Kölner Philharmonie

Gürzenich-Orchester Köln

Gürzenich-Orchester Köln | Philharmonie
Foto: Holger Talinski
Gürzenich-Orchester Köln | Philharmonie
Foto: Holger Talinski

Anklang
Konzert - Liszt, Berg, Strauss

Robert Trevino, Dirigent
Alena Baeva, Violine


Franz Liszt (1811 - 1886)
»Festklänge«
Sinfonische Dichtung. Deutsche Erstaufführung der 2. Fassung, rekonstruiert von Leslie Howard (1853/60)

Die Kunstgattung der Sinfonischen Dichtung, die Vermischung „absoluter" Orchestermusik mit konkreten, bzw. literarischen Inhalten, gilt als ureigenste Erfindung Franz Liszts. Gedacht waren die Kompositionen ursprünglich als Ouvertüren zu Theateraufführungen in Weimar. Franz Liszt hat insgesamt 13 Beispiele dieser Gattung komponiert. „Festklänge“, im November 1854 in Weimar uraufgeführt, ist die siebte Sinfonische Dichtung Franz Liszts. Im Unterschied zur Bergsinfonie oder Prometheus hat dieses Orchesterwerk kein (literarisches) Programm. Liszt hat ja überhaupt alles als „sinfonische Dichtung" bezeichnet, was sich nicht mehr dem hergebrachten Formenkanon fügte. Zwar wurde das Werk als „Vorspiel" zur Aufführungen von Schillers Schauspiel „Huldigung der Künste" aufgeführt, doch hat es mit dem Stück und einer Huldigung an die Künste nichts zu tun. Wahrscheinlicher ist ein privater Hintergrund und Zweck. Liszt hoffte auf die Ehe mit der Prinzessin Caroline von Sayn-Wittgenstein (die jedoch nie zustande kam) und hat die Festklänge verschiedentlich als seine „Hochzeitsmusik" bezeichnet. Man kann aus dem Werk sogar eine persönliche Note herauslesen: mit der Polonaise im Mittelteil würdigt Liszt die polnische Herkunft der Fürstin. Formal mag interessant sein, dass der Komponist das einleitende Fanfarenthema mehrfach ohne Veränderungen der Melodie bringt, während die Harmonik wechselt. Liszt hat diese Komposition später noch einmal überarbeitet. Im Konzert heute wird die Deutsche Erstaufführung der 2. Fassung gespielt werden, die der australische Konzertpianist, Komponist und Dirigent Leslie Howard rekonstruiert hat.
Spieldauer: ca. 18 Min.

Alban Berg (1885 - 1935)
Violinkonzert »Dem Andenken eines Engels« (1935)

Im Februar 1935 wandte sich der damals weltbekannte amerikanische Geiger Louis Krasner, der durch die Oper Wozzeck und die Lyrische Suite für Streichquartett auf Berg aufmerksam geworden war, an Alban Berg und bat ihn um die Komposition eines Violinkonzerts. Berg, der zu dieser Zeit als „entarteter Künstler“ galt und in Deutschland nicht mehr aufgeführt wurde, konnte das Komponistenhonorar dringend brauchen. Eigentlich war er noch mit der Instrumentation an der Oper Lulu beschäftigt, aber durch ein trauriges Erlebnis bekam er einen entscheidenden Schaffensimpuls zu seinem neuen Auftrag. Die 19jährige Manon Gropius, die Tochter von Alma Mahler-Werfel aus ihrer Ehe mit Walter Gropius, starb am Ostermontag, dem 22. April. Berg, der mit Alma und Franz Werfel eng befreundet war, schrieb an Alma, dass er brieflich nicht versuchen wolle, „dort Worte zu finden, wo die Sprache versagt...Aber dennoch: eines Tages - noch bevor dieses fürchterliche Jahr zu Ende sein wird - mag Dir und Franz aus einer Partitur, die dem Andenken eines Engels geweiht sein wird, das erklingen, was ich fühle und wofür ich heute keinen Ausdruck finden werde“. Berg wollte das Konzert Alma zu ihrem 56. Geburtstag am 31. August schenken, daher arbeitete er in einem für ihn sehr ungewöhnlich schnellem Tempo an der Komposition; sein Geschenk wurde innerhalb von vier Monaten fertiggestellt. Das Violinkonzert hatte also im Grunde drei Widmungsträger: Louis Krasner, Manon Gropius und Alma Mahler-Werfel. Die Zwölftonreihe, eine „glückliche Reihe“, wie Berg selbst sie bezeichnete, ist die Keimzelle der wichtigsten musikalischen Gedanken des Konzerts. Sie besteht aus vier Dreiklängen und drei Ganztonschritten. So ergibt der Grundton der einzelnen Dreiklänge die Töne der vier leeren Violinsaiten und auch zwei im Konzert angelegte Zitate, eine Kärntner Volksweise „Ein Vogerl auf dem Zwetschgenbaum“ und der Choral „Es ist genug“, aus der Kantate „O Ewigkeit, du Donnerwort“, von Johann Sebastian Bach, sind bereits im Ausgangsmaterial der Zwölftonreihe vorhanden. Das zweisätzige Werk beginnt mit einem dreiteiligen „Andante“. In der Introduktion spielt die Solovioline abwechselnd mit Harfe und Klarinetten ein Quintenmotiv, der Saitenstimmung der Violine entsprechend. Wie ein Leitmotiv hält dieser Klang die mystische, traumartige Grundstimmung des Konzerts fest. Der zweite Teil des ersten Satzes, das „Allegretto“, lässt mit Spielanweisungen wie „rustico“ oder der „Kärntner Volksweise“ eine heitere, mal sentimental gemütliche, und wieder tänzerische, fröhliche Welt entstehen. Der 2. Satz (Allegro, ma sempre rubato, frei wie eine Kadenz – Adagio) ist eine Musik des Sterbens und der Verklärung. Während sich die beiden ersten Teile des ersten Satzes eher kontrastierend zueinander verhalten, steht das Allegro wie eine Einleitung zum Hauptteil, dem Adagio. Mit einem bedrohlichen Sforzato des ganzen Orchesters wird zu Beginn die unbeschwerte vorherige Stimmung zerstört. In einer extrem virtuos auskomponierten Kadenz versucht sich der Solist gegen einen immer wiederkehrenden Rhythmus „Alla marcia“ des Orchesters durchzusetzen. Der Kampf endet in einem von Berg als „Höhepunkt“ überschriebenen Einsatz aller Stimmen im dreifachen Forte. Stockend bringt die Solovioline wie „Hilferufe“ die Ganztonschritte des Initiums „Es ist genug“ des Bach-Chorals hervor. Der nun im Adagio einsetzende Choral wird als Erlösung nach dem Todeskampf empfunden. Das Konzert verklingt mit der Quint-Figur der Introduktion, die aus den tiefsten Tönen des Kontrabasses über Violoncello, Viola und Violine bis in die höchsten Töne der Solovioline aufsteigt und „wie aus der Ferne“ – so lautet die Vortragsbezeichnung, auf dem extrem hohen viergestrichenen „g“ liegenbleibt. Berg konnte sein letztes Werk nicht mehr hören. Wenige Wochen nach der Vollendung zog er sich durch einen Insektenstich eine Infektion zu und starb vier Monate später am Heiligabend 1935. Die Uraufführung fand am 19. April 1936 in Barcelona mit dem Solisten Louis Krasner unter Hermann Scherchen statt.
Spieldauer: ca. 26 Min.

Richard Strauss (1864 - 1949)
Sinfonia domestica (1902/03)

Nach dem heroischen Selbstporträt des „Heldenleben“ fühlte sich Strauss zu einem Werk gedrängt, das der Schilderung seines Familienlebens gewidmet war. „Meine nächste Tondichtung wird einen Tag in meiner Familie darstellen. Sie wird teils lyrisch, teils humorvoll sein – eine Tripelfuge wird den Papa, die Mama und das Baby zusammenbringen“, so kündigte Strauss dieses Werk vor seiner Veröffentlichung in der Presse an. Jedoch gab die Kennzeichnung „humorvoll“ zu Missverständnissen Anlass, so dass der Komponist die ergänzende Feststellung für erforderlich hielt, er habe „nicht spaßig“ sein wollen, als er die „Sinfonia domestica“ schrieb. „Was kann denn auch ernsthafter sein als das eheliche Leben? Ich will, dass die Sinfonie ernsthaft aufgefasst wird.“ So schildert er denn in diesem einsätzigen Werk, das allerdings in vier Abschnitte eingeteilt ist, mit feierlicher Ernsthaftigkeit die Liebe der Mutter zu ihrem Kind und das Glück der Eheleute. Zwischendurch geht es allerdings auch recht vergnüglich zu, vor allem etwa bei einem „lustigen Streit“, den die beiden Eheleute in Form einer technisch brillant durchkomponierten Doppelfuge inszenieren. Das Programm ist schlicht: Nach der Vorstellung der Familie sind die Eltern mit ihrem Kind allein. Dieser Abschnitt enthält Programmhinweise, die dann allerdings in der gedruckten Partitur getilgt sind: „Elternglück“, „Kindliche Spiele“, „Wiegenlied“ und „Die Glocke schlägt sieben Uhr abends“. Der dritte Abschnitt präsentiert sich als ein dreiteiliges Adagio, das zunächst „Schaffen und Schauen“ des Mannes schildert. Eine „Liebesszene“ geht in „Träume und Sorgen“ über, die natürlich dem Kind gelten. „Die Glocke schlägt sieben Uhr morgens“. Dem „Erwachen“ folgt der bereits erwähnte fröhliche Ehe-“Streit“, der – wie es sich gehört – mit einer „Versöhnung“ endet. Den Abschluss der turbulenten Familienszene bildet ein „fröhlicher Beschluss“. Zur Schlichtheit dieses Programms bildet die Monumentalität der Ausführung einen starken Kontrast. Die häusliche und familiäre Idylle beschäftigt im Original ein Orchester von mehr als hundert Musikern. Strauss verlangt vierfach besetzte Holzbläser, vier Saxofone und acht Hörner. Ungewöhnlich sind auch die Umstände der Uraufführung dieses Werkes. 1904 unternahm Strauss mit seiner Frau eine große Konzertreise durch Nordamerika. Dabei bildete die „Sinfonia domestica“ das Zentrum eines Strauss-Festes in New York. Mehr Aufsehen als die Uraufführung selbst, die am 21. März 1904 in der berühmten Carnegie Hall stattfand, erregten jedoch zwei Wiederholungen in einem riesigen Warenhaus New Yorks. Den ganzen ersten Stock des Kaufhauses hatte man eigens zu diesem Zweck als Konzertsaal hergerichtet. Deutschen Kritikern dieses Spektakels hielt Strauss entgegen: „Wahre Kunst adelt jeden Saal, und anständiger Gelderwerb für Frau und Kind schändet nicht einmal einen Künstler.“
Spieldauer: ca. 43 Min.
Christoph Prasser

DruckenSpielstätteninfo

TERMINE

Momentan können wir Ihnen leider keine Termine anbieten.

Unsere Datenbank wird durchsucht.

Merkliste

Veranstaltung

Momentan befinden sich keine Einträge in Ihrer Merkliste.

Letzte Aktualisierung: 06.06.2020 21:01 Uhr     © 2020 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn