Kölner Philharmonie

Staatskapelle Weimar

Staatskapelle Weimar
Foto: Staatskapelle Weimar
Staatskapelle Weimar
Foto: Staatskapelle Weimar

Beethovens Neunte zur Eröffnung des Beethoven-Jahr
Konzert - Beethoven

Michael Sanderling, Dirigent

Aga Mikolaj (Sopran)
Sayaka Shigeshima (Alt)
Corby Welch (Tenor)
Uwe Schenker-Primus (Bariton)
Solisten des Deutschen Nationaltheaters Weimar
Mitglieder der Chöre am Kölner Dom
Eberhard Metternich, Einstudierung


Ludwig van Beethoven (1770-1827)
Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 (1822-24) für vier Solostimmen, Chor und Orchester mit Schlusschor über Friedrich Schillers Ode „An die Freude“

Ludwig van Beethoven wurde am 16. Dezember 1770 in Bonn geboren. Er stammte aus einer aus dem Flämischen eingewanderten Musikerfamilie und wurde sehr früh zunächst vom Vater musikalisch ausgebildet, später dann von Christian Gottlob Neefe (ab 1782). Sein erstes öffentliches Konzert gab er – wie Mozart als „Wunderkind“ angepriesen – 1778 in einem Kölner Akademiekonzert, ab 1783 veröffentlichte er erste Werke und arbeitete als Organist und Cembalist bei der Bonner Hofkapelle. 1787 begegnete er Mozart während eines Aufenthaltes in Wien, wohin Beethoven auch 1792 übersiedelte. Seit 1793 nahm er u.a. Unterricht bei Joseph Haydn. Parallel zu seinem steigenden Ruhm stellte sich ab 1798 ein rasch wachsendes Gehörleiden ein, welches 1819 zur völligen Ertaubung führte. Er starb am 26. März 1827 in Wien.

1821 meldete die „Allgemeine Musikalische Zeitung“ ihren Lesern: „Beethoven beschäftigt sich, wie einst Haydn, mit Motiven schottischer Lieder; für größere Arbeiten scheint er gänzlich abgestumpft zu seyn.“ Diese Nachricht entsprach der Stimmungslage, denn dass sich Beethoven „ausgeschrieben“ habe, war die allgemein vorherrschende Meinung. Auf seine Umgebung wirkte Beethoven vor der Zeit gealtert, ja sogar heruntergekommen und so verwahrlost, dass ihn die Polizei an einem Abend in der Wiener Neustadt für einen Landstreicher gehalten und verhaftet hatte. 1815 war er das letzte Mal öffentlich als Pianist aufgetreten, doch mit dem fortschreitenden Gehörleiden war an eine bestimmende, aktive Rolle auf den Konzertpodien nicht mehr zu denken. Tatsächlich arbeitete Beethoven damals durchaus an „größeren“, um nicht zu sagen größten Werken: an den „Diabelli-Variationen“ op. 120 für Klavier und der „Missa solemnis“ op. 123, nachdem er im Herbst 1818 bereits die ebenfalls alles andere als geringfügige „Hammerklavier-Sonate“ in B-Dur op. 106 vollendet hatte. Und seit längerer Zeit kreisten seine Gedanken überdies um das Projekt zweier neuer Sinfonien.

Auf einem Skizzenblatt vom März/April 1818 umreißt der Komponist seine Ideen zu einer Sinfonie: „Wo alsdenn im letzten Stück oder schon im Adagio die Singstimmen eintreten (...). Oder das Adagio wird auf gewisse Weise im letzten Stücke wiederholt, wobei alsdenn erst die Singstimmen nach und nach eintreten.“ Nicht vor 1822 gelangte Beethoven wirklich zu jenem Anfang, vor dem es ihm gegraut hatte. Aber bald standen die Entwürfe für den ersten Satz und die „Allgemeine Musikalische Zeitung“ konnte im Januar 1823 folglich berichten: „Gegenwärtig soll er sich mit der Composition einer neuen Sinfonie beschäftigen.“ In den nächsten Monaten widmete sich Beethoven mit zielstrebiger Konsequenz seiner Sinfonie Nr. 9: „Bin ich drin: da geht's wohl.“ Im März 1824 beendete er die Komposition. Obgleich die neunte Sinfonie im Auftrag der Londoner Philharmonic Society entstand, erlebte sie nicht in England ihre Premiere, sondern in Wien: am 7. Mai 1824 im „K. K. Hoftheater nächst dem Kärnthnerthore“. Die musikalische Direktion lag zwar in den Händen des Kapellmeisters Michael Umlauf, doch agierte Beethoven gleichzeitig als eine Art Nebendirigent. Der Anschlagzettel formulierte es diplomatisch: „Herr Ludwig van Beethoven selbst, wird an der Leitung des Ganzen Antheil nehmen.“

Ein Mitwirkender jenes Konzertes, der Geiger Joseph Michael Böhm, erinnerte sich, dass die Blicke der Orchestermusiker jedoch ganz auf Michael Umlauf konzentriert waren, während Beethoven daneben „wie ein Wahnsinniger“ gestikuliert habe: „Bald streckte er sich hoch empor, bald kauerte er bis zur Erde, er schlug mit Händen und Füßen herum, als wollte er allein die sämtlichen Instrumente spielen, den ganzen Chor singen (...). Beethoven war so aufgeregt, daß er nichts sah, was um ihn vorging, daß er auf den Beifallssturm, den er freilich bei seiner Gehörschwäche kaum hören konnte, auch nicht einmal achtete. – Man mußte es ihm immer sagen, wenn es an der Zeit war, dem Publikum für den gespendeten Beifall zu danken, was Beethoven in linkischer Weise that. – Beethoven feierte einen großartigen Triumph.“ Die Sinfonie Nr. 9 wurde nach ihrer Uraufführung von den Zeitgenossen als unerhört neu empfunden, wobei allerdings die Meinungen über die Rechtmäßigkeit der ungewöhnlichen Originalität, mit der Beethoven da aufwartete, weit auseinandergingen. Seitdem ist dieses Werk immer wieder in den Sog der Deutungen und Spekulationen geraten, die vor allem die Einbeziehung des Vokalen in das Instrumentalwerk betrafen. Mit Sicherheit bildet aber die neunte Sinfonie einen entscheidenden Markstein auf dem Weg zur Ideen- und Programm-Musik im 19. Jahrhundert, zu einer Ästhetik, deren Kernproblem die Verbindung von Wort und Ton, von Sprache und Musik ist.

Der erste Satz der Sinfonie beginnt mit leeren Quinten, die nach Wagner die „Welt ohne Freude“ symbolisieren. Daraus entwickelt sich das weitgespannte Hauptthema, nimmt den Kampf gegen die bedrückte Stimmung auf, dringt aber nicht durch. Ein zweites Thema erleidet das gleiche Schicksal, es bringt in die Durchführung auch keine Aufhellung, vielmehr wird die harte Auseinandersetzung in die Reprise getragen. Erst in der Coda wird das Thema in Dur transponiert. Es kommt aber zu keinem sieghaften Ende. Der zweite Satz ist ein Scherzo im großen Format, obwohl es von Beethoven nicht ausdrücklich so bezeichnet wird. Ein derbes Tanzthema wird mehrmals von einer besinnlichen Melodie unterbrochen, aber das sprunghafte zweite Thema reißt die Aufmerksamkeit an sich. Der Mittelteil bringt eine fröhliche Tanzmelodie. Dann kommt es im Schlussteil zu einer kunstvoll kontrapunktischen Verarbeitung beider Themen. In die „Welt ohne Freude“ kehrt die schlichte Weise des Mittelteils, hymnisch erhoben, ein. Im dritten Satz deuten zwei kantable Themen den Frieden der Welt an, den die Menschen ersehnen, gleichsam als Ziel, um das in den beiden vorangegangenen Sätzen gekämpft wurde. Doch dieser erträumte Sieg des Guten genügt nicht, der Komponist bleibt nicht dabei, zu den Menschen zu sprechen, sondern lässt eben im vierten Satz Singstimmen selbst daran teilnehmen, nachdem er sie mittels eines Baritonrezitativs aufgefordert hat. Die Sinfonie wird zur Kantate, die Kantate zur grandiosen Hymne der Menschheitsverbrüderung. Textgrundlage bilden Ausschnitte aus Schillers Ode „An die Freude“.



Heidi Rogge

DruckenSpielstätteninfo

TERMINE

Momentan können wir Ihnen leider keine Termine anbieten.

Unsere Datenbank wird durchsucht.

Merkliste

Veranstaltung

Momentan befinden sich keine Einträge in Ihrer Merkliste.

Letzte Aktualisierung: 08.08.2020 10:01 Uhr     © 2020 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn