Der kleine Drache Kokosnuss rettet die Welt - Junges Theater Bonn - kultur 116 - Mai 2015

Der kleine Drache Kokosnuss
Foto: J. Zumbusch/Junges Theater Bonn
Der kleine Drache Kokosnuss
Foto: J. Zumbusch/Junges Theater Bonn
Der kleine Drache Kokosnuss
Foto: Junges Theater Bonn
Der kleine Drache Kokosnuss
Foto: Junges Theater Bonn

Mutige Expedition


Superhelden sind gar nicht nötig, wenn der Weltuntergang in ein paar Stunden droht. Mit Grips und Phantasie läuft die Rettung wahrscheinlich sogar besser als mit tausend Konferenzen. Zugegeben: Der geistige Horizont der Dracheninsel-Bewohner ist recht begrenzt. Aber wenn’s um eine globale Aufgabe geht, trauen der nicht ganz schwindelfreie rundliche Flugdrache Kokosnuss und seine Freunde sich alles Mögliche zu.
Nach dem großen Erfolg von Der kleine Drache Kokosnuss (steht seit 2012 auf dem JTB-Spielplan) schickt Regisseur Lajos Wenzel im Jungen Theater Bonn den sympathisch naiven Mini-Drachen jetzt auf eine abenteuerliche Reise zum Meeresgrund. Aus mehreren Erzählungen des Kinderbuch-Autors Ingo Siegner hat er ein spannendes Theaterstück geschaffen, das mit viel Sprachwitz und Spielfreude überzeugt. Geschickt entführt Wenzels Inszenierung das junge Publikum in eine Abenteuergeschichte. Die Schauspieler treten erst mal als Spieler auf, die sich allmählich in Bühnenfiguren verwandeln. Eigentlich möchte der Kokosnuss-Darsteller ja mal einen filmreifen Superman verkörpern, schnallt sich dann aber doch den Drachenschwanz fest und setzt sich die türkisfarbene Mütze auf, die zum bekannten Outfit (tolle Kostüme: Brigitte Winter) der beliebten Kinderbuchfigur gehört. Dass Kokosnuss, Oskar und Matilda dem vierten Mitspieler keine Rolle zuteilen, erweist sich indes als fatale Entscheidung.
Ein plötzlich auftauchender giftgrüner Wicht verkündet stotternd eine schlimme Nachricht: Die Welt (ok, ist jetzt nicht ganz klar, was die Welt überhaupt ist, aber für theoretische Spitzfindigkeiten ist es eh zu spät) wird schon heute Nachmittag untergehen. Dagegen muss man sofort etwas tun. Aber was? Also erst mal bei Trödelknödel (lustig per Gießkanne auf dem Kopf als Rüsseldrache ausgewiesen) eine Ausrüstung besorgen. Dessen Trödelladen ist eine herrlich kunterbunte Wunderkammer. Regieassistentin Anneliese Jankowicz hat am JTB schon mehrere Produktionen betreut und liefert mit ihrem ersten eigenständig gestalteten Bühnenbild schon ein Meisterwerk ab, bevor sie in Basel ihr Bühnenbildstudium beginnt. In liebevoller Detailarbeit hat sie auch die animierten Zeichnungen von Meeresgetier und Mythenmonstern geschaffen, die als Videoprojektionen die ganze Reise begleiten. Aus der Inselidylle wird flugs eine unterseeische Meeresforschungsstation, bevor die Weltretter-Truppe im versunkenen Atlantis landet und zu einem Maya-Tempel aufbricht. Für die flotte Fortbewegung sorgt ein Tufo (= total unbekanntes Flugobjekt) mit amphibischen Fähigkeiten. Die aus Blecheimern gebastelten Taucherhelme sehen zwar nicht sonderlich tiefseetauglich aus, aber man muss für das große Ziel halt was riskieren.
Der quirlige Ferdi Özten als kleiner Drache Kokosnuss geht mit fröhlicher Neugier keiner Gefahr aus dem Weg. Christian Steinborn als knuffiger Fressdrache Oskar überwindet energisch seinen Dauerhunger (verträgt übrigens nur vegetarische Nahrung) und sorgt mit einem blinkenden Denkapparat auf dem ansonsten nicht gerade von Geistesblitzen heimgesuchten Haupt für Erleuchtung. Katharina Feilschen als schlaues Stachelschwein Matilda sucht gelegentlich Rat in Reclam-Heftchen und braucht den feurig roten Mutstein des Piraten eigentlich gar nicht, weil sie auch so gut klar kommt mit der Angst, die oft besser ist als unüberlegtes Draufgängertum. Der wandlungsfähige Thomas Kahle spielt alle anderen Figuren, zieht als schillernde Riesen­krake eine wilde Horror­show ab, lüftet als Orakelchen dunkle Geheimnisse und überzeugt als in Wirklichkeit gar nicht so böser Donnertroll.
Witzige Wortspiele und pfiffige Illusionsbrechungen geben der Aufführung einen hohen Unterhaltungswert für alle Generationen. In der mitreißenden Choreographie des musikalischen Leiters Bernard Niemeyer wirbelt das tänzerisch wie sängerisch fabelhafte Quartett über alle Wellen und Klippen. Die eigens für diese Produktion komponierte Musik von Thomas Guthoff hat Ohrwurm-Qualität. Der Song „Wir retten die Welt“ könnte zur neuen Bonner Hymne werden. Ganz nebenbei erfährt man auch noch was über den Planeten Erde und Sonnenfinsternisse. Jedes Kind kann furchtlos „drachenstark“ sein, lautet die finale Botschaft. Superdrachenstark war der Uraufführungs-Beifall für die vergnügliche Theaterreise mit diesem „Save-the-World“-Team. E.E.-K.
Spieldauer ca. 90 Minuten,
inkl. einer Pause
Empfohlen für Zuschauer ab 4 Jahren.
die Nächsten Termine:
1.05. // 2.05. // 24.05. - 26.05. // 3.06. // 4.06. // 13.06. // 14.06.15 jeweils 15 Uhr
Die Aufführung am 14.06. ist mit
Übersetzung in Gebärdensprache.

Dienstag, 25.08.2015

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