Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer - Junges Theater Bonn - kultur 111 - Dezember 2014

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivfahrer
Foto: Junges Theater Bonn
Jim Knopf und Lukas der Lokomotivfahrer
Foto: Junges Theater Bonn

Märchenglück auf Lummerland



Wie Emma sich strahlend beim Beifall verneigt, möchten wir hier lieber nicht verraten. Zuvor sind der wunderbar altmodischen Lokomotive, die so fröhlich auf der Insel Lummerland mit ihren weltberühmten zwei Bergen ihre Runden dreht, aber glatt ein paar Tränen aus dem Dampfkessel getropft. Denn sie sollte ihre Heimat verlassen, weil König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte eine Überbevölkerung seines Reiches fürchtete. Jim Knopf, einst als Baby per Postpaket hier gelandet, ist nämlich zu einem großen Jungen herangewachsen. Aber selbstverständlich wird er Emma und seinen väterlichen Freund Lukas nicht im Stich lassen.
Im Jungen Theater Bonn hat Andreas Lachnit, der hier regelmäßig Regie führt, die bekannte Geschichte Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer jetzt neu und sehr vergnüglich als Musical auf die Bühne gebracht. Die frisch aufpolierte Bühnenfassung der 1961 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichneten Erzählung von Michael Ende (1929 – 1995) schrieb Intendant Moritz Seibert selbst. Die flotte Musik dazu hat Michael Barfuß komponiert, der zum ersten Mal am JTB arbeitet und bis 2013 fest am städtischen Theater Bonn engagiert war. In der phantasievollen Ausstattung von ­Laurentiu Tuturuga (Bühnenbild und Kostüme) funktioniert die Inszenierung einfach fabelhaft. Mit variablen Bühnenelementen verwandelt sich die Lummerland-Idylle geschwind in den chinesischen Kaiserpalast und die gefährliche Drachenstadt. Videoeinspielungen sorgen für Ozeanwellen und Wüs­tenlandschaften.
Für köstliche Verwirrungen sorgen aber erst mal die drei Telefone. Seine Majestät braucht dringend Nachschub an Lakritzbonbons und ruft deshalb Frau Waas an, die aber gerade den Hoffotografen Ärmel in der Leitung hat. Jan Herrmann als leicht vertrottelter König, später auch als chinesischer Oberbonze Pipapo und schließlich als Drachenlehrerin Frau Malzahn beweist in allen Rollen seine brillanten Komiker-Qualitäten. Nicole Johannhanwahr (alternierend mit dem langjährigen Ensemblemitglied Andrea Brunetti) mit operettenreifem dramatischem Mezzosopran ist nicht nur eine Bilderbuch-Mama, sondern auch der liebenswürdige kleine Halbdrache Nepomuk, der von den bösen Drachen nicht für voll genommen wird. Das neue Ensemblemitglied Thomas Kahle mutiert vom wuseligen Bildjour­nalisten flugs zum ehrwürdigen Kaiser von China.
Die Entschärfung der vermeintlichen Paketbombe auf Lummerland ist in der witzigen Choreographie des versierten Musical-Spezialisten Bernard Niemeyer (auch verantwortlich für die musikalische Leitung) jedenfalls ein großer Spaß, zumal viele Kinder im Publikum spontan mithelfen. Bevor Fazil Özen als Jim Knopf mit jugendlichem Charme wirklich jedes Herz zum Schmelzen bringt. Zumal Christian Steinborn als überaus sympathischer Lokomotivführer Lukas für fast alle Probleme eine Lösung hat und seine alte Emma sicher über hohe Berge und durch enge Schluchten rangiert. Ein freundlicher Scheinriese (Sandra Kernenbach) eröffnet dabei eigenwillige Perspektiven.
Angesichts von Jims naiver Fröhlichkeit ist es kein Wunder, dass die aus dem Kummerland befreite Prinzessin LiSi (hinreißend: Katharina Felschen) gern mitkommt nach Lummerland. Außerdem schaffen sie’s ganz nebenbei noch, die Insel ein wenig zu vergrößern, so dass bald Platz für alle ist. Musikalisch und spielerisch ist die Aufführung unter lustigem Volldampf ein pures Theaterglück. E.E.-K.

Empfohlen für Zuschauer ab 5 Jahren.

Spieldauer ca. 100 Minuten
inkl. einer Pause
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Donnerstag, 11.12.2014

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