Kölner Philharmonie

Philharmonisches Kammerorchester Dresden

Wolfgang Hentrich | Violine
Foto: Marco Borggreve
Wolfgang Hentrich | Violine
Foto: Marco Borggreve

Mozart trifft auf Griegs furiose Streicher-Tanzsät
Konzert - Mozart, Grieg

Wolfgang Hentrich, Violine und Leitung

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791)
Violinkonzert Nr. 3 G-Dur KV 216

Unter den fünf Konzerten, die der junge Mozart als Konzertmeister der Salzburgischen Hofkapelle zwischen April und Dezember 1775 für die Violine komponierte, gelten das vierte in D-Dur (KV 218) und das fünfte in A-Dur (KV 219) unbestritten als Meisterwerke. Zudem tragen sie das Zeichen des Endgültigen, weil Mozart danach keine weiteren Violinkonzerte mehr schrieb. Doch auch das heute Abend zu hörende dritte Konzert gehört zu den besten Werken der Gattung Violinkonzert, hat seine Entstehungszeit überdauert und ist im Konzertrepertoire lebendig geblieben.
Der Kopfsatz des Konzertes (Allegro) ist der formalen Anlage nach dreiteilig. Er beginnt, wie dies für die Solokonzerte der Zeit üblich ist, mit einem Tutti-Abschnitt, der die Funktion einer Einleitung hat. An die Präsentation des Themas schließt sich eine Reihe kleiner Motive an. Während das Soloinstrument immer wieder von diesen „motivischen Bausteinen“ abschweift, führt das Orchester immer wieder zu ihnen zurück. Im Mittelteil des Satzes entwickelt sich ein richtiges Zwiegespräch zwischen Solovioline und Orchester. Die Violine greift die Anregungen des Orchesters auf oder setzt sie fort. Das Orchester unterbricht die Violine, wenn diese selbstbewusst ein neues Thema vorträgt. Schließlich finden Soloinstrument und Orchester wieder zum gemeinsamen Hauptthema zusammen. Damit beginnt mit dem Schlussteil des Satzes die motivisch im wesentlichen unveränderte, aber stark verkürzte Reprise der Einleitung. Bewusst einfach hat Mozart den zweiten Satz (Adagio) gehalten. Meist beschränkt sich das Orchester auf eine dezente Begleitung des Soloinstruments, das in Melodien schwelgt, die bei aller Einfachheit der Satzart doch immer auch die einzigartige Qualität Mozarts erkennen lassen.
Der Schlusssatz (Allegro) in Form eines Rondos trägt ausgesprochen humoristische Züge. Auf das aus zweimal acht Takten bestehende Thema, vom kompletten Orchester vorgetragen, folgt nach einem weiteren Tutti-Abschnitt der längst überfällige Einsatz der Solovioline. Nach der Wiederholung des Themas erwartet man eigentlich eine weitere Episode. Statt dessen wechseln Takt, Tempo und Stimmung. Es erklingt ein serenadenartiges Andante in g-Moll. Doch dieses verstummt bald, und an seine Stelle tritt ein übermütiger „Gassenhauer“. Nach diesem übermütigen Intermezzo folgt wieder der Übergang zum anfänglichen Rondo. Der Abschluss des Satzes erscheint dann fast etwas hastig und überstürzt.
Spieldauer: ca. 20 Min.

Edvard Grieg (1843 - 1907)
Fra Holbergs tid (Aus Holbergs Zeit) op. 40
Suite im alten Stil für Streichorchester

Edvard Hegerup Grieg wurde 1843 in Bergen (Norwegen) geboren. Nach häuslichem Unterricht ging er 1858 an das Leipziger Konservatorium, wo er Klavierspiel, Musiktheorie und Komposition studierte. Später setzte er sein Studium in Kopenhagen fort, fand aber auch dort nicht, was er unausgesprochen und unbestimmt suchte. Dies wurde ihm erst klar, als er in seiner Heimat mit Rikard Nordråk in Verbindung kam. „Erst durch ihn lernte ich die norwegischen Volksweisen und meine eigene Natur. Wir verschworen uns gegen den Mendelssohn-verweichlichten Skandinavismus und schlugen mit Begeisterung neue Wege ein.“ Diese Aussage versteht man besser, wenn man weiß, dass die Begründer einer eigenständigen Musik in den skandinavischen Ländern zum Teil aus Deutschland kamen, oder unter dem Einfluss deutscher Meister standen, in erster Linie eben der beiden Romantiker Felix Mendelssohn-Bartholdy und Robert Schumann. Später bereiste Grieg noch Rom und lernte auch Franz Liszt kennen. Henrik Ibsen, der auf literarischem Gebiet die gleichen Wege beschritt, wurde sein Freund und bescherte uns so die zwei wundervollen Peer Gynt-Suiten, die Grieg heute weltweit populär halten. Diese Suiten, und vor allem sein einziges Klavierkonzert, gehören zu seinen bekanntesten Werken.
Aber auch die heute zur Aufführung kommende Suite „Aus Holbergs Zeit“ gehört zu den bekannten und beliebten Werken des norwegischen Komponisten. Obwohl die beiden Peer-Gynt-Suiten Griegs bekannter sind als die Holberg-Suite, halten viele Musikkritiker die Werke für gleichwertig. Die Komposition besteht aus fünf Sätzen, die Grieg ursprünglich als Klaviermusik komponierte, die er aber später selbst für Streichorchester einrichtete. In dieser letzten Fassung ist das Werk auch bekannt geworden. Das Werk entstand anlässlich des 200. Geburtstags des dänisch-norwegischen Dichters Ludvig Holberg im Jahr 1884. Grieg komponierte die Suite im „alten Stil“, das heißt, die Sätze sind den Tanz- und Liedformen des frühen 18. Jahrhunderts nachempfunden, also der Zeit von Holberg. Die Satzfolge lautet: I. Präludium (Allegro vivace); II. Sarabande (Andante); III. Gavotte (Allegretto); IV. Air (Andante religioso); V. Rigaudon (Allegro con brio). Von fröhlicher Stimmung geprägt sind der Eröffnungssatz, die „Gavotte“ des 3. Satzes und der Rigaudon, ein provenzalischer Sing- und Spieltanz im 5. Satz. In den beiden Ecksätzen dominieren „barocke“ Achtel- und Sechzehntelbewegungen, die nach Art von Georg Friedrich Händel in breiten Vierteln enden. Griegs eigene Tonsprache kommt besonders in den ruhigen Sätzen „Sarabande“ (2. Satz) und „Air“ (4. Satz) zum Vorschein, beispielsweise durch die chromatischen Fortschreitungen in den Mittelstimmen der Sarabande. Die ruhige „Air“ hingegen strahlt einen sehr festlichen Charakter aus.
Spieldauer: ca. 20 Min.

Wolfgang Amadeus Mozart
Große g-Moll-Sinfonie KV 550 (1788)

Mozart hat in seinem Leben an die 60 Sinfonien geschrieben (einige davon sind aber nicht mehr oder nur fragmentarisch erhalten), von denen viele allerdings Gelegenheitsarbeiten darstellen und im Stil den älteren Serenaden, Suiten und Ouvertüren nahe stehen. 41 dieser Sinfonien sind für das Konzertwesen erhalten geblieben. Vor allem die letzten zehn sind fester Bestandteil der Konzertprogramme, wobei den 1788 innerhalb zweier Monate entstandenen Sinfonien Nr. 39 in Es-Dur (KV 543), der heute gegebenen Nr. 40 in g-moll (KV 550) und Nr. 41 in C-Dur (KV 551), der seit dem 19. Jahrhundert sogenannten „Jupiter-Sinfonie“, noch einmal eine Sonderstellung zukommt. Ohne erkennbaren äußeren Anlass und auch ohne Aussicht auf eine Aufführung entstanden, gibt schon die Entstehung dieser drei letzten Sinfonien, in denen Mozart den Höhepunkt seines sinfonischen Schaffens erreicht, bis heute Rätsel auf. Was mag den von inneren und äußeren Belastungen beschwerten Komponisten in einer Zeit, da sein frisch erworbener Ruhm in Wien schon wieder zu verblassen begann, dazu bewogen haben, ohne Auftrag den Aufwand und die Anstrengung solcher „Großkompositionen“ auf sich zu nehmen? Welche Rolle spielt dabei das Vorbild des väterlichen Freundes Joseph Haydn, der ein Jahr zuvor seine sechs „Pariser-Sinfonien“ publiziert und damit der Gattung neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet hatte?
Am 25.7.1788 trug Mozart in sein eigenes „Verzeichnüss aller meiner Werke“ eine Sinfonie in g-moll ein, die in einer Fassung ohne und in einer Fassung mit Klarinetten überliefert ist. Die Frage nach dem Anlass der Klarinetten-Fassung lässt sich wiederum nur vermutungsweise beantworten: Möglicherweise wurde diese Fassung in zwei Wohltätigkeitskonzerten der „Tonkünstler-Societät“ unter Antonio Salieri am 16. und 17. April 1791 in Wien gespielt, an denen die beiden mit Mozart befreundeten Klarinettisten Johann und Anton Stadler mitwirkten.
Das Hauptthema des Kopfsatzes „Allegro vivace“ ist in sich dualistisch angelegt, kraftvoll beginnend und im zarten Streicherpiano antwortend. Die nachdrückliche Pause zwischen den beiden thematischen Bestandteilen wird im weiteren Fortgang des Satzes zu einem wichtigen Gestaltungselement, denn immer wieder bilden Pausen gliedernde Zäsuren für die musikalische Entwicklung. Zwei Seitenthemen treten zum Hauptthema, und an das zweite Seitenthema knüpft die Durchführung an, die sich bald zu mehrstimmiger Verdichtung steigert. Eine Scheinreprise markiert den zweiten Teil der Durchführung, der vornehmlich vom Kopfmotiv des Hauptthemas geprägt ist. Erneut taucht die Schlusswendung des zweiten Seitenthemas auf und führt schließlich zur „echten“ Reprise. Den krönenden Abschluss des Satzes bilden einige festliche fanfarenartige Coda-Takte. Der zweite Satz „Andante cantabile“ umfasst eine ganze Skala von musikalischen Empfindungen, von konzentrierter Innerlichkeit über leidenschaftliche und schmerzliche Trauer bis zum Erhabenen und Feierlichen. Formal ist auch dieser Satz als ein Sonatensatz gestaltet. Auffallend ist, dass die Reprise nicht auf den Anfang des Satzes zurückgreift, sondern auf den zweiten Einsatz des Hauptthemas. Das anschließende Menuett (Allegretto) basiert auf einem Thema voller sehnsüchtiger Chromatik und vermittelt doch den Eindruck schwereloser Grazie. Sparsame Fanfarenakzente gliedern den musikalischen Ablauf. Nach der Leichtigkeit seines Anfangs überrascht das Trio in seinem Mittelteil durch energische Akzente, die das Finalthema vorwegnehmen. Dieses Finale (Molto allegro) gilt als einer von Mozarts bedeutendsten und kunstvollsten Sinfoniesätzen. Hier gewinnt erstmals in der Geschichte der Gattung der Finalsatz eine gleichgewichtige, wenn nicht gar eine übergewichtige Stellung gegenüber dem Kopfsatz.
Spieldauer: ca. 26 Min
Christoph Prasser

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Letzte Aktualisierung: 17.11.2019 21:01 Uhr     © 2019 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn