Kölner Philharmonie

Königliches Philharmonisches Orchester Stockholm

Alina Pogostkina | Violine
Foto: Felix Broede
Alina Pogostkina | Violine
Foto: Felix Broede

Konzert - Leyman, Mendelssohn Bartholdy, Elgar

Sakari Oramo, Dirigent
Alina Pogostkina, Violine

Katarina Leyman (*1963)
„Solar Flares“ (2010) für großes Orchester

Katarina Leyman wurde 1963 auf Orust geboren, der drittgrößten Insel Schwedens. Heute lebt und arbeitet sie in Stockholm. Dort hat sie auch am Royal College of Music studiert, außerdem in Boston am New England Conservatory of Music und am Berklee College of Music. Häufig arbeitet sie eng mit verschiedenen Künstlern zusammen und komponiert hauptsächlich Orchester- und Kammermusik. Oft wird sie dabei von Naturphänomenen und der Malerei inspiriert. Ihre Werke wurden in Europa, den USA, Argentinien und Russland aufgeführt, darunter bei zahlreichen Festivals wie dem Baltic Sea Festival 2010, den ISCM World New Music Days Zagreb 2011, den Nordic Music Days Reykjavik 2011, dem Brass Festival Signal i Gävle 2014, dem Saxå Chamber Music Festival 2015 und dem Sound of Stockholm 2016. Von 2012 bis 2015 war sie Composer in Residence beim Norrlandsoperan Symphony Orchestra.

Das Werk „Solar Flares“ („Sonneneruption“) für großes Orchester schrieb Katarina Leyman 2010 im Auftrag des Swedish Radio Berwaldhallen für das Baltic Sea Festival. Uraufgeführt wurde es in Stockholm am 28. August 2010 durch das Helsinki Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Esa-Pekka Salonen. Die Licht und Leben bringende Sonne inspirierte die Komponistin zu diesem etwa zehnminütigen Orchesterstück: Entstanden ist ein kraftvoll-irisierendes und energiegeladenes Werk – worauf schon die Angaben in der Partitur hinweisen: „Energico, Maestoso e jubiloso, Poco agitato”.

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64 (1838-44)

Felix Mendelssohn Bartholdy entstammte einer reichen, kulturell interessierten und engagierten jüdischen Familie. Jeder, der in Berlin oder als Besucher dieser Stadt Rang und Namen hatte, traf sich im Palais der Mendelssohns, wo die beliebten „Sonntagsmusiken“ stattfanden. Hier konnten der junge Felix und seine nicht minder begabte Schwester Fanny mit ersten Werken experimentieren. Gleichwohl jedoch sollte er zunächst Bankier werden, allenfalls Jurist. Dennoch erhielt er die beste musikalische Ausbildung, u.a. bei Karl Friedrich Zelter. Mendelssohn war ein musikalisches Wunderkind. Bereits der 16-Jährige war als Pianist, als Komponist und als Dirigent eine Berühmtheit. 1836 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig, 1843 übernahm er am neu gegründeten Leipziger Konservatorium eine Kompositionsklasse. Besonderes Ansehen genoss er jedoch als Orchestererzieher und Organisator. Er betrieb als erster eine systematische Pflege alter Musik, setzte einen Pensionsfond für die Musiker des von ihm viele Jahre geleiteten Gewandhaus-Orchesters durch und entdeckte und förderte junge Talente wie das „Geigen-Wunder“ Joseph Joachim. Durch den plötzlichen Tod seiner Schwester Fanny erschüttert, starb er 1847 in Leipzig an den Folgen eines Gehirnschlags.

Mit dem Plan eines Konzerts für den befreundeten Ferdinand David, den Konzertmeister des von ihm geleiteten Gewandhaus-Orchesters in Leipzig, hat sich Mendelssohn lange getragen; so schreibt er in einem Brief vom 30. Juni 1838 an ihn: „Ich möchte dir wohl auch ein Violin Concert machen für den nächsten Winter; eins in e-moll steckt mir im Kopfe, dessen Anfang mir keine Ruhe läßt.“ Aber erst im Spätsommer 1844 sollte das Konzert fertig werden. Über Einzelheiten im Solopart gab es noch intensiven Austausch mit Ferdinand David, bis am 13. März 1845 in Abwesenheit Mendelssohns die Uraufführung stattfand, die ein großer Erfolg wurde. Bereits am 23. Oktober 1845 wurde es, diesmal mit Mendelssohn am Pult, erneut präsentiert. Drei Wochen später, am 10. November, kam es zu einer denkwürdigen Aufführung in Dresden: In einer von Robert Schumann organisierten und von Ferdinand Hiller geleiteten Konzertreihe sollte Schumanns Klavierkonzert aufgeführt werden, doch da Clara Schumann erkrankte und Ferdinand David unabkömmlich war, schickte dieser stattdessen einen damals 14-jährigen Konservatoriumsschüler, mit dem er das Violinkonzert einstudiert hatte, nach Dresden – und mit einer bravourösen, umjubelten Leistung legte der junge Joseph Joachim den Grundstein für seine spätere Karriere. Mendelssohns Violinkonzert gehört heute zu den bekanntesten und beliebtesten Violinkonzerten in der Konzertliteratur und erfreut sich aus diesem Grund einer ungeheuren Popularität.

Mendelssohn, dem man allzu oft klassizistisches Formdenken zum Vorwurf gemacht hat, erweist sich in dem Violinkonzert als ein Komponist, der schöpferisch mit der Tradition umzugehen konnte, und dessen formale Lösungen Überkommenes und Neues zu untrennbarer Einheit zu verschmelzen vermochte. Die traditionelle Dreisätzigkeit des klassischen Solokonzertes ist zugleich beibehalten und aufgehoben. Aufgehoben zum einen dadurch, dass alle drei Sätze (I. „Allegro molto appassionato“, II. „Andante“, III. „Allegretto non troppo“) nahtlos ineinander übergehen, zum anderen dadurch, dass der langsame Mittelsatz – an Ausdehnung und Eigencharakter eher bescheiden – so fast zur ausgeführten Überleitung zum Finale wird, wobei ein knapper Einschub nochmals zugleich trennend und verbindend wirkt. Schon nach wenigen Takten wird erkennbar, in welchem Maße das Werk in formaler Hinsicht von der klassischen Tradition abweicht. Wird bei Mozart und Beethoven zu Beginn das gesamte thematische Material des Kopfsatzes in der Exposition alleine vom Orchester vorgestellt, setzt in Opus 64 die Solovioline nach einem einzigen Einleitungstakt mit einem zugleich sanglichen und energiegeladenen Hauptthema ein, das ganz von romantisch-überschwänglichem Geist erfüllt ist. Revolutionär mochte einem formbewusst hörenden Publikum ein weiteres Novum vorkommen: die auskomponierte, brillante und bis in die höchsten Lagen des Instrumentes führende Solokadenz, der Tradition gemäß am Ende des Satzes zu finden, ist an den Punkt zwischen Durchführung und Reprise verlegt worden und erscheint nicht primär als Mittel der violinistischen Selbstdarstellung, sondern als der Mittelpunkt des Satzes. Ein einziger Ton des Fagotts leitet vom „Allegro molto appassionato“, das mit einer glänzenden Stretta zu Ende gebracht wird, zum „Andante“ über, einem „Lied ohne Worte“. Den Tonfall des „Sommernachtstraums“ aus der Feder des Siebzehnjährigen schlägt das wieder unmittelbar folgende Rondo-Finale an. Titanias Elfen geistern durch eine anmutige, von Witz und Humor geprägte Musik, in der kleine Inseln des Lyrischen auftauchen, ehe sie effektvoll einem wirbelndem Schluss entgegeneilt.

Edward Elgar (1857-1934)
Sinfonie Nr. 1 As-Dur op. 55 (1907/08)

Sir Edward Elgar wurde 1857 als Sohn eines Musikalienhändlers in der Nähe des britischen Worcester geboren. An der dortigen katholischen Kirche hatte der Vater jahrelang das Amt des Organisten inne. Elgar war im wesentlichen Autodidakt. Die Grundlagen zu seiner musikalischen Ausbildung schuf er sich, indem er neben dem Klavier auch die wesentlichsten Streichinstrumente und das Fagott spielen lernte. Seine ersten Kompositionen schuf er bereits im Alter von zwölf Jahren mit kleinen Hausmusiken. Als Dirigent einiger Amateurorchester und Chöre erwarb er früh praktische Kenntnisse der Instrumentenlehre. Obwohl er seine Neigung zur Komposition immer mehr vertiefte, konnte er im Alter von 30 Jahren lediglich einige kleine Erfolge verbuchen. Durch seine Eheschließung mit der künstlerisch begabten und hochintelligenten Alice Roberts erhielt Elgar die für ihn notwendigen Anregungen und Motivation. Seine Werke erlangten immer höheren Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad. Doch erst mit der Uraufführung seiner „Enigma-Variationen“ im Jahre 1899 gelang ihm der musikalische Durchbruch als Komponist, nicht nur in Großbritannien, sondern in ganz Europa. Nach diesem Erfolg wurde Elgar mit Ehrungen geradezu überhäuft. In den letzten vierzehn Jahren seines Lebens komponierte er allerdings nicht mehr. Einem durch den Weltkrieg gezeichneten England hatte er nichts mehr zu sagen. Dafür erhielt er aber weiter zahlreiche Ehrungen, die in der Verleihung des Titels als Hofkomponist des englischen Königshauses gipfelten.

Elgars Musik verkörperte endlich wieder jenen Typus arteigener englischer Musik, die lange Zeit hatte auf sich warten lassen. Zum ersten Mal seit Purcell und Händel schaffte es ein Komponist, sich mit seinen Werken zum Sprecher des Volkes zu machen. Als repräsentativer Komponist der Epoche König Edwards erzielte Elgar noch zu Lebzeiten die nationale Anerkennung seines Eigenstils. Trotz der sehr persönlichen Prägung des Tonfalls seiner Musiksprache bleibt diese doch dem Vorbild der Hochromantiker verpflichtet. Seine erste Sinfonie schrieb Elgar 1907/08. Sie wurde am 3. Dezember 1908 in Manchester vom Hallé-Orchester unter der Leitung des Widmungsträgers Hans Richter uraufgeführt. Das Werk besticht durch Formsinn und beeindruckt ebenso durch Monumentalität. Der Kopfsatz trägt die Anweisung „Nobilmente“, die man für alle Kompositionen Elgars anwenden könnte. Der Satz ist ernst und würdig, sein ungehemmter Fluss wird durch keinerlei Einwürfe gestört. Im zweiten Satz werden die Streicher von Trommelwirbel begleitet, als künde sich ein martialischer Marsch an, aber es kommt nur zu feierlichen Melodien der Holzbläser. Der dritte Satz wirkt nostalgisch, bringt aber schöne Wendungen. Das Finale ist stürmisch erregt und endet mit triumphierenden Klängen.

Heidi Rogge

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Letzte Aktualisierung: 18.11.2019 21:01 Uhr     © 2019 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn