Giulio Cesare in Egitto - Oper Bonn - kultur 133 - Februar 2017

Giulio Cesare in Egitto, Oper Bonn
Foto: Thilo Beu
Giulio Cesare in Egitto, Oper Bonn
Foto: Thilo Beu

Musikalisches Fest der Stimmen



Das Neue Jahr mit einer konzertant präsentierten Barockoper zu begrüßen, ist schon ziemlich mutig. Händels nicht gerade selten gespieltes Meisterwerk Giulio Cesare in Egitto lohnt freilich das konzentrierte Hinhören. Aus guten Gründen wurde das 1724 in London uraufgeführte „dramma per musica“ schon zu Lebzeiten des Komponisten ein großer Erfolg und gilt heutzutage als weltweit beliebteste Händel-Oper. Zweifellos liegt das auch am populären Stoff: Die Liebesgeschichte des römischen Feldherrn Cäsar und der ägyptischen Prinzessin Kleopatra gehört zu den bekanntesten Legenden der Antike und spätes­tens seit der monumentalen Hollywood-Verfilmung von 1963 zum epischen Grundwissen.
Großes Kino gibt es in der Bonner Produktion nicht. Ein paar auf den Bühnenhintergrund projizierte Bilder von Büsten, Skulpturen und anderen antiken Kunstwerken illustrieren die Geschichte, die sich in der Mitte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts in Alexandria ereignete. Historisch ziemlich sicher nicht so, wie Händels Oper sie erzählt, was aber kein Problem ist. Denn das eigentlich Faszinierende ist die facettenreiche Musik, die eine ungeheure Bandbreite von Emotionen beschwört. Der musikalische Leiter Wolfgang Katschner, ein international gefragter Barockspezialist (in Bonn dirigierte er bereits die erfolgreiche Inszenierung von Händels Frühwerk Rinaldo), hat die Oper für die konzertante Aufführung publikumsfreundlich gekürzt und dramaturgisch gestrafft. Mit rasantem Tempo führt er das auf der Bühne platzierte Beethoven Orchester durch das farbenreiche Klanggeschehen. Schade, dass im recht bescheiden gestalteten Programmheft die großartigen Instrumentalsolisten – außer der exzellenten Continuo-Gruppe – nicht genannt werden. Alle spielen „historisch informiert“, aber nicht so trocken, dass die Gefühle untergehen. Im Gegenteil: Gerade die sensibel ausformulierten Passagen des Orchesters und der feinsinnig eingesetzten Instrumente machen die Verwirrungen der Akteure erst so transparent, dass man beim Hören aufs Sehen verzichten kann.
Tatsächlich überhaupt nicht, denn ihre Auftritte spiegeln auch ohne Bühnen- und Kostümopulenz die komplizierte Handlung. Allen voran Terry Wey in der Titelrolle, der Händel wundervollste Arien zugeschrieben hat. Mit seiner traumhaft schönen Altus-Stimme, die selbst die schwierigsten Koloraturen ganz leicht erscheinen lässt, ist er eine Idealbesetzung für den edlen Charakter, der nach einer gewonnenen Schlacht seine Gegner achtet und entsetzt ist, wenn man ihm das barbarisch abgeschlagene Haupt seines Feindes als politisches Freundschaftspfand präsentiert. Den jungen ägyptischen Herrscher Tolomeo, der mit seinen amoralischen Angeboten die Welt erobern möchte, singt Owen Willetts mit sinnlich schillerndem Countertenor. Cornelia, Witwe des grausam geköpften Pompeius, muss sich gleich gegen zwei sie begehrende Männer zur Wehr setzen: Den gerade der Pubertät entwachsenen Tolomeo, der etwa so alt ist wie ihr Sohn Sextus, und Tolomeos ehrgeizigen Militärkommandanten Achillas. Diesen undurchsichtigen Wendehals singt Giorgos Kanaris mit stabilem Bariton.
Als Cornelia überzeugt die mit betörend tiefer Stimme begabte Mezzosopranistin Ceri Williams: Eher nicht als erotische Männerfantasie, sondern als zornige Mutter, die ihren Sohn auf Rache einschwört. Die Mezzosopranistin Kathrin Leidig gibt den tapferen Helden Sextus, der seinem Pflichtgefühl folgt. Es bedarf allerdings einiger die Grenzen der Wahrscheinlichkeit sprengenden Zufälle, bis Tolomeo endlich beseitigt ist.
Die aufregendste Persönlichkeit in dem Politkrimi ist jedoch Cleopatra. In Händels Version ist sie nicht die machtgierige orientalische Schönheit, die den alten Römer Cäsar betört, um die Herrschaft am Nil zu erobern. Ihre Liebe ist die ehrlichste in der ganzen Oper. Sie ist wirklich verzweifelt, wenn Cäsar vermeintlich einem Attentat erliegt und unendlich glück­lich, wenn er den Fluten entsteigt und zurückkehrt an den Nil, um sie zur Königin der Herzen von Rom und Ägypten zu machen. Bei der Premiere sang die aus Südkorea stammende Sopranistin Sumi Hwang die extrem anspruchsvolle Partie. Scheinbar mühelos mit jugendlicher Unbeschwertheit zwischen Koketterie und Melancholie.
Bei der zweiten Vorstellung am 7. Januar war Francesca Lombarda Mazzulli als Cleopatra zu erleben. Ihr Sopran klang etwas schwerer als die helle Stimme von Hwang, was jedoch gut passt zu der facettenreichen Figur. Der schlanke Bass von Daniel Pannermayr (Curio) und der schöne Sopran der jungen Manon Blanc-Delsalle (Nireno) sind weitere Glanzlichter dieser musikalisch beglückenden Vorstellung. In dieser puristischen Form wird die barocke Heldenoper zu einem konzentrierten Kammerspiel, aber spannend bis zur letzten Arie.
Großer Jubel am Ende. Viel Applaus auch schon zwischendurch für die vielen sängerischen Bravourstücke. Für Händel-Fans ist die Aufführung ein „Muss“, für sonstige Opern-Liebhaber möglicherweise eine Herausforderung. Bei den ersten beiden Vorstellungen erschien die Publikumsauslastung noch steigerungsfähig. Bei der zweiten lag es sicher auch am Blitzeis in der Region, das manchen von einer gefährlichen abendlichen Rutschpartie abhielt. E.E.-K.

Spieldauer ca. 2¾ Std. inkl. einer Pause
Die weiteren Vorstellungen: 28.01.? 29.03.? 15.04.17

Donnerstag, 13.04.2017

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