Theater Die Pathologie

Brief einer Unbekannten

Brief einer Unbekannten
Foto: Jürgen Elskamp
Brief einer Unbekannten
Foto: Jürgen Elskamp

Schauspiel - Stefan Zweig

Inszenierung: Maren Pfeiffer

Wiederaufnahme (Premiere: 18.04.2012)

"Im Theater Die Pathologie hat Maren Pfeiffer, Leiterin des 'kleinsten Bonner Theaters', Stefan Zweigs Novelle 'Brief einer Unbekannten' mit Anne Scherliess inszeniert, Leiterin des vermutlich zweitkleinsten. Aber die Damen haben Zweigs hübsch abstruse theatralische Psychoanalyse gut auf die Reihe gekriegt. Mit dem 20 Jahre älteren Sigmund Freud war Zweig bis zu dessen Tod befreundet. Man könnte anmerken, nicht folgenlos, aber das träfe es nicht genau, erst beider Seelenaufbohren brachte sie zusammen.
Hier geht es um einen Brief, den eine junge Frau an einen älteren Schriftsteller schreibt. In Maren Pfeiffers Ausstattung spielt Anne Scherliess die junge Frau auf einem vollgekritzelten weißen Tuch, das die kleine Bühne ganz ausfüllt, der Brief ist auch das Leichentuch.
Der gemeinsame Sohn, von dem der Schriftsteller nichts weiß, ist gestorben, sie stirbt den Tod ihres Kindes mit. Er versucht vergeblich, sich an sie zu erinnern. Ein paar Traumfetzen steigen in ihm auf, aber ein Bild will sich in keiner Weise gestalten. Es wäre das Bild vom dreimaligen Verleugnen, wobei aber - anders als im biblischen Vorbild - strittig bleibt, ob das Opfer er ist und nicht sie, die, hingebungsvoll leidend, ihn dreimal auf die Probe stellt. Das Mädchen in der Nachbarschaft nimmt er nicht wahr. Als es, weggezogen, wieder in das Haus zurückkehrt, verbindet sie nichts außer drei Nächten in denen der Sohn gezeugt wird, den sie allein aufzieht. Den Unterhalt verdient sie als Liebesdienerin reicher Männer, unter denen einer irgendwann auch ihr Schriftsteller ist, der sie erneut nicht wiedererkennt.
Wie meist bei Zweig verbiegen die erotischen Komplikationen ihre Urheber selbst, also hier die junge Frau, die sich, vom unschuldigen Anfang her, immer tiefer in diese Liebesunwahrscheinlichkeit verstrickt. Anne Scherliess spielt sie angenehm einfach und bewegt. Es gibt keine Sensationen, zu ihrer stillen Aufopferung gehören auch eine Unschuld, die von ihrem Übersehenwerden zehrt und es wie einen Verrat an ihrem Leben erfahren würde, wenn sie sich ihrer Liebe an einer der Stationen zu erkennen gäbe.
Eine empfehlenswerte Aufführung. Stefan Zweig wieder mal zu lesen, vielleicht von ihr verführt , wäre ein Kollateralgewinn." (H. D. Terschüren, Bonner Rundschau)

Der österreichische jüdische Schriftsteller Stefan Zweig (*1881 in Wien; †1942 in Rio de Janeiro, Brasilien) schrieb „Brief einer Unbekannten” im Jahr 1922, während seiner wohl produktivsten Lebensjahre in Salzburg (1919-1933).

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Letzte Aktualisierung: 23.02.2020 21:01 Uhr     © 2020 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn