Kölner Philharmonie

Philharmonischer Chor Köln

Philharmonischer Chor
Foto: Philharmonischer Chor
Philharmonischer Chor
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Philharmonisches Sinfonieorchester Köln
Konzert - Mozart

Horst Meinardus, Dirigent

Marlies Klumpenaar, Klarinette

Myung-Hee Hyun, Sopran
Seda Amir-Karayan, Alt
Tamás Tarjányi, Tenor
Georg Gädker, Bariton



Wolfgang Amadeus Mozart
Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur KV 622 (1791)

Nach der "Zauberflöte" und vor der "kleinen Freimaurermusik", KV 623, entstanden, deren Manuskript als Datum der Vollendung den 15. November 1791 trägt, knapp drei Wochen vor Mozarts Tod also, ist das Klarinettenkonzert KV 622 das letzte Solokonzert des Komponisten überhaupt. Zugedacht war es dem Freund und Klarinettisten Anton Stadler (1753-1804), mit dem Mozart erstmals 1783 zusammengetroffen war. Darüber hinaus eröffnet dieses Konzert die nicht allzu umfängliche Reihe der Solokonzerte für die Klarinette, was auch damit zusammenhängt, dass dieses Instrument erst verhältnismäßig spät Eingang fand in die Gesellschaft der im Orchester verwendeten und einer "Solokarriere" für wert erachteten Holzblasinstrumente. Stadler galt im Wien der Mozart-Zeit nicht nur als der befähigste Klarinettenvirtuose, sondern er betätigte sich auch leidenschaftlich als Experimentator von Veränderungen der Bauweise von Klarinetten. So entwickelte er selbst eine Bassklarinette, die sog. Bassettklarinette, auf der man im Vergleich zur normalen Klarinette vier zusätzliche Halbtöne im Bassregister spielen konnte. Für eine solche Bassettklarinette ist Mozarts Klarinettenkonzert nach Auffassung der Musikhistoriker denn auch ursprünglich geschrieben worden, wenngleich es heute meist auf einer "normalen" A-Klarinette gespielt wird. Das Orchester ist ungewöhnlich sparsam besetzt. Lediglich zwei Flöten, zwei Fagotte und zwei oft hoch geführte Hörner treten zum Streichorchester. Es fehlen die Oboen, die Trompeten und die Pauken. Damit ist ein intimer Rahmen vorgegeben. Und auch die Formstruktur des Werkes ist einfach. Hierin und ebenso in der schlichten Behandlung der Orchester-Passagen erinnert dieses Spätwerk an Mozarts frühe Solokonzerte, insbesondere an die 1775 entstandenen Violinkonzerte. Der erste Satz ("Allegro") des insgesamt dreisätzigen Werkes stellt im Orchester ein Thema vor, das vom Soloinstrument über weite Strecken des Satzes bearbeitet und variiert wird, oft nur begleitet von den Violinen und Violen des Orchesters. Ein eigentliches zweites Thema fehlt, ebenso die ansonsten obligatorische Kadenz des Soloinstruments. - Der zweite Satz ("Adagio"), in seiner formalen Anlage dreiteilig, lebt ganz von der Gesanglichkeit des Soloinstruments. Wie Strophen sind die einzelnen "Gesänge" der Klarinette aneinandergereiht, getrennt nur durch knappe "Blöcke", die vom gesamten Orchester bestritten werden. - Den größten Umfang hat der Finalsatz ("Allegro"). Er hat die Form eines Rondos. Auch hier ist alles auf die Virtuosität des Soloinstrumentes gestellt, wobei noch stärker als in den beiden vorangegangenen Sätzen der Klangreichtum der Klarinette vom tiefen Register bis zu den Spitzentönen ausgenutzt wird. Aufgrund des Vergleichs zu den ebenfalls von der Klarinette begleiteten Arien der späten Opera seria "Titus" hat man immer wieder den "gestisch-vokalen Charakter der Solostimme" herausgestellt, der viele Interpreten bei diesem Satz an eine Opernszene denken lässt, in der das Soloinstrument die Partie des Vokalsolisten vertritt. "Was die Meisterschaft dieses Konzertes ausmacht, ist [ ... ] eine Fülle von Details, deren Zusammenwirken erst die unverwechselbare Charakteristik dieses weich-sehnsüchtigen, vollendet ausgewogenen Klanges ausmacht." (Konold)

Wolfgang Amadeus Mozart / Franz Xaver Süßmayr
Requiem d-Moll KV 626 (1791)
für Soli, Chor und Orchester. Fragment, vervollständigt von Franz Xaver Süßmayr

Um Mozarts Tod ranken sich eine Reihe von Legenden. Besonders populär ist die Vermutung, Mozarts Konkurrent Antonio Salieri habe ihn umgebracht. Diese Theorie hat, auch wenn sie sehr gewagt ist, tatsächlich einige historische Bezüge: Mozart selbst soll auf dem Totenbett von einer Vergiftung mit aqua toffana, einer Mischung aus Arsen und Bleioxyd, gesprochen und Salieri verdächtigt haben. Dazu passend soll Salieri, der allerdings in geistiger Umnachtung endete, den Mord an seinem Rivalen gebeichtet haben. Doch die Salieritheorie ist nicht der einzige Erklärungsversuch für den frühen Tod des Komponisten: Man verdächtigte auch Mozarts Logenbruder Hofdemel, mit dessen Frau der Komponist eine Affäre gehabt haben soll. Dieses Gerücht nährte sich vor allem aus der Tatsache, dass Hofdemel seine Frau am Tag nach Mozarts Tod mit einem Messer attackierte und anschließend Selbstmord beging. Ebenso wollte man von einer Beziehung zwischen Mozarts Frau und Süßmayr wissen, der seinen Lehrer aus dem Weg schaffen wollte. Allein die Tatsache, dass Mozarts Todesursache nicht eindeutig geklärt werden konnte, ließ solche Legenden entstehen. Nun zu den Fakten: Mozart komponierte das Requiem auf Bestellung. Im Frühsommer 1791 kam ein maskierter, in schwarz gekleideter Mann zu ihm, nannte weder seinen noch den Namen seines Auftraggebers und bestellte die Komposition. Dieser geheimnisvolle Auftritt, die dunkle Kleidung und die gewünschte Totenmesse hinterließen bei Mozart ein ungutes Gefühl. Nach Angaben seiner Frau soll er geglaubt haben, er arbeite an seinem eigenen Requiem. Der in der Tat etwas merkwürdige Auftritt des Boten hat dabei aber einen ziemlich banalen Hintergrund. Der Mann kam im Auftrag von Franz Graf von Walsegg-Stuppach, einem Musikliebhaber und dilettantischem Komponisten. Die Frau des Grafen war unlängst gestorben, und Walsegg-Stuppach wollte ihr zu Ehren ein Requiem aufführen lassen. Des Öfteren bestellte er bei anerkannten Komponisten Werke, die er dann unter eigenem Namen aufführen ließ. Aufgrund dieses geistigen Diebstahls wollte er unerkannt bleiben und lies seinen Boten anonym auftreten, wahrscheinlich handelte es sich dabei um seinen Gutsverwalter Franz Anton Leitgeb. Mozart wollte den Auftrag zuerst nicht annehmen, doch man bot ihm ein gutes Entgelt, das er in seiner finanziell misslichen Lage nicht ausschlagen konnte. Seine Frau Constanze schätze vor allem die Anzahlung und drängte ihren Mann zur Komposition. Noch in schwerkrankem Zustand arbeitete Mozart am Requiem, konnte es aber nicht mehr vollenden. In der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember 1791 starb Mozart 35jährig nach mehrmaligem, damals üblichem Aderlass. Constanze Mozart bat zunächst Franz Eybler, das Requiem zu vollenden. Eybler, ein von Mozart geschätzter Komponist, willigte zunächst ein, schickte die Partitur aber wenig später wieder zurück. Auch andere Musiker lehnten die Arbeit an Mozarts Fragment ab und Constanze, in Sorge, den Vorschuss des Grafen zurückzahlen zu müssen, überredete schließlich Süßmayr und verkaufte dem mysteriösen Boten später das fertige Requiem als ein komplett von Mozart komponiertes Werk. Süßmayr nutzte zum Teil die von Mozart bereits verwendetem Themen und Motive, war aber auch auf eigene musikalische Ideen angewiesen. Dass Süßmayr, dessen Kompositionen heute völlig vergessen sind, das Werk nicht auf dem Niveau eines Mozart vollenden konnte, hat im Verlauf der Geschichte zu einer ambivalenten Einstellung diesem Requiem gegenüber geführt. Bis heute gibt es Versuche, Mozarts Fragment besser zu ergänzen, doch die Süßmayr-Fassung ist immer noch die verbreitetste. Das Requiem wurde schon bald zur bekanntesten sakralen Komposition Mozarts, wozu sicher auch die biographischen Umstände beigetragen haben. Doch vergisst man einmal die ganzen Legenden, Gerüchte und auch die Fakten und betrachten allein die Musik, so rechtfertigt schon die schöpferische Leistung den Ruhm des Werkes. Kaum eine Komposition Mozarts ist so reich an Kontrasten, kaum ein Werk so innig und kaum eine Musik nimmt den Zuhörer von Anfang an so gefangen. Das Introitus beginnt leise, mit einem blassen Streichersatz und klagenden Holzbläsern, die lediglich mit Fagotte und den seltenen Bassetthörnern - Mozarts Lieblingsinstrument - besetzt sind. Plötzlich erklingen die Posaunen im forte und kündigen den Chor an, dessen Stimmen den beginnenden Bass imitierend nacheinander einsetzen. Der Ernst des ganzen Stückes ist von Anfang an spürbar und von besonderer Intensität. Ebenso kunstvoll wie barock ist die folgende Doppelfuge, die das Kyrie der Totenmesse bildet. Nach einer Fuge, die mit einem leeren, archaisch wirkenden Klang endet, beginnt Mozart mit der Schreckensvision vom "Tag des Zorns": Die Sequenz Dies irae umfasst insgesamt sechs Sätze und bildet den wichtigsten Teil des Requiems. Am Anfang steht das dramatische Chorstück "Dies irae", das Angst, Gewalt , aber auch Gottesfurcht ausdrückt und in schnellem Tempo am Zuhörer vorbei rauscht. Weniger bedrohlich wirkt das folgende Tuba mirum, das gemäß der ersten Textzeile "Laut wird die Posaune klingen" mit einem Posaunensolo eröffnet wird. Mit dem gleichen Motiv beginnt der Bass das Quartett der Gesangssolisten. Mit einem stark artikulierten "Rex" ruft der Chor den zornigen Gott an und bittet um Gnade ("salva me"). Bevor wieder die Schrecken des Jüngsten Gerichts in den Vordergrund treten, findet der Zuhörer Frieden und Trost im Recordare. Unbarmherzig, fast brutal, klingen die tiefen Stimmen zu Anfang des Confutatis und stehen in einem starken Kontrast zu den hohen Stimmen, die mit "voca me", nur von den ersten Geigen begleitet, den Gesang der Männer für einen kurzen Moment ablösen. Das Lacrimosa, das den "Tag der Tränen" darstellt, zeigt zu Beginn eine schon im Barock gebräuchliche Figur: das Seufzermotiv. Klagend geht die Einleitung der Streicher in den sanft intonierten Chorklang über. Im Lacrimosa endet Mozarts Autograph und hier begann Süßmayr mit der Fortsetzung des Werkes. Das Lacrimosa bildet den Abschluss der Sequenz, und es folgt das Offertorium mit den Chorsätzen Domine Jesu Christe und Hostias. Im ersten der beiden Stücke begegnen wir zwei Fugen mit unkonventionellen Themen. Das erste Fugenthema ("Ne ab sorbeat") enthält für eine vokale Fuge ungewöhnlich große und viele Sprünge. In der zweiten Fuge ("Quam olim Abrahae") herrscht dagegen ein stark rhythmisiertes Thema. Inwieweit Süßmayr auf eventuelle Skizzen Mozarts zurückgreifen konnte, ist nicht überliefert. Es ist aber wahrscheinlich, dass Mozart die Themen der Fugen noch skizziert und Süßmayr nur die Ausarbeitung übernommen hat. Nach dem Offertorium folgen die Ordinariumssätze Sanctus, Benedictus und Agnus Dei. In diesen Teilen steht das Werk nicht auf der Höhe der ersten Sätze, bildet aber immerhin eine stilistische Einheit mit ihnen und greift auf einzelne Motive zurück. Der letzte Teil, die Communio, enthält ausschließlich Mozarts Musik. Süßmayr hat die Sätze des Introitus übernommen und lediglich den liturgischen Text ausgetauscht. Noch einmal bittet der Chor für die ewige Ruhe der Verstorbenen und dass ihnen das ewige Licht ("lux aeterna") leuchten möge. So endet das Requiem also mit der Doppelfuge des Kyrie und ihrem leeren, archaischen, unvollkommenen Schlussklang.

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Letzte Aktualisierung: 25.04.2019 10:01 Uhr     © 2019 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn