Hast Du schon gehört? - Theater Marabu - kultur 160 - November 2019

Hast Du schon gehört?
Foto: Ursula Kaufmann
Hast Du schon gehört?
Foto: Ursula Kaufmann

Musiktheater vom Hörensagen

Der Wolf hat keinen guten Ruf bei den Menschen. Immer wenn das Wort „Wolf“ fällt, ist Schluss mit lustig. Dann geht die fröhliche Musik auf der Bühne über in ängstliches Quietschen und Jaulen. Da kann der Hütehund seine drei Schäfchen mit seiner Pfeife noch so sehr in Schach halten. Sie fürchten sich vor dem bösen Raubtier, auch wenn keiner es je gesehen hat. Wölfe waren hierzulande fast ausgerottet, aber in den letzten Jahren erscheinen sie regelmäßig wieder in den Medien. Sie stehen unter Naturschutz, haben aber allen Grund, sich vor ihren Feinden zu fürchten. Alle Kinder kennen Märchen, in denen listige Wölfe niedliche Geißlein fressen und gelegentlich sogar die Großmutter.
Mit dem märchenhaften „Es war einmal …“ beginnt auch das neue Musiktheater des Theaters Marabu: Hast du schon gehört? Es geht in dem Stück, das im Rahmen des Beethovenfestes Bonn seine Uraufführung erlebte, um die Angst vorm Hörensagen. Um Legenden, in denen ein fremdartiges Geschöpf zum schrecklichen ­Mons­ter erklärt wird, vor dem sogar Wölfe Reißaus nehmen müssten. In der Inszenierung von Claus Overkamp geht es freilich insbesondere ums Hören. Die musikalischen Performer Silas Eifler (Kontrabass), Tobias Gobesch (Klarinette) und Leonhard Spies (Gitarre) – alle sind Absolventen der Hochschule für Musik und Tanz Köln und spielen in der Klanginstallation noch etliche weitere Instrumente – lassen Gerüchte akustisch lebendig werden. Sie sind die blökenden Schäfchen und auch mal die drei kleinen Schweinchen, die sich ein Haus aus Stein gegen die Bedrohung bauen.
Dem Hund vertrauen sie nicht so ganz: Schließlich gehört er ja ursprünglich zur Familie der Wölfe. Die Schauspielerin Tina Jücker mit Pelzjacke und Cowboystiefeln (Ausstattung: ­Regina Rösing) beweist mit energischem Witz fürsorgliche Klugheit und Stärke. Aber wenn der Mond im Hintergrund lauert (Lichtdesign: Bene Neustein) verwechselt man gern mal Wissen und Glauben, dumme Ziegen und feiste Lügen. Gemütlich im Liegestuhl ausruhend leistet sich der brave Kerl auch mal ein Würstchen mit Senf. Ein Plädoyer für vegetarische Ernährung ist die Aufführung nämlich nicht. Manche Tiere fressen halt Fleisch; Salami, Kotelett und Putenbrust auf dem heimischen Teller waren ja (hoffentlich) auch mal freilaufende Geschöpfe. Nur der blutrünstige Wolf soll Schuld an allem sein – so einfach kann man sich’s nun echt nicht ­machen.
Das aufgeweckte Ensemble lässt es gern mal kräftig rocken gegen die falsche Furcht vor eingebildeten Ungeheuern. Das macht Riesenspaß und verjagt musikalisch raffiniert ganz locker die Angst vorm bösen Wolf. Ein bisschen fördert es auch die Skepsis gegenüber unerhörten Fake-Behauptungen. Bei der ersten reinen Kindervorstellung forderte das begeisterte Publikum energisch eine Zugabe zum Mitsingen.
Die Produktion wird empfohlen für Publikum ab fünf Jahren. E.E.-K.

Spieldauer ca. 1 Stunde, keine Pause
Die nächsten Vorstellungen:
1.12.19 // 19.01.20

Mittwoch, 01.01.2020

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Die Termine

So.

22

März

Theater Marabu | 22.03.2020 | 16.00 Uhr - 16.50 Uhr


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