Die Geisterkomödie - Kleines Theater Bad Godesberg - kultur 133 - Februar 2017

Die Geisterkomödie
Foto: Kleines Theater Bonn
Die Geisterkomödie
Foto: Kleines Theater Bonn

Verrückter Psychokrimi



„Es lebe das Unsichtbare“, lautet der Arbeitstitel seines neuen Romans. Dafür recherchiert der erfolgreiche Krimiautor Charles Condomine im spiritistischen Milieu und hat deshalb Madame Arcati, ein in der Gegend bekanntes Medium, zum Dinner eingeladen. Mit fatalen Folgen, die er bald deutlich zu spüren bekommt. Natürlich halten er und seine Gäste die skurrile alte Dame für eine berufsmäßige Schwindlerin. Oder unterhält sie doch direkte Verbindungen zum Jenseits? Bedeutungsschwer läutet die Uhr die nächtliche Séance ein, bei der weder Klopfzeichen noch das klassische Tischrücken fehlen dürfen.

Regisseurin Constanze Jungnickel hat Noël Cowards 1941 in London uraufgeführte Geis­terkomödie (in der kongenialen Übersetzung von Curt Goetz) leicht aufgefrischt. Elvira, Charles‘ erste Gattin, verstorben an einem Lachanfall bei den BBC-Nachrichten, findet Engel reichlich „uncool“ und ist in ihrer neuen Sphäre auch nicht „offline“. Ansonsten ­bleibt’s im Kleinen Theater hübsch old-­fashioned im gepflegten bürgerlichen Salon (sanftgraues Bühnenbild: Mario Clos). Die eleganten Kostüme von Hanne Eckart lassen den Lebenden zwischen schwarz, weiß und grau weniger Farben als den fröhlichen Untoten. Brillant bewahrt Steffen Laube als Gentleman Charles eiserne Haltung angesichts der nur für ihn sicht- und hörbaren Erscheinungen. Ein Ungläubiger, der plötzlich im falschen Film gelandet ist und aus der absurden Zeitschleife nicht mehr rauskommt. Tapfer der Wirklichkeit verhaftet bleibt Aurélie Thépaut als seine bezaubernde Gattin Ruth, die zwar auf Französisch fluchen kann, aber den Ernst der Sache bald begreift.
Köstlich gibt Gunhild Branchart die hysterische Geisterbeschwörerin Arcati, die umweltfreundlich ihr Fahrrad sattelt, bevor sie nach ein paar sehr trockenen Martinis ihren Job verrichtet. Schließlich ist sie ein Profi in Sachen Manifestationen aus der Geistersphäre. Unter den stocknüchternen Augen von Nervenarzt Dr. Bradman (Marcel Höfs mit nervösem Dauer-Schluckauf) und seiner enervierend geschwätzigen Gattin Violet (Julia Kiefer) läuft da ein sehr britischer Psychokrimi, der den braven Charles zu einem „astralen Bigamisten“ macht. Nicole Kleine als Elvira muss wohl auf einem fernen Planeten zum schrillen Punk-Girl mutiert sein und will energisch großes Kino. In Farbe und mit Musik vom Grammophon. Gespenster stellt man sich üblicherweise weniger lebendig vor. Geradezu heroisch erträgt Ruth die nur für ihren Gatten (und natürlich das Publikum) sichtbare Anwesenheit der Rivalin. Oder ist das Geschöpf mit den feuerroten Locken nur eine Manifestation von Charles‘ Phantasien und das eheliche Kontrastprogramm? Leider scheint Elvira sehr konkrete Pläne zu verfolgen, um sich im Jenseits nicht weiter zu langweilen.

Als buchstäblicher ‚running Gag‘ fungiert das stets rumeilende schwarze Dienstmädchen Edith (Mariyama Ebel), das wahrscheinlich mehr kapiert als die feine Herrschaft, die sich mit geheimnisvollen Spukgestalten angelegt hat. Verraten sei nur: Charles‘ Biografie endet nach zwei höchst unterhaltsamen Stunden abrupt im Auto mit zwei verdammt lebendigen Erscheinungen.
Eine in jeder Hinsicht geistreiche Komödie mit köstlichem Schwindeleffekt und einem wunderbar inspirierten Schauspiel-Ensemble. E.E.-K.

Spieldauer ca. 2 ¼ Stunden inkl. Pause
Im Programm bis zum 26.01.17

Donnerstag, 13.04.2017

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