Kölner Philharmonie

Kölner Kammerorchester

Christoph Poppen - Dirigent
Foto: Künstleragentur
Christoph Poppen - Dirigent
Foto: Künstleragentur

Tief empfunden
Konzert - Mozart

Christoph Poppen, Dirigent

Carolina Ullrich, Sopran
Marie Henriette Reinhold, Mezzosopran
Angelo Pollak, Tenor
Konstantin Krimmel, Bass

Knaben des Kölner Domchores
Vokalensemble Kölner Dom
Eberhard Metternich, Einstudierung



Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)

Missa brevis C-Dur KV 220 »Spatzenmesse«
für Soli, Chor und Orchester

Die Feier der Heiligen Messe unterliegt wie alle Riten einem festen Ablauf (Ordo Missae). Dieser umfasst neben den immer gleich bleibenden Texten des Ordinariums (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus/Benedictus, Agnus Dei) auch das sogenannte Proprium, die Eigentexte der jeweiligen (Feier)Tage wie z.B. den Introitus (Eingangsvers), verschiedene Vorstehergebete, den Gesang zur Kommunion etc. Da die meisten Würdenträger der Kirche zu dieser Zeit auch immer weltliche Macht innehatten, war Musik im Gottesdienst auch immer repräsentatives Zeichen des Einflusses und Reichtums des jeweiligen Dienstherrn. So entwickelte sich ein für die Musik sehr fruchtbarer Wettstreit, der zu einer raschen Ausweitung des Repertoires und der künstlerischen Mittel führte. Daraus entstanden später verschiedene Formen der musikalischen Messe: einerseits die Missa brevis („Kurze Messe“ für „normale“ Gottesdienste, sparsam in der Wahl der musikalischen Mittel) und die Missa solemnis („Feierliche Messe“). In der Musikgeschichte wird der Begriff Missa solemnis normalerweise für eine besonders festliche und umfangreiche Vertonung mit entsprechender Besetzung des Ordinariums der heiligen Messe, also der feststehenden Teile der Liturgie, benutzt: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei, die in der Regel weiter in Einzelsätze unterteilt sind. Messen dieses Typs kamen Mitte des 17. Jahrhunderts in Italien auf und verbreiteten sich ab dem 18. Jahrhundert auch nördlich der Alpen. Der Missa solemnis steht die genannte Form der Missa brevis gegenüber, bei der der gesamte Ordinariumstext in einer musikalisch einfacheren Form vertont wird.
Wolfgang Amadeus Mozart wurde 1772 im Alter von nur 16 Jahren zum besoldeten Konzertmeister am Hof des neuen Salzburger Fürsterzbischofs Hieronymus von Colloredo bestellt. 1777 wechselte er in das Amt des Hoforganisten über und hatte dieses bis 1781 inne. Erzbischof Colloredo machte seinen Hofkomponisten – zu denen auch Mozart zählte – zur Auflage, dass ein vollständiges Hochamt auf keinen Fall länger als 45 Minuten dauern dürfe. Mozart hat sich dieser Einschränkung auf seiner Weise angenommen, in dem er aus den beiden Formen Missa brevis und der Missa solemnis eine eigene Form kreierte: die Form der „Missa brevis et solemnis“ (der kurzen und feierlichen Messe) die sich von den großen Messvertonungen wie z.B. der Krönungs- oder der c-Moll-Messe durch einen weitgehenden Verzicht auf ariose Formen oder Kontrapunkt auszeichnet und trotzdem deren klangliche Opulenz (Oboen, Trompeten, Pauken) aufweist.
Die heute zur Aufführung kommende Missa C-Dur KV 220 ist eine solche „Missa brevis et solemnis“. Durch die Instrumentation mit Trompeten und Pauken gewinnt sie einen festlichen Charakter und zählt so zum Typus der „Missa brevis et solemnis“: einerseits knapp disponiert – mit 360 Takten ist sie eine der kürzesten Messen Mozarts überhaupt – andererseits festlich besetzt wie eine Missa solemnis. Mozart vernachlässigt die Kontrapunktik zugunsten homophoner Chordeklamation. Enstanden ist sie vermutlich für den Ostersonntag des Jahres 1776. Ihren Namen verdankt die Messe den an Vogelgezwitscher erinnernden Vorschlagsfiguren der Violinen im „Hosanna“ des „Sanctus“ und „Benedictus“. Vom Charakter her wirkt Mozarts „Missa in C” nahezu volkstümlich – dies zeigt sich in den einprägsamen Themen wie auch in der relativ einfach gestalteten musikalischen Struktur. Der Musikwissenschaftler Alfred Einstein charakterisiert die Messe als „allzu salzburgerisch”. Auf ausgedehnte Solosätze verzichtet Mozart weitgehend – in erster Linie sind es kurze Einwürfe in das hauptsächlich vom Chor bestimmte musikalische Geschehen. Arien fehlen völlig, auch wenn das Benedictus eindeutig vom Solosopran dominiert wird, während die drei anderen Solostimmen lediglich begleiten.
Spieldauer: ca. 17 Min

»Exsultate, jubilate« KV 165 (158a)
Motette für Sopran und Orchester

Im Oktober 1722 war Mozart mit seinem Vater nach Mailand gereist, um der italienischen Premiere des „Lucio Silla“ beizuwohnen. Für den Kastraten Venanzio Rauzzini, der bei der Uraufführung den Cecilio gesungen hatte, komponierte Wolfgang in den folgenden Wochen „Exsultate, jubilate“, ein Stück voll empfindsamer Virtuosität. Anlässlich der Motette schreibt Mozart an seine Schwester: „Ich habe den primo eine homo motetten machen welche müssen morgen bey Theatinern prodiciert wird.“ Im Klartext: für den „Primo Uomo“, den Kastraten Rauzzini, der bei der Uraufführung des „Lucio Silla“ mitgewirkt hatte, komponierte Mozart eine Motette, gemäß traditioneller Konzeption „eine lateinische geistliche Solocantate, welche aus zwoen Arien und zweyen Recitativen besteht, und sich mit einem Halleluja schließt.“ Mozarts Werk ist ganz auf den berühmten Sänger und seine enorme Virtuosität ausgerichtet. Die Komposition verkörpert den Typ der geistlichen Solomotette. Bei den Texten dieses Genre handelt es sich meist um lateinische Neudichtungen, in denen sich Bukolisches, Allegorisches und Geistliches miteinander verbindet. Die beiden ersten Arien, zwischen denen ein nur vom Generalbaß begleitetes Rezitativ steht, folgen dem zweiteiligen Formverlauf, wie er in Kirchenarien häufig anzutreffen ist. Unter Verzicht auf ein weiteres Rezitativ leitet die mittlere Arie dann unmittelbar in das brillante Schluss“Alleluja“ über. 1773 wurde das Werk, dessen Textdichter anonym blieb, in der Theatiner-Kirche zu Mailand aus der Taufe gehoben.
Spieldauer: ca. 16 Min.

Missa solemnis C-Dur KV 337
für Soli, Chor und Orchester

Eines der bekanntesten Kirchenwerke Mozarts – neben seinem Requiem – ist die Messe in C-Dur KV 337, die im Jahre 1780 komponiert wurde und meistens im Schatten der ein Jahr zuvor komponierten sogenannten Krönungsmesse KV 317 steht. Es handelt sich dabei um Mozarts letzte vollständige Messvertonung. Der erst später hinzugefügte Beiname „solemnis“ (Missa solemnis bedeutet übersetzt „feierliche Messe“, siehe oben) ist insofern bemerkenswert, als die Messe von der Anlage her eher knapp konzipiert ist. Das prototypische Modell einer voll entwickelten Missa solemnis des 18. Jahrhunderts umfasst hingegen zumeist die Messteile „Kyrie“, Gloria, Credo, Sanctus (mit Hosanna und Benedictus) und Agnus Dei, an die sich auch Mozart hier hält. In der Missa C-Dur folgt nach einem langsamen Kyrie das durch Paukenschläge wuchtig wirkende Gloria, das an das Sonatensatzschema angelehnt und durch mehrere Soli der Sopran- und Tenorstimme geprägt ist. Während des Credos beruhigt sich die Stimmung durch den Einsatz des Soprans wieder; formal folgt dieser Teil dem Ritornellprinzip. Das Benedictus ist als Fuge angelegt. Das abschließende Agnus Dei fängt mit einem arienhaften, sehr ausgeschmückten Solopart des Soprans an und endet mit einem Allegro assai. Charakteristisch für das Werk ist das streng kontrapunktisch komponierte „Benedictus“, das einen starken Kontrast zum „Agnus Dei“ bildet: dort ist die Orgel solistisch eingesetzt und formt im Wechsel mit den konzertierenden Bläsern einen Rahmen für den koloraturenreichen Solo-Sopran.
Spieldauer: ca. 25 Min.
Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 07.07.2020 21:01 Uhr     © 2020 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn