Staatenhaus am Rheinpark, Saal 1

La forza del destino

La Forza del Destino
Foto: Paul Leclaire
La Forza del Destino
Foto: Paul Leclaire

Die Macht des Schicksals
Oper - Giuseppe Verdi

Mit Kurzeinführung 45 Minuten vor Beginn

Will Humburg, Musikalische Leitung
Olivier Py, Inszenierung
Pierre André Weitz, Bühne & Kostüme
Bertrand Killy, Licht
Georg Kehren, Dramaturgie
Andrew Ollivant, Chorleitung


Ort und Zeit:
Spanien und Italien in der Mitte des 18. Jahrhunderts
Uraufführung:
10. November 1862, Kaiserliche Oper St. Petersburg

Drei Menschen - zwei Männer und eine zeitweise als Mann verkleidete Frau - bilden ein untrennbares Beziehungsgeflecht der erotischen Getriebenheiten, zerstörerischen Obsessionen und seelischen Abhängigkeiten: Leonora, die mit ihrem Geliebten Alvaro aus dem Elternhaus fliehen will und sich mit ihm gemeinsam schuldig macht, als dieser dabei versehentlich ihren Vater erschießt; ihr Bruder Carlo, der den beiden Flüchtenden von da an mit tödlichem Hass nachstellt; und Alvaro selbst, der, nachdem er Leonora aus den Augen verloren hat, eine emphatische Freundschaft mit eben jenem rachehungrigen Carlo schließt, ohne dass sich die beiden Männer zunächst über die Identität des jeweils anderen im Klaren sind. Ob sie voreinander fliehen oder den anderen verfolgen, ihn eben noch begehren oder ihn gleich darauf schon wieder töten wollen: Keiner von ihnen ist - auch nicht auf den Verlauf des ganzen Lebens gerechnet - in der Lage, aus diesem fatalen Muster auszubrechen, und sei es durch die Flucht ins Kloster oder ein Leben in strikter Einsiedelei. - Den Hintergrund dieser drei miteinander verquickten Einzelschicksale bildet die "Masse" Mensch: wie sie sich dem Rausch des "Fortschritts" hingibt, zum Krieg aufhetzt und wie sie das allgemeine Elend, an dessen Entstehen sie eben noch mitgewirkt hat, erst spürt, wenn sie es als Einzelner selbst erleidet.
Giuseppe Verdi und sein Textdichter Francesco Maria Piave haben mit der zunächst 1862 in St. Petersburg, dann in neuer Fassung 1869 an der Scala di Milano erstaufgeführten "La Forza del Destino" ein collagehaftes Tableau des menschlichen Verirrens und Getrieben-Seins geschaffen. Dabei stehen die sich in ihrer Dynamik zuspitzenden Massenaufläufe und die detailfreudig auskomponierten Genrebilder neben den großen, feierlich anmutenden Klosterszenen, in denen eine Sehnsucht nach innerem Frieden beschworen wird.
(Information aus der Dramaturgie der Kölner Oper)

Die Handlung

ERSTER AKT
Sevilla, in einem Saal des Palastes der Calatrava

Leonora di Vargas liebt Alvaro, den Nachkommen eines königlichen Inka-Geschlechts. Ihr Vater, der Marqués de Calatrava, widersetzt sich aber einer Heirat. So haben sich die beiden zur Flucht entschlossen. Die nächtliche Entführung Leonoras wird jedoch durch das Eingreifen des Vaters vereitelt.
Als Alvaro seine Pistole von sich wirft, löst sich ein Schuss und trifft den Marqués. Zu Tode getroffen verflucht er seine Tochter.

ZWEITER AKT
Das Dorf Hornachuelos und Umgebung

Auf der Flucht ist Leonora von Alvaro getrennt worden. Als Mann verkleidet sucht sie Unterkunft in einer Gemeinschaft, in welcher Preziosilla freiwillige Soldaten für einen Glaubenskrieg anwirbt. Leonora entdeckt ihren Bruder Don Carlos de Calatrava, der sich als Student ausgibt und, um den Tod seines Vaters zu rächen, die Verfolgung des flüchtigen Liebespaares aufgenommen hat. Als eine Prozession von Pilgern vorüberzieht, gelingt es Leonora, unerkannt zu fliehen.

In einem Kloster sucht Leonora in Männerkleidern Zuflucht und Schutz.
Der Pförtner Melitone bringt dem nächtlichen Gast an der Pforte nur Misstrauen entgegen. Als jedoch der Prior Pater Guardian erscheint, vertraut sich Leonora ihm an und wird auf ihr Drängen von diesem in die Obhut des Klosters aufgenommen. Sie entschließt sich, in einer Einsiedelei ihr Leben zu beschließen und so ihre Schuld zu sühnen. Die Mönche des Klosters geloben feierlich, nie nach dem Namen und der Herkunft der Fremden zu forschen. So wird Leonora in das Bußgewand des Ordens gekleidet, um fortan in der Einsamkeit zu leben.

DRITTER TAKT
Italien, bei Velletri

Unter dem falschen Namen Federigo Herreros ist Alvaro, der Leonora tot glaubt, in den Krieg gezogen. In einer militärischen Attacke rettet er einem spanischen Landsmann das Leben, ohne zu ahnen, dass sich hinter dem von diesem angegebenen Namen - Fliz de Bornos - Leonoras Bruder Don Carlos verbirgt. Die beiden Männer schließen Freundschaft. In der kurz darauf folgenden Schlacht wird Alvaro verwundet. Er gibt dem Freund ein Bündel mit Briefen und bittet ihn, dieses im Fall seines Todes ungelesen zu verbrennen. Don Carlos verspricht ihm dies, obwohl er unterdessen, da Alvaro den Orden von Calatrava heftig zurückgewiesen hat, misstrauisch geworden ist. Don Carlos öffnet das Bündel und entdeckt darin das Portrait seiner Schwester Leonora. Nun weiß er, wem er seine Freundschaft angetragen hat, und schwört dem vermeintlichen Mörder seines Vaters blutige Rache.
Im Heerlager herrscht wilde, verzweifelte Stimmung. Der Mönch Melitone hält eine überdeutliche Moralpredigt. Alvaro, von seinen Wunden genesen, wird von Don Carlos zum Duell gefordert. Vergebens sucht er seinen Gegner von seiner Schuldlosigkeit zu überzeugen. Die Kämpfenden werden von den Wachen getrennt. Alvaro hofft, inneren Frieden in der Einsamkeit eines Klosters zu finden. Preziosilla versucht die Moral im Heerlager, das von der Angst des kommenden Angriffs ergriffen ist, zu heben.

VIERTER AKT
Im Kloster der Madonna degli Angeli

Bruder Melitone verteilt unter den Verwundeten Essen. Don Carlos, der nicht abgelassen hat, die Spur Alvaros zu suchen, entdeckt nun endlich im Mönch Rafaello den gesuchten Schänder seiner Familienehre. Erneut fordert er ihn zum Zweikampf. Wieder weigert sich Alvaro, die Waffe zu ergreifen. Endlich aber gelingt es Don Carlos, ihn durch Hohn und Beschimpfung derart zu reizen, dass er sich dem Duell stellt. Don Carlos wird tödlich verwundet. Alvaro ruft nach einem Beichtvater für den Sterbenden und pocht an die Pforte der Einsiedelei. Als Leonora auf der Schwelle erscheint, erkennt er sie wieder. Noch im Tode unversöhnlich ersticht Don Carlos die sich hilfreich über ihn neigende Schwester.
In tiefster Verzweiflung erhebt Alvaro seine Stimme gegen die Gerechtigkeit Gottes. Pater Guardian aber vermag es, ihm und der sterbenden Leonora Trost zuzusprechen und die beiden mit dem unerforschlichen Ratschluss des Himmels zu versöhnen.


Zur Entstehung
Verdi beabsichtigte, die neue italienische Oper in Petersburg hoffähig zu machen. In Russland herrschten zwei musikalische Richtungen. Die eine war die national russische Richtung um Mussorgski und seine Freunde, die andere war eine nach Deutschland tendierende Richtung, die sich dem aufkommenden Wagnerischen Musikdrama zuwendete. Beide Richtungen lehnten Verdi ab und schlossen sich zusammen, um die italienische Oper zu diskreditieren. Um so überraschender war es, dass La Forza del Destino mit ungewöhnlicher und überschäumender Begeisterung in Petersburg aufgenommen wurde.
Verdi genoss den Erfolg, der ihm jedoch nicht den Blick auf ihre Schwächen verstellte. Die Erstaufführung in Italien unter dem Namen Don Alvaro stand aufgrund von Fehlbesetzungen unter keinem guten Stern und fiel beim Publikum durch. Im Herbst 1863 schrieb Verdi an Piave, dass das Werk "eine Häufung von Unglücksfällen und Unwahrscheinlichkeiten sei, und die Hauptpersonen Leonora und Alvaro kein Schicksal haben, so dass man daran denken solle, an La forza del destino etwas zu ändern".
Piave war inzwischen unheilbar erkrankt; die Aufgabe der Umarbeitung übernahm Antonio Ghislanzoni der später auch das Libretto Aida schreiben sollte.
Die wichtigsten Änderungen waren:
Eine breit angelegte Ouvertüre, beinahe eine Potpourri-Ouvertüre, anstatt eines kurzen Orchestervorspiels.
Im dritten Akt wurde der verhinderte Zweikampf vorverlegt. Zum Schluss des Aktes kommt die Kapuzinerpredigt des Fra Melitone, die Verdi der Kapuzinerpredigt aus Schillers Wallensteins Lager nachempfunden hat.
Im vierten Akt verlegt er den Tod Don Carlos und den tödlichen Dolchstoß gegen seine Schwester Leonora hinter die Bühne. Alvaro stürzt sich nicht mehr mit einem derben Fluch auf den Lippen von einem Felsen, sondern ihm wird im Schlussterzett göttliche Gnade zu Teil.
Die Uraufführung der umgearbeiteten Oper fand am 27. Februar 1869 an der Mailänder Scala statt. Bis heute erfreut sich diese Oper weltweit größter Beliebtheit.
Eine Aufführung in deutscher Sprache 1863 in Wien war kein Erfolg. Erst 1878 wagte man sich an der Berliner Kroll-Oper daran, das Werk in Deutschland aufzuführen. Zunächst war ihr allerdings kein Erfolg beschieden, da Opern in Deutschland zu diesem Zeitpunkt im Wesentlichen nach den wagnerschen Maßstäben für ein Musikdrama gemessen wurden. Erst nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich die Oper in Deutschland durch, und hat sich bis heute einen festen Platz auf den Bühnen erobert.

in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Eckhardt Kruse-Seiler

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Letzte Aktualisierung: 26.05.2019 21:01 Uhr     © 2019 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn