Emil und die Detektive - Junges Theater Bonn - kultur 160 - November 2019

Emil und die Detektive
Foto: Junges Theater Bonn
Emil und die Detektive
Foto: Junges Theater Bonn

Tolle Ermittler-Truppe

Mit solchen Freunden muss die Geschichte gut ausgehen. Die jüngsten Straftäter-Verfolger sind gerade mal acht Jahre alt. Etliche stehen zum ersten Mal auf der Bühne des Jungen Theaters Bonn, das mit Erich Kästners Emil und die Detektive rasant durchstartete. Bereits zum fünfzehnten Mal im Telekom-Forum, das nach schöner Tradition jährlich eine JTB-Saisonpremiere beherbergt. Mittlerweile ist die Aufführung im großen Haus an der Beueler Hermannstraße zu erleben.
Regisseur Andreas Lachnit hat die Musical-Fassung von Wolfgang Adenberg (Dialoge und Liedtexte) und Marc Schubring (Musik) schon 2010 am JTB inszeniert und jetzt ganz frisch neu präsentiert. Unter der musikalischen Leitung von Bernard ­Niemeyer und in seiner mitreißenden Choreografie wird Kästners spannende Verbrecherjagd zu einem heiter schwungvollen Theaterereignis. Die bunten Kostüme von Brigitte Winter lassen die Geschichte in ihrer Entstehungszeit am Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Die schillernde Metropole Berlin deutet das Bühnenbild von Christian Baumgärtel an mit raffiniert beleuchteten Stellwänden und einer drehbaren stilisierten Litfaßsäule.
Daniel Coninx (alternierend mit Ulrich Wewelsiep) aus dem Erwachsenen-Ensemble gibt in schönster Conférencier-Manier den freundlichen Erzähler der „Sache mit Emil“. Der kleine Junge (mit eindrucksvoller Präsenz gespielt von Alfred Bergmann (*2012), alternierend mit dem etwas älteren Martin Wald) wird von seiner alleinerziehenden Mutter aus der heimatlichen Kleinstadt mit 140 Mark auf eine Ferienreise zur Oma in Berlin geschickt. Schon die Zugfahrt in der rappelnden Holzklasse mit allerhand skurrilen Passagieren ist ein echtes Abenteuer. Leider mit fatalen Folgen, denn der feine Herr Grundeis (Lukas David Maurer als übler Kinderhasser, dem am Ende selbst seine tollkühnen Ballett-­Luftsprünge nichts nützen) hat ihm das Geld geklaut. Glücklicherweise findet Emil schnell hilfreiche Freunde. Da ist der selbstbewusste Gustav mit der Hupe (Lukas Kirchhof), der zusammen mit dem blitzgescheiten ‚Professor‘ (Louis Bungartz), dem lustigen Mittendrey (Clarissa Jochem), dem aufgeweckten kleinen Dienstag (Corentin Schmidt) und vielen anderen Kindern die Verfolgung des Diebes aufnimmt.
Der junge Hotelpage (Syd Winkler) zeigt sich solidarisch. Dienstag übernimmt eher widerwillig die Telefonzentrale (die Generation Smartphone ist hier noch ferne Zukunft), alarmiert Emils Cousine Pony Hütchen (entzückend: Alfreds Zwillingsschwester Ingrid Bergmann) und sorgt auch sonst für entscheidende strategische Tipps. Wenn sich Emil kurz vor der Pause im Straßengewirr verläuft und sein Lied von der Großstadteinsamkeit singt, geht das wirklich zu Herzen. Aber mit dem Ohrwurm ­„Parole Emil“ kann einfach nichts schiefgehen.
Mitunter muss der Erzähler zwar ein wenig nachhelfen. Und auch das erwachsene Profi-Ensemble hat eine Menge zu tun: Andrea Brunetti (u.a. als Emils Mutter), Jan Hermann (u.a. als sympathischer Wachtmeister), Olja Artes (u.a. als elegante, vollschlanke Eisenbahn-Kundin, bewegliche Caféhaus-Serviererin und Bankangestellte), Sandra Kernenbach (u.a. als entnervter Hotelportier) und Giselheid Hönsch als wunderbare Großmutter liefern komödiantische Glanznummern. Den Fall Emil lösen indes die fabelhaft spiel-, sing- und tanzfreudigen Kinder. Wie Klein und Groß hier gemeinsam auf Augenhöhe einen polizeilich gesuchten Räuber dingfest machen, hat bestes Krimiformat. Live mit wechselnden Besetzungen der Nachwuchsrollen und höchst unterhaltsam in jeder Episode.
Hingerissener Premierenbeifall.
Empfohlen für Publikum ab 7 Jahren. E.E.-K.

Spieldauer ca. 2 Stunden, inkl. Pause
Die nächsten Vorstellungen:
9.11. // 10.11. // 29.11. // 30.11. // 13.12. // 14.12.19

Mittwoch, 01.01.2020

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Letzte Aktualisierung: 25.10.2020 14:01 Uhr     © 2020 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn