Ich – Marylin - Kleines Theater Bad Godesberg - kultur 154 - März 2019

Ich - Marylin
Foto: Kleines Theater Bonn
Ich - Marylin
Foto: Kleines Theater Bonn

Triumpf und Verzweiflung eines Superstars

Auch Jahrzehnte nach ihrem Tod gilt sie immer noch als eine der faszinierendsten Figuren der Kinogeschichte: Marilyn Monroe, die berühmteste Blondine des 20. Jahrhunderts, Sexsymbol und Filmikone, Traumfrau aller Männer und voller ungestillter Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung. Ein Phänomen an Wandlungsfähigkeit ist auch die österreichische Schauspielerin Chris Pichler. Im Kleinen Theater begeisterte sie bereits mit ihrem Solo Romy Schneider – Zwei Gesichter einer Frau und feierte hier 2018 die Uraufführung ihres Stücks Elisabeth – Kaiserin der Herzen. Jetzt gastiert sie hier mit ihrem Programm Ich – Marilyn, mit dem sie schon auf vielen großen Bühnen erfolgreich auftrat, unter anderem am Staatstheater Wiesbaden und bei den Ruhrfestspielen ­Reck­ling­hausen.
Pichler verkörpert mit weißblonder Perücke fabelhaft genau die legendäre Kultfigur, ihre Bewegungen und ihr auf zahllosen Bildern festgehaltenes strahlendes Lachen. Aber sie kopiert nicht einfach den kapriziösen Weltstar, der seine erotische Ausstrahlung als Geschäftsmodell nutzt, lustvoll für Aktfotos posiert und schamlos nach Lebensglück verlangt. Pichler zeigt auch die ehrgeizige Künstlerin und die verletzliche Frau, die sich aus prekären Verhältnissen hocharbeitete in die Kino-Traumfabrik und das Milieu der Schönen und Reichen. Geboren 1926 in Los Angeles als Norma Jeane Mortensen, als uneheliches Kind in Pflegefamilien und Waisenhäusern aufgewachsen, mit sechzehn Jahren erstmals verheiratet. Von zahlreichen Männern begehrt und immer auf der Suche nach echter Liebe.
Pichlers selbstverfasster und -inszenierter Monolog ist keine chronologisch erzählte Biografie, sondern ein Spiel mit Fiktion und Wirklichkeit, eigenen und fremden Illusionen. Schön ausgeleuchtet zwischen Rotlicht, Hollywood-Scheinwerfern und einem luftigen Bett als Hauptrequisit. Nur zitiert wird das über einem U-Bahn-Schacht hochgewehte weiße Kleid, das Marilyns Kurzzeit-Gatten Joe DiMaggio, einen ehemaligen ­Baseballstar, zur eifersüchtigen Weißglut brachte. Ebenso die hübsche Anekdote, dass sie im Bett nur ein paar Tropfen Chanel Nr. 5 trage. Bezeugt ist ihre Schlagfertigkeit („Hatten Sie wirklich nichts an? – Doch, das Radio“), ebenso wie ihr mutiger Einsatz für ihren dritten Ehemann ­Arthur Miller, der 1957 vor der berüchtigten McCarthy-Kommission als Kommunisten-Sympathisant denunziert wurde.
Natürlich dürfen berühmte Songs wie My Heart Belongs to Daddy oder das freche Diamonds Are a Girl’s Best Friend nicht fehlen. Unter die Haut geht I’m Through with Love aus dem Kinohit Manche mögen’s heiß. Manchmal greift Pichler zum historischen Standmikro, das Meiste präsentiert die exzellente Sängerin jedoch unplugged zur vom Band eingespielten Instrumentalmusik. Sie lässt mit leiser Ironie diverse intime Beziehungen Revue passieren wie beispielsweise die zu dem französischen Schauspieler Yves Montand und andere schmerzliche Erfahrungen. Zur ernsthaften Charakter-Darstellerin bei Lee Strasberg ausgebildet, hing ihr das Image als freizügiges Pin-Up-Girl doch immer nach.
Ihr spektakulärer Auftritt zum Geburtstag des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy bleibt hier eher so marginal wie die Spekulationen um Marilyns frühen Tod durch eine Überdosis Schlafmittel im August 1962. Emotional eindringlich, aber durchaus auch witzig mit perspektivischer Distanz spielt Pichler die phänomenale Karriere einer eigenwilligen Komödiantin, die zwischen naiver Euphorie und splitternackter Verzweiflung verglüht. Einsam in einem Hotelzimmer, gezeichnet von Alkohol und Psychopharmaka, mit einem rosa Telefon am Bett. Und einem aufgedrehten rosa Spielzeug-Hündchen als letztem Begleiter.

Standing Ovations und etliche Bravi für eine schauspielerische Hochleis­tung mit intelligenter Tiefenschärfe. E.E.-K.

Spieldauer ca. 2 Stunden, inkl. einer Pause

Donnerstag, 01.08.2019

Zurück

Merkliste

Veranstaltung

Momentan befinden sich keine Einträge in Ihrer Merkliste.

Letzte Aktualisierung: 25.02.2020 17:01 Uhr     © 2020 Theatergemeinde BONN | Bonner Talweg 10 | 53113 Bonn