Das Geheimnis der drei Tenöre - Contra-Kreis-Theater - kultur 132 - Januar 2017

Das Geheimnis der drei Tenöre
Foto: Contra-Kreis-Theater
Das Geheimnis der drei Tenöre
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Opernreif


Spätestens seit das legendäre Trio Carreras, Domingo, Pavarotti in den 1990er Jahren die Fußballstadien eroberte, werden Tenöre gefeiert wie Popstars. Darauf setzt auch Impresario Henry Saunders, der im Pariser Olympiastadion die „Drei Tenöre“ präsentieren will. Die neue, 2015 mit großem Erfolg in Cleveland uraufgeführte Komödie des Amerikaners Ken Ludwig verlegt Das Geheimnis der drei Tenöre zwar in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts (schön illus­triert von Bühnenbildner Johannes Fischer), aber in der rasanten Inszenierung von Contra-Kreis-Chef Horst Johanning tut das wenig zur Sache. Mit der deutschsprachigen Erstaufführung hat er seinem Haus zum 50. Jubiläum am jetzigen Standort ein echtes Geschenk gemacht. Auch dem begeisterten Publikum, das die Premiere mit opernreifem Jubel belohnte.
Opernreif ist zweifellos die ganze Story, die anknüpft an den Riesenfolg von Ludwigs Otello darf nicht platzen, der 1993 am Contra-Kreis herauskam. Stephan Schleberger spielte damals den Max und ist nun der Konzertmanager Henry, der kurz vor dem Event wirklich ein solides Nervenkostüm braucht. Denn Tenor bedeutet Leidenschaft. Bei einem italienischen Startenor wie Tito Merelli leider auch jenseits der Bühne. Der äußerst wandlungsfähige Ralph Schicha gibt fabelhaft den Künstler im dramatisch gereiften Mannesalter.
Glücklicherweise hat er die ebenso attraktive wie treue Ehefrau Maria an seiner Seite, die ihm manchmal klar machen muss, dass es ein Leben außerhalb von Verdi- und Puccini-Verwicklungen gibt. Die grandiose Andrea Wolf ist mit temperamentvoller Italianitá die gute Seele des zunehmend aus dem Ruder laufenden Geschehens. Das gemeinsame Töchterchen nannten sie übrigens Mimi. Und während Papa noch seine Gattin bittet: „Wenn sie in die Pubertät kommt, ruf mich an“, ist das Mädel (bezaubernd: Christine Last als angehende Filmschauspielerin) längst in die Bohème entwischt.
Während die Zeit unerbittlich abläuft und Tausende von Opernfans sehnsüchtig dem Tenorhimmel entgegenfiebern, entschwindet also eine junge Frau halbnackt durchs Stadion. Was etwas mit dem roten Sofa in Merellis noch nicht ganz aufgeräumtem Hotelzimmer zu tun hat. Sowie mit dem jungen lyrischen Tenor und Mädchenschwarm Carlo Nucci, dessen Gagen und naive Erotik Merelli zur Weißglut treiben. Zumal dieser Sonnyboy (hinreißend: Hermann Bedke, der an der Bonner Oper bereits in dem Musical Jesus Christ Superstar mitwirkte) alles hat, was Frauenherzen in höhere Schwingungen versetzt. Wie Tito vermutet, auch das seiner Angetrauten. Glücklicherweise gibt es den braven Max (wunderbar: Steffen Schlösser), der stocknüchtern jede aberwitzige Situation meistert. Er ist der eigentliche Held, der seinem Schwiegervater Henry selbstlos aus allen Schlingen hilft.
Nachdem sich ein schwedischer Tenor nach Norden verabschiedet hat, ist Hotelboy Beppo, in Venedig als singender Gondoliere und Opernfan aufgewachsen, die letzte Rettung. Dass er eine erstaunliche Ähnlichkeit mit Tito hat, macht die Sache je nach Blickwinkel einfacher oder komplizierter. Eine feurige russische Diva (umwerfend: Monika Guthmann) mischt alles noch mal gründlich auf. Die üblichen Boulevard-Türen werden indes mit solch köstlicher Ironie und perfekt gesetzten Pointen bedient, dass man beinahe selbst ins Schleudern kommt. Die raffinierten Kostüme von Anja Saafan sind ein Vergnügen für sich.
Böse Zungen behaupten gern, dass ein Tenor nicht bis Drei zählen kann. Hier entfachen am Ende vier Tenöre sowie ein Sopran mit Schauspieler-Belcanto eine Show (musikalisch geleitet von Stephan Ohm) mit Kultpotenzial. Der Rest ist ein Theatergeheimnis, das man selbst lösen sollte. Bei einem sentimentalen Puccini-Seufzer zu lachen oder bei einem Traviata-Walzer im Takt zu klatschen, ist dabei absolut kein Sakrileg. E.E.-K.

Spieldauer 2 ¼ Stunden, inkl. 1 Pause
Die Komödie läuft bis 26.02.17 täglich ausser montags und 23./24.12./1.01.

Dienstag, 24.01.2017

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