwechselbare Einleitung: dabei klammert das Orchester die pompöse Solokadenz durch drei festliche Fortissimo-Akkordschläge zusammen. Dann intonieren die 1. Violinen in der klangvollen tiefen Lage das krafterfüllte, heroische Hauptthema, dessen strahlende Intensität weite Strecken des Satzes beherrscht. Pianissimo erklingt das geheimnisvoll pochende zweite Thema (in es-Moll), das aber von den Hörnern rasch nach Dur aufgehellt wird und dann mancherlei Stimmungsbereiche durchschreitet; es verwandelt sich sogar in einen schneidigen Militärmarsch. Doch immer wieder setzt sich der straffe Hauptgedanke siegreich durch. Wie schon im voraufgegangenen G-Dur-Klavierkonzert op. 58, so verbindet sich auch hier großes Virtuosentum mit einer zuvor unbekannten sinfonischen Vertiefung und Differenzierung des pianistisch-orchestralen Kräftespiels. Einen starken Kontrast zur Macht und Spannung des ersten Allegros (und auch zur Brillanz des Finales) bildet die innige Meditation des langsamen Mittelsatzes (Adagio un poco moto, H-Dur). Beethoven soll hier - laut Czernys Mitteilung - an die Choräle frommer Wallfahrer gedacht haben. Mit beseelter Inbrunst singen die Streichinstrumente eine versonnen schreitende Melodie. Zunächst scheint das Klavier improvisieren zu wollen, es umspielt und variiert das Thema zart, nimmt aber dann doch den unglaublich schönen Gesang auf. Sanft und leise verebbt der Satz. Doch ehe der letzte Ton verklingt, leitet eine kühne harmonische Wendung nach Es-Dur und damit unmittelbar in das bruchlos folgende Final-Rondo (Rondo. Allegro). Erwartungsvoll werden Dreiklangstöne langsam aufeinandergetürmt. Wirkungsvolle Gegensätze bilden ein lyrisch sich wiegendes Seitenthema und ein lebhaftes, punktiertes Motiv, das auch den Schluss des hinreißenden Satzes beherrscht.
Spieldauer: ca. 40 Min


Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 18.11.2019 21:01 Uhr     © 2019 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn