Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt - Kammerspiele - kultur 122 - Januar 2016

Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt
Foto: Thilo Beu
Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt
Foto: Thilo Beu

Traum-Reise ins Theaterglück



Das feuerrote Gefährt sieht aus wie ein Hubschrauber, kann aber noch viel mehr. Außer fliegen auf dem Wasser schwimmen und wie ein Auto über Land fahren. In den Kammerspielen ist es anscheinend aus Legosteinen hergestellt und ein wirklich sensationeller Hingucker. Zumal es umweltfreundlich mit Himbeersaft betrieben wird und gern auch Lebertran schluckt. Konstruiert hat es der junge Erfinder Tobias Findeisen, genannt Tobbi. Nach dessen Plänen heimlich gebaut hat es indes Rob 344-66/IIIa, genannt Robbi. Der ist ein Roboter-Schüler und muss höllisch schwere Prüfungsaufgaben lösen. Ganz ohne Google und Smartphone. Das gab’s nämlich noch gar nicht, als sich der Autor Boy Lornsen 1967 die Geschichte ausdachte.
Am Schauspiel Bonn hat Regisseur Jasper Brandis den Kinderbuchklassiker Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt witzig in Szene gesetzt und dafür die Kölner Gruppe PuppetEmpire (Bühne und Puppen) mit ins Boot geholt. Für die Reisen von Tütermoor über den Nordpol nach Schottland gibt es nämlich eine Miniaturversion des Legomobils und seiner beiden Piloten. Das funktioniert prächtig im Luftraum über der eigentlichen Bühne, auf der sich neben den menschlichen Schauspielern noch allerhand lustige Figuren tummeln.
Wobei Robbi, köstlich verkörpert von Alois Reinhardt mit Technostimme und kieksender Quengelei, wenn wieder mal Treppenstufen zu bewältigen sind, ja zu beiden Sphären gehört: Ein künstliches Wesen, das aber mit robuster Herzlichkeit seine rein mechanische Existenz schnell vergessen lässt. Der augenzwinkernde Monitor vor der Brust und die flotten Heelys an den Füßen (Kostüme: Anna Ignatieva) sind so cool, dass Tobbi nur kurz zögert vor der Erprobung seines Fliewatüüts. Manuel Zschunke spielt den blitzgescheiten Drittklässler Tobbi, der sich als Pilot glänzend bewährt, selbst wenn er nicht auf alle Klimazonen vorbereitet ist und am Nordpol fast erfriert. Aber da helfen die freundlichen Inuits Na-Na und Nu-Nu mit einer tollen Wundersalbe. Simon Forster und Julia Seuring führen auch die Puppen, wobei es am Schluss noch mal richtig spannend wird, als Nessi – grün und mit einem endlos langen Hals – den Kopf aus dem See erhebt und Ghosty auf Plumpudding Castle herumspukt.
Andrej Kaminsky gibt herrlich komisch die nervtötend fürsorgliche Tante Paula, den glücklichen Matthias auf dem geringelten Leuchtturm, den unerschütterlichen Wetterforscher Zacharias und schließlich den wüs­ten Sir Joshua in der Dreieckigen Burg. Hier findet Robbi nicht nur die letzte Lösung seiner Prüfungsaufgaben. Es wird auch klar, was es mit der diebischen Elster auf sich hat, die schon in Tütermoor mit Tante Paulas silbernem Löffel im Schnabel herumflatterte.
Gemeinsam bestehen Robbi und Tobbi alle Abenteuer, weil jeder seine Fähigkeiten einsetzt. Bei der Bruchlandung im schottischen Hochland zum Beispiel – Robbi hat sogar einen 3-D-Drucker zur Hand, mit dem die kaputten Teile flugs wiederhergestellt sind. Moderne Technik und traditionelles Puppenspiel, Film-Anspielungen und lebendiges Theater verbinden sich zur Musik von Ansgar Silies zu einer fantastischen Geschichte. Das Schönste daran: Es ist auch die Geschichte einer wunderbaren Freundschaft. Vielleicht war alles nur ein Traum. Aber Mitträumen macht großen Spaß. Außerdem muss das Ganze nach der Vorstellung keineswegs zu Ende sein, denn aus dem von den Dramaturginnen Angela Merl und Elisa Hempel liebevoll gestalteten Programmheft kann man sich ein neues Spiel basteln. E.E.-K.

Spieldauer ca. 1 ¾ Stunden, inkl. Pause
Empfohlen für Publikum ab 8 Jahren.

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9.01. // 17.01. // 24.01. // 31.01.16

Dienstag, 02.02.2016

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