Zwiebeln und Butterplätzchen - Contra-Kreis-Theater - kultur 105 - April 2014

Funny Boys

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Die Silberhochzeit möchte George Raper am liebsten einfach vorübergehen lassen. Am besten als ganz normalen Tag daheim. Die einst ziemlich verunglückten Flitterwochen in Frankreich wiederholen und dabei auch noch romantische Gefühle zeigen – nein danke! Ein Brite wie George muss nun wirklich nicht die Insel verlassen, um mit sich und dem relativ unbedeutenden Rest der Welt zufrieden zu sein. Dass Gattin Mildred Flug und Hotel (exakt dasselbe Zimmer wie vor 25 Jahren!) schon gebucht hat, macht nichts. George will partout nicht mit.
Hans-Jürgen Bäumler spielt diesen leicht verschrobenen, aber sehr sympathischen Herrn, der gern eingelegte Silberzwiebelchen nascht, Kekskrümel im Bett kaum störend findet und dort nach eigenem Bekunden „nicht so auf physische Sachen steht“.
Zwiebeln und Butterplätzchen heißt in der Übersetzung von Wolfgang Spier die Komödie When the Cat’s Away der englischen Autoren Johnnie Mortimer und Brian Cooke, die auf einer erfolgreichen TV-Sitcom-Serie der 1970er Jahre beruht. Regisseur Horst Johanning hat das etwas angestaubte Stück mit viel Spielwitz im Contra-Kreis neu aufgefrischt. Wenn die Katzen aus dem Haus sind, tanzen die Mäuse auf dem Tisch. Das bedeutet hier: Die Männer machen mal so richtig einen drauf.
Georges wohlhabender Schwager Humphrey Pomfrey (herrlich komisch als alter Playboy: Holger Petzold) tut das ohnehin recht gern, weshalb plötzlich Mildreds Schwester Ethel schmuck- und pelzbehangen (Kostüme: Anja Safaan) wutentbrannt mit einer Menge Koffer vor der Tür steht. Arzu Ermen gibt mit gehörigem Pathos die eifersüchtige Gattin, Marion König die tapfere Ehefrau, deren erotische Bemühungen an Georges Trägheit leider abprallen. Ein paar Pfund für ihr niedliches Flug-Sparschwein gönnt er ihr, aber das Ticket überlässt er Ethel. Sturmfreie Bude also für die Herren, obwohl George sein trautes bürgerliches Heim (liebevoll ausgestattet von Bühnenbildner Thomas Pfau) nur ungern für Eskapaden zur Verfügung stellt. Immerhin hat er für den feuchtfröhlichen Abend sogar eine Krawatte angezogen, die beim Champagner-Schluckauf ziemlich stört. Was der alte Schwerenöter Humphrey da anschleppt, kann sich freilich sehen lassen: Sehr blond ist seine attraktive Sekretärin Josie (Josephine Gey), entzückend mit leichtem Hang zur Melancholie deren dunkelhaarige Freundin Shirley (Rosetta Pedone), die bei George eher väterliche Instinkte weckt.
Nach den Regeln des Boulevards ist zu erwarten, dass die beiden Gattinnen vorzeitig wieder auftauchen. Aus dem Schlafzimmer sogar, wohin sie sich zurückgezogen haben, nachdem der Flug gecancelt wurde. Was für allerhand amüsante Verwirrungen sorgt, bis die Upper-Class-Verwandtschaft endlich wieder abzieht. George hat die Nase sowieso voll von irgendwelchem jungen Gemüse. Auf seine notwendig etwas verdrehte Weise liebt er nur Mildred, die eigentlich ganz zufrieden ist mit diesem charmanten alten Trottel. Gewiss kein Traumprinz, aber fürs gediegene Glück doch recht tauglich.
Bestens tauglich für einen vergnüglichen Abend ist auch die spritzige Aufführung mit ihrer köstlichen Typen-Zeichnung und lustigen Überraschungen. E.E.-K.

Spieldauer ca. 2 Stunden, eine Pause
die nächsten Termine:
tägl. ausser montags bis 18.05.14

Mittwoch, 17.09.2014

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