Romeo und Julia - Tanzgastspiel Russisches Nationalballett - kultur 122 - Januar 2016

Tragische Love-Story



Eigentlich sollte das Ballett der Staatsoper Jekaterinburg in Bonn seine erste Deutschland-Tournee starten. Das Gastspiel mit Prokofjews Romeo und Julia musste „aufgrund einer Anweisung vom Kulturministerium der Russischen Föderation“ abgesagt werden. Stattdessen sprang kurzfristig das Russische Nationalballett ein, das hier schon mehrfach in der Reihe „Highlights des internationalen Tanzes“ auftrat. Die unabhängige Compagnie aus Moskau pflegt das klassische Repertoire und die traditionelle Tanzkunst ihrer Heimat. Bei der ersten von drei Vorstellungen des Handlungsballetts nach Shakespeares unsterblicher Tragödie gab’s noch ein paar technische Patzer, was aber auch damit zu tun hat, dass die Truppe unmittelbar zuvor noch in Mexiko unterwegs war. Bei den folgenden Aufführungen klang die Tonspur vom Band deutlich besser.
Ironie des Schicksals: Das erste große Werk, das der Komponist nach seiner Rückkehr in die Sowjetunion schuf, fand bei den Auftraggebern wenig Gnade und wurde Ende 1938 im tschechischen Brünn uraufgeführt. Das Russische Nationalballett hat das Original auf zwei Akte eingedampft. Schon im Morgennebel auf dem Marktplatz von Verona leuchten die hübsch gemalten Kulissen (ständig fahren Bühnenbildelemente wenig erhellend rauf und runter) so blutrot, dass es keinen Zweifel am mörderischen Ende der Geschichte geben kann.
Zeitweise tut ein Teil des großen Ensembles zwischen den perfekt auf der Spitze getanzten Solo- und Duett-Nummern nicht viel mehr, als mit pathetischen Gesten seine opulenten Kostüme vorzuführen. Was bei der in höfischen Konventionen erstarrten Gesellschaft durchaus Sinn macht. Ein Lichtblick ist der quirlige Mercutio (Dino Bulmaga), der selbst sterbend noch ironische Haltung bewahrt. Wirklich berührend tanzt die vielfach ausgezeichnete Liudmila Titova das Liebeserwachen des Mädchens Julia. Fast noch ein Kind in den Armen des ihr zum Gatten bestimmten Edelmanns Paris und plötzlich eine sehnsüchtige junge Frau, die nur noch Augen für Romeo hat, kraftvoll elegant verkörpert von dem fabelhaften Sergej Skvortsov. Der beseelte Pas de deux ganz in Weiß nach der heimlichen Hochzeit bleibt betörend schön.
Die lilienbewehrten Brautjungfern sind wirklich entzückend, die Fechtszenen virtuos. Dann geht’s mühsam ans Sterben, der pantomimische Spuk zwischen Gruft, Gift und letztem Taumel beschwört das unmögliche Liebesglück mit zarter Blässe. Nicht ganz der erwartete Ballettglanz, aber die weiteren Gastspiele der Uraloper Jekaterinburg standen bei Redaktionsschluss nicht in Frage. Dann sogar mit live spielendem Orchester. E.E.-K.

Dienstag, 02.02.2016

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