Staatenhaus am Rheinpark, Saal 1

Die Fledermaus

Die Fledermaus | Staatenhaus
Foto: Bernd Uhlig
Die Fledermaus | Staatenhaus
Foto: Bernd Uhlig
Die Fledermaus | Staatenhaus
Foto: Bernd Uhlig
Die Fledermaus | Staatenhaus
Foto: Bernd Uhlig

Operette in drei Akten
Operette - Johann Strauß

Libretto von Carl Haffner und Richard Genée nach dem Lustspiel "Le Réveillon" von Henri Meilhac und Ludovic Halévy
Musik von Johann Strauß (1825 - 1899)
Uraufführung 5. April 1874 in Wien
Kölner Erstaufführung 1880

MUSIKALISCHE LEITUNG MARCUS BOSCH
INSZENIERUNG PETRA LUISA MEYER
BÜHNE STEFAN BRANDTMAYR
KOSTÜME CORNELIA KRASKE
LICHT ANDREAS GRÜTER
CHOREOGRAFIE ATHOL FARMER
CHORLEITUNG SIERD QUARRÉ
DRAMATURGIE GEORG KEHREN
Handlung und Personen
GABRIEL VON EISENSTEIN, Rentier – alias Marquis Renard
ROSALINDE , seine Gattin - alias „Ungarische Gräfin“
FRANK, Gefängnisdirektor – alias Chevalier Chagrin
PRINZ ORLOFSKY, russischer Krösus
ALFRED, Liebhaber
DR. FALKE, Notar und Freund Eisensteins
DR. BLIND, Advokat
ADELE, Kammermädchen bei Eisenstein – alias Schauspielelevin
IDA, deren Schwester und Tänzerin
FROSCH, Gefängniswärter und Faktotum
IVAN UND TÄNZER / CHOR DER OPER KÖLN / GÜRZENICH-ORCHESTER KÖLN

Vorgeschichte
Aus Herrn von Eisensteins Memoiren: Doktor Falke und ich gingen einmal auf einen Réveillon. Er ging als Fledermaus, ich als Schmetterling. Wir waren beide ziemlich betrunken, als wir uns auf den Heimweg machten. Na ja, und wie das manchmal so ist: Falke wollte plötzlich partout am Marktplatz schlafen! (Offensichtlich hatte er doch mehr getrunken, als ihm zuträglich war.) Ich ließ ihn liegen, ging heim und freute mich diebisch über das Aufsehen, das er in seinem Kostüm am nächsten Morgen machen würde. Und so war es denn auch, wie einige von Ihnen vielleicht wissen: Als Falke am hellen Tag erwachte, musste er zum Gaudium der ganzen Stadt im Fledermauskostüm nach Hause marschieren!

1. Akt Vier Jahre später. Zuhause bei Eisensteins
Die Überlegungen des Stubenmädchens Adele, wie sie „die Gnädige“ überzeugen kann, ihr am Abend Ausgang zu gewähren, damit sie den Ball beim Prinzen Orlowsky besuchen kann, werden vom Ständchen Alfreds unterbrochen. Der möchte an alte Zeiten anknüpfen. Derweil kehrt Eisenstein übelst gelaunt von seiner Gerichtsverhandlung zurück. Sein cholerisches Temperament hat ihm acht statt fünf Tage Gefängnis wegen Beamtenbeleidigung eingetragen. Sein Freund Dr. Falke kann ihn schnell aufmuntern: statt in Lumpen ins Gefängnis soll Eisenstein inkognito im Frack zum Fest des Prinzen Orlowsky gehen. Zum Erstaunen seiner Gattin macht er sich bestens gelaunt auf den Weg – ins Gefängnis, wie sie annimmt. Glück für Adele: sie bekommt ihren freien Abend. Rosalinde befindet sich unverhofft in trauter Zweisamkeit mit dem hartnäckigen Alfred. Da taucht Gefängnisdirektor Frank auf, der den Delinquenten höchst persönlich abholen will. Er hält den Alfred im Schlafrock für Eisenstein und der edelmütige Alfred geht mit, da er Rosalinde nicht kompromittieren will.

2. Akt Bei Prinz Orlowsky treffen sich alle. Prinz Orlowsky erklärt den Gästen seine Lebensphilosophie und schon geht es los. Der falsche Marquis düpiert die Schauspielelelevin, verführt die Ungarische Gräfin, die wiederum seine Taschenuhr „konfisziert“. Dafür findet er einen neuen Freund in Chevalier Chagrin. Die beiden falschen Franzosen verstehen sich prächtig. Die Schauspielerin macht dem seines Reichtums überdrüssigen Prinzen eine Freude und verspielt sein Geld. Alle amüsieren sich großartig und finden sich am Ende in champagnerseliger Verbrüderung. Um sechs Uhr morgens machen sich die Gäste auf den Weg. Marquis und Chevalier gehen noch ein Stück gemeinsam.

3. Akt Im Gefängnis.
Alfred versucht, es sich in Zelle 12 mit Singen ein bisschen nett zu machen. Das stört den Gefängniswärter Frosch. Unterstützt von Slibowitz gibt er sich alle Mühe, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Gefängnisdirektor Frank trifft ein, ebenfalls alkoholgeschädigt. Kurz danach kommen auch Ida und Adele ins fidele Gefängnis, die den „Chevalier“ an seine Versprechen erinnern. Eisenstein stellt erstaunt fest, dass er schon da ist. Um das Rätsel zu lösen verkleidet er sich als Dr. Blind und befragt die ebenfalls aufgetauchte Rosalinde und Alfred. Was er hört versetzt ihn in Rage und er will Rache. Da zückt Rosalinde die Taschenuhr … Dr. Falke klärt Eisenstein und die ganze Gesellschaft auf: Der ganze Abend war die Rache einer Fledermaus! Alle zusammen besingen nochmals den Champagner.

Exkurs: Was ist ein Réveillon
Was eine Réveille ist, weiß jedermann: das Aufwecken beim Militär. Nach französischem Sprachgebrauch müsste also le réveillon der Superlativ eines Aufweckens sein … All das dachte Direktor Steiner, als er zum erstenmal davon hörte, dass ein Stück mit diesem Namen, geschrieben von Meilhac und Halévy, in Paris Furore machte. Er ließ das Stück gleich aufkaufen. Als er es aber gelesen hatte, hatte er das klare Gefühl, dass es sich für das „Theater an der Wien“ nicht eignen werde. Es gab nur wenige Wiener, die das Wort Réveillon erklären konnten. Ein paar davon – wie merkwürdig! – saßen in der Strauß-Kapelle. Vor nunmehr 36 Jahren, auf jener schon mystisch gewordenen Reise in das Frankreich Louis Philippes, hatten die Mitglieder der Kapelle in Rouen einen Réveillon erlebt, von dem sie später noch schaudernd erzählten. Anstatt der grünen Tannenbäume und stillen „Heilige-Nacht-Gefühle“ veranstalteten nämlich die Franzosen einen blasphemischen Maskenball, auf dem sogar ein Kapuziner mit einer Nonne im Kreise walzte. Ein Maskenball am Weihnachtsabend? Das war den Wienern nicht zuzumuten. Da riet der Musikverleger Lewy, ein persönlicher Freund von Johann Strauß, ein Textbuch für Strauß daraus zu machen. Steiner ging darauf ein und berief die Librettisten Richard Genée und Carl Haffner. (Heinrich Eduard Jacob: Johann Strauß Vater und Sohn / rororo Taschenbuch Hamburg 1956)

Komponist und Werk
„Die Fledermaus ist nicht die beste Operette“, hat einer ihrer großen Interpreten, Felix von Weingartner gesagt, „Sie ist DIE Operette, das Meisterwerk dieser Kunstart.“
Johann Strauß selbst sagte: „Ich muss Melodien schreiben, die im Ohr bleiben, denn die armen Leute auf der Galerie haben ja nicht das Geld, sich Klavierauszüge zu kaufen.“ Alle haben schon alles über dieses Werk gesagt und geschrieben. Daher sei hier - stellvertretend für alle Experten und Dilettanten - Marcel Prawy, der große Wiener Opernerklärer zitiert: 1873/74 schrieb Johann Strauß in seiner Villa in der Hetzendorfer Straße 18 das größte musikdramatische Meisterwerk der leichten Muse – und er wurde während dieser Zeit oft sehr böse, weil ein Junge im Nachbarhaus die neuen Melodien allabendlich nach dem Gehör nachklimperte. Alles an diesem Text steigerte seine Inspiration zur Höchstform: der Wein, den Alfred und Rosalinde im ersten Akt trinken – der Champagner, der die Ballgesellschaft im zweiten Akt zum Verbrüderungs-Hymnus „Brüderlein und Schwesterlein“ vereinigt – und der Slibowitz des besoffenen Gefängnisdieners Frosch im letzten Akt. Adele ist zur Koloratur gewordenes Lachen: im ersten Akt beim Lesen des Einladungsbriefes zum Ball – im zweiten, wenn sie in ihrem berühmten Lied „Mein Herr Marquis“ empört leugnet, Eisensteins Stubenmädchen zu sein – im dritten Akt, wenn sie dem Gefängnisdirektor als schauspielerische Talentprobe eine Dame aus Paris vormimt. Auf dem Höhepunkt des zweiten Aktes geht die Liebesfeier mit der Verbrüderung und Verschwesterung der Paare – hinreißendstes „Freude–schöner-Götterfunke“-Ensemble, das Strauß je geschrieben hat – in einen solchen Rausch über, dass die Sprache versagt und nur mehr ein Stammeln im Dreivierteltakt übrig bleibt … duidu, duidu, la, la, la … Noch in der ersten Niederschrift wurde verlangt, dass man dabei „stets im Takt die Küsse schnalzen hört“. Duidu, duidu, la, la, la … Da ist die Erotik der „Fledermaus“ – wie auch in der zauberhaften Stelle des ersten Aktes, an welcher Alfred und Rosalinde so leidenschaftlich „schmusen“, um sich vor dem Gefängnisdirektor glaubwürdig als Ehepaar auszugeben.
Plötzlich gelingt es Johann Strauß, dem man so oft vorgeworfen hatte, seine Operetten seien nur ein sinnloses Potpourri aus Tanznummern, eben diese Tanznummern in den Dienst bezaubernder psychologischer Dramaturgie zu stellen. Walzer- und Polkamotive sind nicht mehr um ihrer selbst willen da, sondern schildern die reizvoll zwielichtigen Charaktere dieser heuchelnden Kleinbürger, die alle etwas sein und haben wollen, was ihnen das Schicksal nicht bestimmt. Rosalinde langweilt sich an der Seite ihres Gatten und hätte so gerne einen Liebhaber – aber es gelingt ihr nicht. Eisenstein möchte so gerne auf dem Ball bei den leichtlebigen Ballettratten als siegreicher Don Juan ankommen, aber es gelingt ihm nicht. Und das Stubenmädchen Adele möchte so gerne wie ihre Schwester, die eine kleine Tänzerin geblieben ist, zum Theater. Sie wird eine Kammerzofe bleiben … (aus: Marcel Prawy: Johann Strauß, Wien 1991)

Anmerkungen zur Besetzung
Die Textdichter haben das französische Original geschickt ins Österreichische übertragen und erstmals den in der Folge vielfach verwendeten Brauch eingeführt, im letzten Akt einen dominierenden Charakterkomiker auftreten zu lassen. Nicht allen späteren Autoren ist es gelungen, daraus eine humorvolle-volkstümliche Figur zu formen, wie den ewig besoffenen Frosch, Paraderolle vieler großer Schauspieler von Alexander Girardi über Hans Moser, Attila Hörbiger, Heinz Rühmann, Josef Meinrad, Otto Schenk bis zu Hans Lohner (der auch 2003 eine „Fledermaus“ in Köln inszeniert hat). An der Oper Köln waren in dieser Rolle u.a. Willi Millowitsch, Dirk Bach und Herbert Feuerstein zu erleben. In dieser Inszenierung ist Jochen Busse der Frosch. Vielfach wird die Tenorpartie des Eisenstein – sogar Siegfried Jerusalem hat ihn gesungen – mit einem schauspielerisch begabten hohen Bariton wie Hermann Prey, Eberhard Wächter, Bernd Weikl besetzt. Zuletzt begeisterte in Köln Bo Skovhus. In der neuen Inszenierung gibt Miljenko Turk sein Rollendebut in dieser Partie. Da bleiben keine Wünsche offen. Claudia Rohrbach sang schon 2003 eine hinreißende Adele und wird auch diesmal die Herren auf der Bühne und im Publikum bezaubern. Ensemblemitglied Ivana Rusko debutiert als Rosalinde. Gespannt sein können wir auf den Orlowsky des koreanisch-amerikanischen Countertenors Kangmin Justin Kim, der diese Partie schon an der Opèra Comique in Paris gesungen hat. Illustre Gäste wie Natalie Karl, Marco Jentzsch, Mirko Roschkowski, Oliver Zwarg und Bjarni Thor Kristinsson runden das Ensemble ab.

Zum guten Schluss
„Die Menschen werden erst gesund werden, wenn es dazu kommt, daß sie ohne Schuhe Strauß’sche Walzer tanzen.“ (Pfarrer Kneipp) In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund, liebe Abonnenten der Theatergemeinde!
Maria Wolf

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Letzte Aktualisierung: 18.11.2019 21:01 Uhr     © 2019 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn